Spannung vor Brunners erster Haushaltsrede

Was den Haushalt betrifft, wird ein Defizit von drei Prozent des BIP angestrebt. Die Schulden dürften auf 367 Milliarden Euro steigen, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll aber von 78,3 auf 76,7 Prozent sinken. Die Zinsaufwendungen sollen bis 2023 von 4,3 Milliarden Euro auf knapp 9 Milliarden Euro steigen.

Am Donnerstag folgt eine erste Debatte über das Haushaltsprojekt. Vom 4. bis 11. November wird in den Kommissionen des Nationalrates debattiert, beginnend wie gewohnt mit einer Expertenaudienz. Das Budget 2023 soll am 17. November im Nationalrat zur Genehmigung vorliegen.

APA/Hans Punz Im vergangenen Jahr hielt der inzwischen aus der Politik ausgeschiedene Gernot Blümel (ÖVP) als Finanzminister die Haushaltsrede.

Die Schuldenkosten sind stark gestiegen

Im Vorjahr hatte Gernot Blümel (ÖVP) die Haushaltsrede gehalten. Brunners geplanter Haushalt ist mit hohen Schulden belastet, die sich in den letzten Jahren der Pandemie dank der großzügigen CoV-Hilfen und der stark gestiegenen Zinsen angesammelt haben. Dazu kommen milliardenschwere Anti-Inflationspakete, eine gewaltige Inflation und ein stagnierendes Wirtschaftswachstum.

Aufgrund der Zinserhöhungen der EZB im Kampf gegen die Inflation sind die Kosten der österreichischen Verschuldung in diesem Jahr deutlich gestiegen. Österreich zahlte im Jänner 0,09 Prozent für zehnjährige Anleihen, aktuell sind es 2,68 Prozent. Von Januar bis August 2021 zahlte der Bund 1,9 Milliarden Euro Zinsen auf seine Schulden; im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres stiegen die Zinszahlungen des Bundes auf 3,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von über 100 Prozent.

ORF.at/Roland Winkler Blick in den Besprechungsraum

Der Finanzminister hat sich zum Ziel gesetzt, die Verschuldung zu reduzieren und die Schuldenquote in den kommenden Jahren auf 70 Prozent des BIP zurückzuführen. Das sei notwendig, weil Österreichs Ausblick kritischer gesehen werde und „das unsere Verschuldung verteuert“, sagte Brunner kürzlich.

Energiepreise als größter Unsicherheitsfaktor

Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage und der Eskalation des Krieges in der Ukraine ist der Haushalt voller Unsicherheiten. Die Inflation wird nicht nur 2023 hoch bleiben und die Wirtschaftsaussichten sind düster. Die Entwicklung der Energiepreise ist ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. Einige Experten glauben, dass der von der Regierung beschlossene Energiekostenzuschuss für Unternehmen nicht ausreichen wird und eine Preisobergrenze erforderlich ist.

Debatten über Österreichs Haushalt

Die Regierung legte ein milliardenschweres Paket für einen klimafreundlichen Umbau der österreichischen Industrie vor und erntete viel Kritik von SPÖ und NEOS hinsichtlich der Planung des Pakets.

Das Energiekostenzuschussgesetz unterstützt energieverbrauchende Unternehmen mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Unternehmen, deren Energiekosten mindestens drei Prozent ihres Umsatzes ausmachen, können den Zuschuss ab Mitte November beantragen – noch in diesem Jahr soll das Geld fließen. Gefördert wird nur, wer nachts auf Heizkissen und Ladenbeleuchtung verzichtet.

Die Inflation spiegelt sich in allen Bereichen wider

Kritiker werfen der Regierung vor, insgesamt zu wenig zur Eindämmung der Inflation zu tun und nur auf Hilfsmaßnahmen zu setzen. 2023 kostet allein die Abschaffung der fortschreitenden Erkältung den Staat 1,5 Milliarden Euro.

Gleichzeitig schlägt sich die Inflation in allen Bereichen des Haushalts nieder: Gehälter der Bundesbediensteten, Renten, Sachausgaben und alle Anschaffungen. Schulen und Universitäten klagen beispielsweise bereits über Heizkosten und fordern mehr Fördergelder. Allein für die Renten sind im nächsten Jahr weitere 2,7 Milliarden Euro eingeplant, die Sozialreform wirkt sich mit 0,8 Milliarden Euro aus und 2024 werden knapp 500 Millionen Euro mehr für Äußeres und Asyl eingeplant.

Auch das Innenministerium und die Bundeswehr bekommen mehr

Darüber hinaus erhält das Innenministerium weitere 400 Millionen Euro, von denen ein Teil in die Stärkung der Resilienz und Krisenprävention sowie in die Cybersicherheit investiert wird. Berichten zufolge wird jedoch mehr als die Hälfte zum Ausgleich der Inflation verwendet, dh die Gehälter von Polizisten und anderen Angestellten.

Angesichts des Krieges in der Ukraine gibt es mehr Geld für die Bundeswehr. Im nächsten Jahr kommen weitere 680 Millionen Euro hinzu, was einer Steigerung von derzeit 2,64 Milliarden Euro (0,6 Prozent des BIP) auf 3,32 Milliarden Euro (0,7 Prozent des BIP) entspricht. Aber auch hier macht sich die Inflation bemerkbar: Davon werden 100 Millionen zum Ausgleich benötigt.

2024 steigt das Budget auf 3.700 Millionen, 2025 auf 4.200 Millionen und 2026 auf 4.700 Millionen Euro. Insgesamt sind es 2026 fünf Milliarden Euro. Das Geld soll in den Personenschutz von Soldaten, Mobilität, Panzer und Luftverteidigung investiert werden.

