Statt auf eine Isolationspflicht wollen Länder künftig auf Schutzmaßnahmen setzen. Damit könnte für positiv getestete Personen eine eingeschränkte Maskenpflicht gelten. Details werden derzeit ausgearbeitet. Bisher müssen positiv Getestete in Deutschland für fünf bis zehn Tage isoliert werden, je nachdem, ob und wie lange sie Symptome haben.
Infektiologe: „Corona ist nicht mehr so gefährlich wie am Anfang“
Der Infektiologe Christoph Spinner vom Münchener Klinikum rechts der Isar sagte gegenüber BR24live, dass es aus medizinischer Sicht “sehr gute Argumente” für den Schritt gebe. Corona „ist nicht mehr so gefährlich wie zu Beginn der Pandemie“. Die Sterblichkeit fiel unter 0,1 %. 95 Prozent der Menschen in Deutschland haben inzwischen Antikörper. Er warb jedoch für die zweite Auffrischungsimpfung, vor allem bei älteren und chronisch kranken Menschen.
„Sachlich vertretbare“ Absage
Laut Professor Christian Weidner, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, hat sich die Lage der Krone deutlich verändert. “Die Immunitätslage in der Bevölkerung ist mittlerweile gut.” Omicron-Infektionen führen meist zu einem symptomatischen, aber meist nicht schweren Verlauf. Der Virologe Professor Oliver Keppler von der Universität München sagte, die Aufhebung der generellen Isolationspflicht sei „technisch vertretbar“.
Virologe Hendrik Streeck ist der Ansicht, dass die Isolationspflicht angesichts der hohen Dunkelziffer nicht zur Eindämmung des Infektionsgeschehens genutzt werden kann. Es solle „in eine Isolationspflicht geändert werden. Wer sich krank fühlt, muss zu Hause bleiben“, sagte er der „Fuldaer Zeitung“.
Bayern kündigte an, gefährdete Personengruppen, die keinen ausreichenden Immunschutz aufbauen könnten, weiterhin zu schützen. So blieben Tätigkeits- und Betretungsverbote für Corona-Infizierte dort bestehen, wo sich gefährdete Gruppen aufhalten, etwa in onkologischen Stationen von Krankenhäusern.
Lauterbach kritisiert die verpflichtenden Isolationspläne der Länder
Bundesgesundheitsminister Lauterbach kritisierte die Pläne der vier Bundesländer, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte aufzuheben. „Das kommt zur Unzeit und findet nicht die Zustimmung der Bundesregierung“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Er sprach von einem Irrtum und warnte vor einem „Flickenteppich“ mit unterschiedlichen Dämmvorschriften in den Bundesländern.
„Es gibt auch keinen medizinischen Grund, jetzt auf die Isolationspflicht zu verzichten“, sagte Lauterbach. Rund 1.000 Tote pro Woche gebe es durch Covid, man stehe vor einer „wahrscheinlich schweren Winterwelle“ und stehe „am Vorabend einer ansteckenderen Variante“. Daher ist es nicht wirklich verantwortungsvoll, die Verpflichtung zur Isolierung aufzuheben. Er fügte hinzu, dass der Arbeitsplatz sicher bleiben muss und dass verhindert werden muss, dass infizierte Personen zur Arbeit gedrängt werden.