Health Streeck zum Thema Impfungen
„Ab dem 60. Lebensjahr müssen wir uns gegen Herpes Zoster oder die Grippe impfen lassen“
Stand: 08:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Hendrik Streeck rät, dass sich ein Blick in den Impfpass lohnt, besonders wenn es um die Impfung von Kindern geht.
Quelle: Getty Images/Westend61; Montage Claudius Pflug/obs: WELT-Infografik
Hendrik Streeck weiß, dass die Ereignisse während der Corona-Pandemie nicht unbedingt das Vertrauen in Impfstoffe gestärkt haben. Sie sind jedoch wichtig. Der Virologe und Experte von WELT TV beantwortet die wichtigsten Fragen zu Impfstoffen, Auffrischungsimpfungen und Kinderimpfungen.
Geschlechtskrankheiten, Herzinfarkt, Demenz: Jeden Freitag um 17:40 Uhr spricht Professor Dr. Hendrik Streeck vom Universitätsklinikum Bonn und WELT-Moderatorin Franca Lehfeldt über alltagstaugliche medizinische Themen und Phänomene bei WELT-TV. Diesmal geht es um Impfungen.
MÓN: Das Thema Impfen begleitet uns. Wie funktioniert die Impfung wirklich?
Hendrik Streeck: Die Impfung gaukelt dem Körper vor, er sei infiziert. Zellen des Immunsystems schlagen Alarm, Antikörper, B-Zell-Antworten und T-Zell-Antworten werden gebildet, und Symptome wie Erschöpfung, Fieber und Schüttelfrost können auftreten. Da kein Erreger vorhanden ist, verschwinden die Symptome relativ schnell. Eine Erinnerung an diese Reaktion bleibt, was bedeutet, dass Immunantworten in geringerem Umfang verbleiben. Wenn dann eine tatsächliche Infektion auftritt, werden diese Immunantworten wiederbelebt. Es können jedoch leichte Symptome auftreten, je nachdem, welche Krankheit behandelt wird.
WELT: Bei manchen Infektionskrankheiten geht die Impfstoffentwicklung rasant voran, bei anderen nicht. Warum das?
Streeck: Wir haben keine Impfstoffe gegen die größten Infektionskrankheiten der Welt wie Malaria, Tuberkulose und HIV. Das hat ganz unterschiedliche Gründe, bei HIV liegt es auch an der hohen Diversität der Virusstämme und daran, dass HIV einen der zentralen Akteure des Immunsystems angreift. Bei Tuberkulose befindet sich um das Bakterium eine Wachsschicht, die das Bakterium unter anderem davor schützt, vom Immunsystem richtig erkannt zu werden.
WELT: Bei manchen Erregern reicht eine Impfung lebenslang, bei anderen wie der Grippe ist unser Immunsystem offenbar sehr ahnungslos.
Streeck: Das liegt nicht daran, dass bei der Grippe das Immungedächtnis verloren geht, sondern daran, dass wir so viele verschiedene Varianten der Grippe haben und sich teilweise neu kombinieren lassen. Daher wird der Impfstoff jedes Jahr rekonstituiert. Dies liegt auch an der Struktur des Genoms. Es ist kein langer Faden wie Corona, sondern viele einzelne. Auf diese Weise können Grippeviren Bestandteile untereinander austauschen.
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WELT: Selten wurde über Impfungen so intensiv diskutiert wie in den vergangenen Jahren über Corona. Bei der Grippe gab es nie solche Diskussionen. Was ist der Unterschied?
Streeck: Dafür gibt es viele Gründe, aber der Impfdruck, der in der Gesellschaft von Politikern und einzelnen Akteuren aufgebaut wurde, und die institutionelle Impfpflicht spielten sicherlich eine Rolle. Denken Sie an die 2G- und 3G-Standards. Das war nicht gut, da es nicht unbedingt zum Vertrauen in Impfstoffe im Allgemeinen beitrug. Es gab auch eine angeblich neue Methode, mRNA-Impfstoffe. Das beunruhigte viele.
WELT: Was unterscheidet diesen Impfstoff von den anderen, die wir bisher verwendet haben?
Streeck: Das Konzept der Impfung ist sehr alt: In Asien beispielsweise wurden an Pocken erkrankten Pusteln entnommen, getrocknet und dieses Pulver dann in die Nase geblasen. Es war eine Art Vorläufer der Impfung. Edward Jenner führte die erste Pockenimpfung in Europa durch. Er nahm einen Cousin der Pocken, Kuhpocken, und erkannte, dass man keine Pocken mehr bekommt, wenn man sich gegen Kuhpocken impfen lässt. Abgestorbene oder abgeschwächte Erreger, die in den Muskel injiziert werden, sind daher die klassischen Formen der Impfung. Das funktioniert mittlerweile auch mit Virusproteinen, da es sich um künstlich hergestellte Oberflächenproteine handelt. Die Reaktion des Körpers ist immer ähnlich.
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Welt: Na ja, nicht alle Impfungen halten ein Leben lang, welche Impfungen sollten in der zweiten Lebenshälfte erneuert oder gar geimpft werden?
Streeck: Gerade bei Kinderimpfungen lohnt sich noch einmal ein Blick in den Impfpass, zum Beispiel bei Tetanus oder Keuchhusten. Wir brauchen regelmäßige Auffrischungsimpfungen. Einige Kohorten erhielten als Kinder zu wenige Masern-Impfstoffe; es müssen mindestens zwei sein. Ab dem 60. Lebensjahr müssen wir uns gegen Herpes Zoster oder die Grippe impfen lassen, wie vom Ständigen Impfausschuss empfohlen.
Bei WELT GESUNDHEIT präsentieren Hendrik Streeck und Moderatorin Franca Lehfeldt wichtige medizinische Themen
Welche: obs
WELT GESUNDHEIT jeden Freitag um 17.40 Uhr auf WELT. Die Show wird nach der Ausstrahlung auch in der Mediathek und der TV-App verfügbar sein. Sehen Sie sich hier die Folge der letzten Woche zum Thema Herzgesundheit an:
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Quelle: WELT / Franca Lehfeldt, Hendrik Streeck