Von kalter Progression zu Sozialleistungen

Auch einige wichtige Gesetze werden in dieser Woche verabschiedet. Unter anderem wird die Kaltprogression abgeschafft, die Rentenerhöhung für 2023 und die Begrenzung des Strompreises vereinbart. Bei der kalten Progression ist es aktuell so, dass Lohnerhöhungen dazu führen können, dass Menschen in eine höhere Steuerklasse fallen und am Ende real nicht mehr Geld haben als zuvor.

Dieser Effekt wird nun bekämpft, indem die Steuerklassen jedes Jahr an die Inflation angepasst werden, aber nur um zwei Drittel. Was der Staat mit den verbleibenden Mehreinnahmen macht, ist ihm überlassen. Vorerst sollten Personen, die wenig Einkommensteuer zahlen, eine überdurchschnittliche Ermäßigung erhalten. Künftig werden auch Familien- und Sozialleistungen automatisch jährlich veranlagt. Dazu gehören Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Studienbeihilfe.

Erhöhung der Renten und Begrenzung des Strompreises

Die Renten, die nicht nur um die gesetzlichen 5,8 Prozent steigen, werden im Herbst durch eine Einmalzahlung unterstützt. Die Bezahlung sollte in erster Linie kleine und mittlere Empfehlungen begünstigen. Die Ausgleichszulage, de facto die Mindestrente, wird um rund zehn Prozent steigen.

Auch das Thema Energiepreise wird im Nationalrat in Form einer Strompreisobergrenze diskutiert. Bis Mitte 2024 sollen 80 Prozent des Verbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts subventioniert werden. Bis zu dieser Grenze ist über den Marktpreis hinaus nur der Vorkrisenpreis zu zahlen. Auch Unternehmen werden unterstützt. Das Budget für den Energiekostenzuschuss wird von 450 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro aufgestockt. Er unterstützt energiesparende Unternehmen, die mindestens drei Prozent ihres Umsatzes für Strom, Gas und Kraftstoffe ausgeben.

Leichtfried: Die Selbstaufgabe der Bundesregierung

Die Opposition erwartet nicht viel vom Bundeshaushalt 2023. SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried sprach am Dienstag auf einer Pressekonferenz von einem haushalts-, finanz- und wirtschaftspolitischen Einbruch, den ÖVP und Grüne in Folgeregierungen hinterlassen haben. NEOS wiederum forderte die Regierung auf, „die Gießkanne zu packen“.

Angesichts dessen, was über den Haushalt bekannt sei, könne man nur einen Schluss ziehen, nämlich dass weder die ÖVP noch die Grünen damit rechnen, in der nächsten Regierung vertreten zu sein. Das Geld der Steuerzahler wird in einem beispiellosen und unwirksamen Ausmaß verschwendet. So wurden sechs Milliarden Euro gegen die Inflation eingesetzt. „Und was ist billiger geworden? Da wurde nichts verbilligt.” Sein Fazit: “Wenn der Haushalt Politik in Zahlen ist, dann ist das der Verzicht auf die Bundesregierung.”

Fragen Sie nach einer Gaspreisobergrenze

Statt preissenkender Maßnahmen leistet die Regierung bereits verklungene Einmalzahlungen. Er verwies auf den Anstieg der Inflationsrate und Warnungen von Wirtschaftsforschern vor einer Stagnation. Eine Deckelung der Gaspreise ist daher notwendig, und Österreich wird dasselbe tun müssen. Eine Senkung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel und Energie ist ebenfalls erforderlich.

Die CO2-Steuer muss ausgesetzt werden, inklusive Erhöhung im nächsten Jahr. Auch gegen überhöhte Benzinpreise muss vorgegangen werden. „Was macht der Wirtschaftsminister, außer auf der Pendeluhr zu schlafen?“, fragte Leichtfried.

NEOS gegen Gießkanne

NEOS war auch ratlos über die Ausgaben der Regierung. „Jeder, der denkt, weiß, dass eine Gießkanne irgendwann leer ist“, sagte Wirtschaftssprecher Gerald Loacker auf einer Pressekonferenz. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger forderte mehr Investitionen in Digitalisierung, erneuerbare Energien sowie Forschung und Entwicklung.

Von den fast zwölf Milliarden Euro an Hilfsmaßnahmen seien laut Meinl-Reisinger nur 400 Millionen Euro speziell für die ärmsten Haushalte vorgesehen. Die allermeisten Gelder würden einfach überall verteilt, kritisierte er die Ausgestaltung von Maßnahmen wie dem Klimabonus und der Strompreisbremse. Lediglich 90 Millionen Euro wurden für Investitionen wie die Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien aufgewendet. „Das ist nicht nachhaltig, das ist absolut populistische Politik mit der Gießkanne, die uns viel kosten wird“, sagte Meinl-Reisinger.

Der NEOS-Chef erwartet auch, dass der Finanzminister aufsteht und sagt: “Ich habe keinen Geldautomaten.” Was Sie ausgeben, müssen Sie zurückbekommen. Loacker erwartet, dass der Finanzminister die Lohnnebenkosten stärker senkt und die kalte Progression rückwirkend zum 1. Januar 2022 abschafft. Außerdem soll der Stundenabsetzbetrag außerordentlich erhöht werden Loacker forderte auch eine Steuergutschrift für alle, die bereit waren, Vollzeit zu arbeiten…

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *