Die Bundesregierung wollte diese Schüsse geheim halten

Geplanter Ausbau der hydraulischen Energie

Die Bundesregierung wollte diese Schüsse geheim halten

Die Schweiz will die Wasserkraft ausbauen: Bund und Energiewirtschaft haben 15 Grossprojekte definiert, die rasch umgesetzt werden müssen. Und 17 Ersatzprojekte. Doch die Details wurden der Öffentlichkeit vorenthalten.

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Eine Solaroffensive wird nicht ausreichen, um den künftigen Strombedarf zu decken. Bild: Auf dem Dach der Eisbahn der Winter- und Sportwelt Wallisellen sind Solarpanels installiert.

Auch wenn es in diesem Winter wohl nicht so knapp wird: Die Schweiz braucht in den kommenden Jahren mehr Strom, etwa weil sie aus fossilen Brennstoffen, Öl und Gas aussteigen will.

Das muss mit viel mehr Solaranlagen auf Dächern, Fassaden und mit riesigen Anlagen in den Alpen gelöst werden – und mit einem deutlichen Ausbau der Wasserkraft. An einem runden Tisch einigten sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga (62) und die Kraftwerksindustrie auf 15 Projekte, die mit höchster Priorität gebaut werden sollen, darunter die umstrittene Aufhebung der Grimsel-Staumauer und Planungen für Neubauten auf Trift- und Gornergletscher.

Ersatzliste für 17 weitere Kraftwerke

Damit die Grimsel-Staumauer um 23 Meter erhöht werden konnte, hat sich das Parlament unter Führung des UDC-Bundesratskandidaten Albert Rösti (55) sogar über die üblichen Rechtsverfahren hinweggesetzt. Auch wenn das nicht hilft, schnell mehr Strom zu produzieren. Denn der zuständige Kanton Bern muss noch einen neuen Richtplan genehmigen und die Kraftwerke der Oberhasli AG (KWO) gehen davon aus, dass der Bau einer höheren Mauer rund sechs Jahre dauern wird.

Interview mit der Energieministerin: Simonetta Sommaruga spricht über die drohende Energiekrise (22:53)

Dies könnte auch für andere Projekte auf der Liste der 15 der Fall sein. Deshalb hat der Runde Tisch 17 weitere Projekte definiert, die umgesetzt werden müssen, wenn die 15 nicht wie geplant verlaufen. Was diese Projekte waren, wurde bis jetzt geheim gehalten. Denn der „Beobachter“ entfernte auf Grundlage des Öffentlichkeitsinformationsgesetzes die Ersatzliste und weitere Details der 15er-Liste.

Projekte auf der Liste 15

  • Der Staudamm des Lac des Toules im Wallis wird 32 Meter hoch.
  • Oberhalb von Binn VS soll neben einer neuen 120 Meter hohen Staumauer ein Tunnelnetz von Chummensee über Ernen VS nach Mörel VS entstehen.
  • Die Trifttalsperre wird 177 Meter hoch.
  • Die Staumauer des Gornergletschers soll 85 Meter hoch sein.

Projekte auf der Liste 17

  • Am Allalingletscher im Wallis soll ein neues Wasserkraftwerk mit einer 40 Meter hohen Staumauer entstehen.
  • Die Zervreila-Staumauer in Graubünden wird um 10 Meter erhöht
  • Bei Ferpècle VS soll eine neue 90 Meter hohe Staumauer gebaut werden.
  • Auf dem Alt Glacier d’Arolla muss eine 54 Meter hohe Staumauer gebaut werden.
  • In Graubünden müssen neue Flusskraftwerke erweitert oder gebaut werden.

Die Dokumente, die der „Beobachter“ einsehen konnte, zeigen auch, welche Kriterien dabei eine Rolle spielten, welche Projekte auf welcher Liste standen: So wurden für die Bewertung insgesamt fünf Varianten entwickelt – jene der Elektrizitätsunternehmen. Das Spiel bevorzugte die großen Projekte, die besser abschnitten. Denn die Konzerne hätten jene Projekte auf die Liste gewollt, die viel Profit versprechen. Kleinere Kraftwerke, die seit Jahren genehmigt wurden, wurden überhaupt nicht berücksichtigt, zum Beispiel das Pumpspeicherwerk Grimsel 3.

Große Projekte belasten die Umwelt zusätzlich

Namhafte Experten wie Bernhard Wehrli, ehemaliges Mitglied des Direktoriums des ETH-Wasserforschungsinstituts Eawag, sprechen angesichts der Untersuchung von einem «dreisten Vorgehen» und sagten dem «Observer»: «Die Verantwortlichen haben grundlegende Fehler gemacht. “

Energieministerin Sommaruga: „Die Krise wird nicht nach dem Winter enden“ (07:52)

Auch Großprojekte richten großen Schaden in der einzigartigen alpinen Landschaft an. Nick Röllin, Präsident des Vereins Grimsel, errechnete, dass der Grimselsee nach Erhöhung der Staumauer viermal mehr Speicherpotenzial hätte als die geplante Aufstockung des Mattmarksees, aber 54-mal mehr Umweltschäden verursachen würde. Der geplante Triftstausee belastet die Umwelt 118-mal, der Gornerstausee 225-mal mehr. „Angesichts solch katastrophaler Nutzen-Schaden-Verhältnisse von umweltfreundlichen Projekten zu sprechen, ist ein Hohn“, sagte Röllin dem „Beobachter“. (sf)

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