Aktualisiert am 18. November 2022, 06:20 Uhr
Selbstversorgergemeinden: Selbstversorger und spirituell – die Bewegung will in der Schweiz eigene Dörfer gründen
Die Bewegung „Neues Dorf“ plant autarke Gemeinden in der Schweiz. Die Vision stammt von einem umstrittenen Universitätsprofessor in Deutschland.
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Tim Hag
Monira Djurdjević
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„Das Neue Dorf“ ist laut dem Religions- und Sektenexperten Georg Otto Schmid eine Bewegung, die neue Formen des Zusammenlebens kultiviert. Symbolbild)
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„Interessierte wollen sich von Meritokratie und Materialismus lösen und vom ökologischen Landbau und traditionellem Handwerk leben“, sagt Schmid. (Symbolfoto)
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Es gibt noch keine bestehende Dorfgemeinschaft. Gemäss der Website der Bewegung entsteht derzeit jedoch in der Surselva das erste physische «neue Dorf» der Schweiz. (Symbolfoto)
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Das ist es, worum es geht
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Die Bewegung „Neue Menschen“ bietet regelmäßig Vorträge zu Themen wie traditionelles Handwerk, ökologisches Bauen, Selbstversorgung und Spiritualität.
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Auch in der Schweiz sind nun autarke Dörfer in Planung, die die Bewohner mit allem Nötigen zum Leben versorgen sollen.
Sie wollen eine neue Form des Zusammenlebens pflegen und autark leben: Die fünfte neue Völkergruppe hat sich bereits in der Schweiz niedergelassen. 2020 wurden zwei in der Region Bern gegründet, eine in Winterthur und eine im Toggenburg. Neu hinzugekommen ist dieses Jahr die Gruppe aus der Nordwestschweiz. „Wir übernehmen die volle Verantwortung für unser Handeln, unser Leben, unsere Existenz. Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben“, sagt er auf der Website der New Village-Bewegung.
Die Konferenzen und Workshops, die die Bewegung regelmäßig organisiert, konzentrieren sich auf Themen wie traditionelles Handwerk, ökologisches Bauen, altes Naturwissen, Selbstversorgung, neue Gemeinschaften und Ökodörfer sowie Spiritualität und Mediation
Es gibt noch keine bestehende Dorfgemeinschaft. In der Surselva entsteht laut Website aber derzeit das erste physische «neue Dorf» der Schweiz. Das Dorf muss den Bewohnern alles bieten, was sie zum Leben brauchen, darunter Wohnungen, Geschäfte, Gemeinschaftsräume und Schulen.
In der Gruppe Bern gibt es auch Untergruppen und Personen, die in der Region Bern eine neue Dorfgemeinschaft gründen wollen oder bereits gegründet haben. Bei den monatlichen Treffen der Gruppe werden unter anderem Ideen für eine gemeinsame Zukunft diskutiert.
Die Vision stammt von einem umstrittenen Universitätsprofessor
Die Community ist inspiriert von der Vision von Ralf Otterpohl, wie es auf der Website heißt. Der Hamburger Universitätsprofessor hat das Buch „Neues Dorf für neue Erde“ veröffentlicht. „Die gute Zukunft entsteht auf dem Land. In der Neustadt lebt man in Vielfalt in der Natur, mit Gärtner, Schreibtisch und Heilarbeit. Lokale Produktion schafft Souveränität und Freiheit“, heißt es unter anderem in dem Buch.
Laut deutschen Medienberichten gilt Otterpohl als Klimawandelleugner und Verschwörungstheoretiker und ist umstritten. Außerdem soll er die Nähe zur Anastasia-Bewegung pflegen. Das berichtet auch das Rechercheportal „Farbe und Beton“. Die Anastasia-Bewegung ist Experten zufolge eine rechte Bewegung, die das moderne und demokratische Staatsverständnis ablehnt. Otterpohl distanziert sich von antisemitischen und extremistischen Einstellungen einiger Mitglieder.
Die Einträge auf der Website zeigen, dass ein direkter Kontakt zwischen der Bewegung Vila Nova Suïssa und Otterpohl besteht. Bei einer „ausgiebigen Tournee durch die Schweiz“ hatten die Mitglieder „das Vergnügen, ihn in Workshops live zu sehen, sein Wissen aufzunehmen und sich mit ihm auszutauschen und zu inspirieren“.
„Interessierte wollen mit der Leistungsgesellschaft brechen“
Laut Religions- und Sektenexperte Georg Otto Schmid ist die Größe der Bewegung schwer zu beantworten. Diese alternativen Gesellschaften sind normalerweise schlecht organisiert. Im Grunde sei „The New Village“ eine Bewegung, die neue Formen des Zusammenlebens pflege: „Die Interessierten wollen mit Leistungsgesellschaft und Materialismus brechen und von ökologischer Landwirtschaft und traditionellem Handwerk leben.“
Man dürfe laut Schmid nicht sofort auf eine Siedlerbewegung wie die Anastasia-Bewegung schließen, nur weil es Ähnlichkeiten in der Lebensweise gebe. Er sagt aber auch: “Andererseits können aus diesen Formen des gemeinschaftlichen, abgekapselten Zusammenlebens schnell sektiererische Dynamiken und Radikalisierungen entstehen.” Aus diesem Grund ist von Verbänden, die in diesem Umfeld tätig sind, zu erwarten, dass sie sich von staatsfeindlichen, diskriminierenden oder verschwörungstheoretischen Gruppierungen fernhalten.
Auf Anfrage von 20 Minuten wollten sich die Mitglieder der „Vila Nou“-Bewegung nicht offiziell äußern.
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Relinfo, Evangelisches Informationszentrum Kirchen – Sekten – Religionen, Tel. 078 840 24 06
Angebotene Hand, Anliegen Hotline, Tel. 143
Pro Juventute, Kinder- und Jugendberatung, Tel. 147
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