Agentur für Grundrechte: Der Antisemitismus hat zugenommen

Laut der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) hat der Antisemitismus in Europa weiter zugenommen. „Die CoV-Pandemie und die russische Aggression gegen die Ukraine“ haben den Antisemitismus „weiter angeheizt“, sagte der Direktor der EU-Agentur Michael O’Flaherty heute bei der Veröffentlichung des Jahresberichts zum Antisemitismus in Wien. Als Gründe nennt die FRA Desinformation und „falsche Narrative“, die vor allem im Internet kursierten.

So versuchte Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Begriffen wie “Nazi” und “Völkermord” zu rechtfertigen, um die Regierung in Kiew zu beschreiben. Laut dem im Juli erstellten Bericht sind jüdische Gemeinden in Europa von Online-Hass und Fehlinformationen über den Krieg in der Ukraine „tief betroffen“. In einigen Ländern, wie Österreich und Finnland, ereignete sich die Mehrzahl der erfassten antisemitischen Vorfälle online.

Kritik an der Datenerhebung

Die FRA kritisierte auch die anhaltende Untererfassung antisemitischer Vorfälle in ganz Europa. So lagen beispielsweise aus den beiden EU-Mitgliedstaaten Ungarn und Portugal keine offiziellen Daten zu antisemitischen Vorfällen vor, was einen aussagekräftigen Vergleich der Situation innerhalb der EU erschwerte.

Im Oktober 2021 hat die EU-Kommission erstmals eine Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus vorgelegt. Brüsseler Behörden wollen jüdisches Leben besser schützen und fördern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Bekämpfung von antijüdischer Hassrede im Internet. Brüssel wird voraussichtlich 2024 und 2029 Umsetzungsberichte vorlegen, die auch auf FRA-Daten zu antisemitischen Vorfällen basieren.

Die IKG meldet im ersten Halbjahr 381 Vorfälle

Laut der Antisemitismusmeldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien wurden im ersten Halbjahr 2022 in Österreich insgesamt 381 antisemitische Vorfälle gemeldet.

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