Die Migros verdient im Supermarktgeschäft kaum Geld

Eine dezentrale Organisationsstruktur sei schlecht für das Kerngeschäft.

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Im Kerngeschäft, den Supermärkten, läuft es bei der Migros nicht rund. Viele der zehn regionalen Genossenschaften schreiben rote Zahlen oder stehen kurz davor.

Am vergangenen Montag überraschte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen alle. Der Neuchâtel wird den Händler im nächsten Frühjahr verlassen.

Doch der unerwartete Abgang darf nicht die einzige Turbulenz für die Migros bleiben. Das zeigen zumindest Recherchen der Sonntagszeitung.

Zwei von zehn regionalen Genossenschaften erzielen weiterhin erhebliche Gewinne

Einer der wichtigsten Gründe für Zumbrunnens Abgang seien die schlechten Geschäfte in den Supermärkten, schreibt die Zeitung. In der Zürcher Zentrale wird befürchtet, dass die Migros im Kerngeschäft für das Geschäftsjahr 2022 rote Zahlen vorlegen muss.

Der Deal ist noch Wochen entfernt, aber Untersuchungen zeigen, dass in den Supermärkten, die von den zehn regionalen Genossenschaften betrieben werden, die Verkäufe in diesem Jahr so ​​stark zurückgegangen sind, dass auch die Gewinne stark zurückgegangen sind. Überall liegen die Umsätze unter denen des Vorjahres.

Mindestens drei Genossenschaften – Zürich, Tessin und Wallis – schreiben derzeit rote Zahlen. Basel und Waadt durchbrachen nach deutlichen Gewinnrückgängen nur knapp die Defizitgrenze. Genf und Neuenburg/Friburg machen mit ihren Wechselstuben nur geringe Gewinne.

Die mächtige Genossenschaft Aare (Bern, Solothurn, Aargau) steht klar im Hintergrund. Dies ist jedoch nur dem Verkauf von Immobilien und Beteiligungen zu verdanken. Von den zehn regionalen Genossenschaften sind nur zwei, nämlich die Ostschweiz und Luzern, klar in der Gewinnzone.

Vor allem die Nebengeschäfte halten die Migros über Wasser

Das große Ganze jedenfalls sieht düster aus: Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte wie Patente, Marken, Verträge oder Kundenbeziehungen ist in diesem Jahr bei den zehn Genossenschaften bisher um gut 40 Prozent eingebrochen. Berücksichtigt man die zahlreichen Spezialeffekte, sind es am wenigsten fast 60 Prozent.

Ausgerechnet im Kerngeschäft mit den Supermärkten verdient die Migros so gut wie nichts. Sie hält sich im laufenden Jahr nur dank jener Betriebe am Leben, die nicht den regionalen Genossenschaften, sondern dem Hauptsitz in Zürich unterstellt sind.

So macht der Reiseveranstalter Hotelplan erstmals seit Jahren wieder solide Gewinne, die Migros Bank verzeichnet eine gute Geschäftsentwicklung und die Migrol-Tankstellen liegen aufgrund hoher Benzin- und Dieselpreise im Minus. Und auch der neu gegründete Gesundheitssektor entwickelt sich gut, vor allem dank der starken Nachfrage nach Dentalzentren.

Insgesamt werden die Verluste in den Supermärkten der zehn Genossenschaften durch Umsatzsteigerungen im Reise-, Gesundheits- und Tankstellengeschäft kompensiert. Das bedeutet, dass die Migros-Gruppe insgesamt 2022 voraussichtlich höhere Umsätze verzeichnen wird. Der Reingewinn wird aber nach verlässlichen Angaben deutlich tiefer ausfallen, berichtet die Sonntagszeitung.

Coop macht es besser und wird zentral geführt

Probleme im Inland sind der Hauptgrund für den Umsatz- und Gewinnrückgang. Erstens: Im Gegensatz zur Konkurrentin Coop betreibt die Migros viele grosse, zentrale Filialen. Dies ist ein entscheidender Nachteil, da sich das Arbeits- und Einkaufsverhalten der Verbraucher nach der Pandemie verändert hat.

Auch die Zeit der großen Wocheneinkäufe ist vorbei. Stattdessen tätigen viele Kunden mehrmals pro Woche kleine Spontankäufe, und dafür braucht es keine großen Filialen, sondern kleine Filialen in Wohn- und Arbeitsnähe.

Das zweite grosse Problem ist die schwerfällige Struktur der Migros. Während Coop zentral von Basel aus gesteuert wird, haben bei der Migros die regionalen Genossenschaften das Sagen. Jede hat ihren eigenen Verwaltungsapparat, kauft weitgehend eigene Produkte ein, gestaltet ihr eigenes Sortiment und entscheidet autonom über ihr Filialnetz.

Zumbrunnen kapitulierte vor dem Eigeninteresse der Branchen

Zumbrunnen versuchte vergeblich, das Blatt im Supermarktgeschäft zu wenden. Er schlug vor, dass die zehn regionalen Unternehmen ihre Kräfte in Einkauf, Sortiment und Verwaltung bündeln. Dies hätte wahrscheinlich Rekrutierungskosten gespart, aber Regionalmanager wehrten sich gegen ihre Entmachtung.

Mit dem Projekt „Puma“ wollte Zumbrunnen, dass die Genossenschaften bei der Logistik enger zusammenarbeiten. «Das ist nicht passiert, das Projekt war ausverkauft», sagt ein Migros-Insider.

Eine weitere der Migros-Führung nahestehende Quelle wird in der Sonntagszeitung wie folgt zitiert: Sonntagszeitung: „Zumbrunnen wusste sehr wohl, dass er keine Chance hatte, sich gegen die mächtigen Landesfürsten durchzusetzen, und deshalb entschied er sich zu diesem Schritt“. Dies bestätigt die Untersuchung von Tamedia, wonach Zumbrunnen kapitulierte, weil die regionalen Genossenschaften ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellten, anstatt zusammenzuarbeiten.

Im nächsten Frühjahr bleibt abzuwarten, ob Zumbrunnens Nachfolger die Genossenschaften enger zusammenführen kann.

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