Neue Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels in Form von Tabletten oder als Injektion
Vielen Menschen mit hohen Blutfettwerten werden bewährte Medikamente namens Statine verschrieben. Sie senken nachweislich hohe Blutfettwerte wie Cholesterin und beugen gefährlichen Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall vor.
Es gibt auch neuere Medikamente namens Alirocumab, Evolocumab, Ezetimib und Inclisiran. Ezetimib ist in Tablettenform erhältlich, die Präparate heißen Ezetad, Ezetrol oder Ezetimib-Ratiopharm. Die anderen drei Wirkstoffe werden unter den Namen Praluent (Alirocumab), Repatha (Evolocumab) und Leqvio (Inclisiran) gespritzt.
Die Analyse berücksichtigt Nutzen und Risiko
Sind die neueren Medikamente sinnvoll, zusätzlich zu Statinen oder als Alternativmedikament? Ein internationales Forscherteam hat dazu Studien ausgewertet. Die Analyse wurde im British Medical Journal veröffentlicht und beschreibt den Nutzen von lipidsenkenden Medikamenten basierend auf dem Ausgangsrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt. Dieses Risiko ist bei einem Patienten mit hohem Cholesterinspiegel, aber ohne andere Risikofaktoren sehr gering. Das Anfangsrisiko ist zum Beispiel bei einem Patienten, der einen Herzinfarkt erlitten hat, sehr hoch.
Wenig Gewinn und nur hohes Risiko
Die Ergebnisse der Evaluation sind bescheiden:
- Wenn die neuen blutfettsenkenden Medikamente zusätzlich zu Statinen verabreicht werden, können sie die Sterblichkeitsrate im Allgemeinen und speziell durch Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht senken. Dies gilt unabhängig vom Ausgangsrisiko.
- Das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle könnte leicht sinken, aber zunächst nur bei Menschen mit hohem oder sehr hohem Risiko. Über einen Zeitraum von fünf Jahren würden die neuen blutfettsenkenden Medikamente 1 bis 2 von 100 solchen Vorfällen mehr verhindern als Statine allein. Für Ezetimib gilt das Ergebnis wahrscheinlich nur für Schlaganfälle.
- Ebenso gering ist der Nutzen der neueren Medikamente anstelle von Statinen, wenn beispielsweise Anwender Statine nicht vertragen. Diese Berechnungen basieren jedoch auf vergleichsweise spärlichen Daten.
- Darüber hinaus fasst die Analyse die Ergebnisse für Alirocumab, Evolocumab und Inclisiran zusammen. Ob sie tatsächlich auch für den Schneidezahn gelten, ist fraglich. Denn bisher gibt es keine Studienergebnisse zum Wirkprinzip, die zeigen, ob es Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugt.
Bleiben Sie gesund – wir helfen Ihnen dabei
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Auch unsere Einschätzung fällt negativ aus
Zwei der vier eingeschlossenen Medikamente, Ezetimib und Evolocumab, werden in unserer Datenbank der geprüften Medikamente bewertet. Wir stufen sie entweder allein oder in Kombination mit einem Statin als unzureichend ein. Folglich können nur spezielle Gruppen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko von der Anwendung profitieren.
Statine hingegen halten wir für ausreichend. Ihr Nutzen ist gut belegt und in der Praxis seit vielen Jahren erprobt.
Tipp: Im Gespräch mit einem Arzt kann geklärt werden, ob Medikamente gegen hohe Blutfettwerte notwendig sind. Dann sind die Wirkstoffe der Statingruppe Standardtherapie und werden von den meisten Menschen gut vertragen. Manchmal gibt es Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen. Manchmal hilft es, nach Rücksprache mit dem Arzt die Dosis zu reduzieren oder auf ein anderes Präparat umzusteigen. Muskelbeschwerden werden laut neueren Studien oft nicht durch Statine verursacht, sondern weil Anwender negative Folgen erwarten.