Marktbericht
Stand: 16.06.2022 16:32
Nach der überraschend deutlichen Zinserhöhung der Schweizer Notenbank herrscht große Unruhe im Markt. Der DAX fällt deutlich. Wo kann der deutsche Leitindex jetzt Unterstützung finden?
Der DAX tendiert am Nachmittag weiterhin deutlich schwächer und kämpft mit der 13.000-Punkte-Marke. Im Tagestief fiel er auf 13.063 Punkte. Das sind weniger als 3,0 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des Vortages. Damit hat der DAX seit März ein neues Tief erreicht. Die jüngsten drastischen Maßnahmen der Notenbanken sorgen für Unbehagen bei den Anlegern.
SNB-Entscheidung als Warnsignal
Die Märkte sollten nicht nur verdauen, dass die US-Notenbank gestern die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben hat, den höchsten seit 1994. Vor allem die überraschende Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) trifft Europa hart heute schon fragile Aktienmärkte. Die SNB hatte den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte angehoben und als Massnahme gegen den Inflationsdruck bezeichnet.
Die Märkte interpretieren dies als Warnung: Es scheint, dass immer mehr Zentralbanken Angst haben, die Kontrolle über die Inflationserwartungen zu verlieren, nachdem sie lange gezögert haben, selbst hohe Inflationsraten als dauerhaftes Problem zu identifizieren.
Wirtschaftsupdate vom 16.06.2022
Dorothee Holz, HR, 16.6.2022 10:09 Uhr
Reagieren Zentralbanken zu spät?
Nun reagieren also die Fed, die SNB und vermutlich bald auch die Europäische Zentralbank (EZB), auf die der Druck nach der Entscheidung der SNB steigt. Die Entscheidung der SNB zeige, dass praktisch alle großen Zentralbanken an einem Strang ziehen, sagte Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets.
Aber ist die Straffung der Geldpolitik zu spät, um die Inflation einzudämmen? Und was ist der Kollateralschaden? Werden steigende Zinsen die Wirtschaft stoppen und die USA und Europa in eine Rezession stürzen?
Sehr hohe Leistung, DAX im Tiefrausch
Das sind Fragen, die Anleger beschäftigen und ihnen derzeit einen breiten Blick auf Aktien ermöglichen. Zumal die überraschende Zinserhöhung der SNB auch einen erneuten Verkauf an den Obligationenmärkten erzwang; im Gegenzug schossen die Renditen in die Höhe.
Mit den heutigen fallenden Kursen und einem neuen Dreimonatstief trübt sich auch die technische Landschaft des DAX ein. Das deutsche Aktienbarometer hatte bereits wenige Tage zuvor ein Verkaufssignal gesendet, als es den Tiefstand von Anfang Mai (13.381 Punkte) unterschritten hatte.
Die technischen Analysten von HSBC Trinkaus warnen, dass dieser Negativkurs nun sogar ein Wiedersehen mit dem bisherigen Jahrestief seit Anfang März bei 12.439 Punkten befürchten lässt.
Der Hexensamstag sorgt für zusätzliche Volatilität
Der bevorstehende Fälligkeitstermin sorgt für weitere Unsicherheit bei den Anlegern. An diesem Tag schließen Anleger ihre Long- und Short-Positionen an Terminbörsen. Im Vorfeld versuchen sie, Spotmarktkurse wie den DAX in die gewünschte Richtung zu lenken. Dies dürfte kurzfristige Preissteigerungen und -rückgänge weiter verstärken.
Wall Street sehr rot
Auch die New Yorker Börse bricht stark ein. Zum Auftakt fiel der Leitindex Dow Jones um rund 2,5 Prozent. An der Technologiebörse Nasdaq brach er sogar um fast drei Prozent ein. Das bedeutet, dass der Aktienmarkt nicht mit dem Vortagesgewinn mithalten kann.
Auch in den USA ist das Thema des Tages die Zinserhöhung der Notenbanken, wobei besonders die Erhöhung der Schweizer Zinsen überrascht. Dies könnte Bedenken hinsichtlich des globalen Wirtschaftswachstums schüren und den Kurs ändern, so der Markt. Unterdessen erhöhte die Bank of England die Zinsen erwartungsgemäß um 0,25 Prozentpunkte.
McDonald’s im Rampenlicht
Die Aktien des Fast-Food-Riesen Dow Jones fielen zur Eröffnung um rund 1,7 Prozent. Zuvor war bekannt, dass der Konzern 1,25 Milliarden Euro an die französische Justiz zahlen und deshalb das Steuerbetrugsverfahren beenden möchte.
Die Ölpreise sind gesunken
Die gesunkene Risikoaversion der Anleger und der steigende Dollar wirken sich auch auf den Ölmarkt aus. Am Nachmittag Zur Mittagszeit kostet ein Barrel (159 Liter) Brent aus der Nordsee fast drei Prozent weniger, 118,06 Dollar. Das sind 1,8 Prozent weniger als am Vortag.
Euro und Gold mit Verlusten
Unterdessen verleiht der starke Anstieg der US-Zinsen dem Dollar Auftrieb. Im Gegenzug verlor der Euro 0,6 Prozent auf 1,0401 US-Dollar. Eine Unze Gold kostet 1829 Dollar.
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