Theaterregisseur Hans Hollmann ist im Alter von 89 Jahren gestorben

30. Juni 2022

Einer der prägenden Regisseure der 70er und 80er Jahre © APA / Roland Schlager

Hans Hollmann, einer der einflussreichsten Regisseure im deutschsprachigen Raum der 1970er und 1980er Jahre, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der in Basel lebende Grazer, dessen siebenstündige Inszenierung von „Die letzten Tage der Menschheit“ legendär wurde, führte Regie bis ins hohe Alter und stand noch immer er selbst auf der Bühne.

Geboren am 4. Februar 1933 als Sohn eines Musiklehrers, studierte er Rechtswissenschaften in Graz. „Es war ein Brotatelier, für das ich immer dankbar war“, sagte Hollmann einmal in einem Interview mit der APA, „weil es mich klar denken gelehrt hat.“

Als Student arbeitete er unter anderem als Nachtwächter. Nach seiner Promotion 1956 besuchte er das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wo er Schauspiel und Dirigieren studierte. Anschließend war er von 1958 bis 1968 am Theater in der Josefstadt in Wien tätig. Als Regisseur erlangte er erstmals 1967 mit seiner Inszenierung von Ödön von Horvaths „Italienische Nacht“ am Staatstheater Stuttgart überregionale Bekanntheit. „Ich habe Horvath zum Beruf gemacht“, sagt Hollmann, der sich schon immer besonders für die österreichische Dramatik interessiert hat.

Mit seinen modernen Inszenierungen prägte Hollmann die Ästhetik des Theaters der 70er und 80er Jahre und wirkte auf allen großen Bühnen. In Basel war er von 1975 bis 1978 auch Direktor des Theaters und blieb seine einzige leitende Funktion. „Ich habe gesehen, dass ich mich in dieser Zeit als Regisseur nicht verbessert habe. Dann war ich sehr froh, wieder frei zu sein und habe es nie bereut.“ Er inszenierte Elias Canetti, dessen Wissen Hollmann viel bedeutete, „Komödie der Vanity“ (1978 in Basel), „Die Betemporary“ (1983 in Stuttgart) und „Hochzeit“ (1985 am Wiener Akademietheater), in Bonn. unter anderem “Clara S.” (1982) und Elfriede Jelineks “Moderne Krankheit oder Frauen” (1987) sowie Rainald Goetz’ “War” (1987) und “Colic” (1988) zur Uraufführung.

Seine siebenstündige Inszenierung „The Last Days of Humanity“, die er 1974 für Basel und 1980 für die Wiener Festwochen schuf, „war sicher ein Höhepunkt meiner Arbeit“, sagte Hollmann in, der sich auch gerne an eine frühe Zeit erinnert.“ Kabale und Liebe” – Inszenierung (1970 am Schiller Theater Berlin) oder deren Uraufführung “Baby Wallenstein” von Herzmanosky-Orlando (1984 in Zürich).

“Was mir immer große Freude bereitet hat, war die Möglichkeit, ein Stück mehrfach zu inszenieren.” Unter seinen über 150 Inszenierungen befinden sich drei Inszenierungen der „Fledermaus“, außerdem hat er dreimal Goldonis „Sommerfrische-Trilogie“ inszeniert, die er ihm jeweils zweimal gewidmet hat. selbst in Horvaths Dramen „Geschichten aus dem Wienerwald“ oder „Der letzte Tag“.

In Wien spielte Hollmann u.a. Hamlet (mit Klaus Maria Brandauer, 1985 am Burgtheater), Raimunds Der Alpenkönig und Menschenfeind (1990), Tankred Dorsts Die Schattenlinie (1995 am Akademietheater) und Hugo von Hofmannsthal Tower (1995). . 1997) Regie. Am Theater in der Josefstadt inszenierte er 2006 Bunbury und 2008 Nestroys Unverhofft. 2010 stand er als Prinz Saurau in Karl Barattas Bühnenfassung von Thomas Bernhards „Verstör“ auf der Bühne des Landestheaters NÖ.

Ab 1977 widmete sich Hollmann, Träger der Josef-Kainz-Medaille und des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse sowie Mitbegründer eines Studiengangs für Theaterregie in Frankfurt, immer mehr dem Musiktheater. Nach Mozarts „Don Giovanni“ in Frankfurt zeichnete er am Basler Theater für Wagners „Rheingold“ und „Die Walküre“ verantwortlich. 1981 inszenierte er in seiner Heimatstadt Graz die österreichische Erstaufführung der dreiaktigen Fassung von Alban Bergs „Lulu“. Zu seinen wichtigsten Opernwerken der 1990er Jahre zählen außerdem „Tannhäuser“ (Deutsche Oper am Rhein 1995), „Le Nozze di Figaro“ und „Die Frau ohne Schatten“ (Semperoper Dresden 1995 und 1996), „Elektra“ in l ‚Grazer‘ s Opera (1995) und “Parzival” (Zürcher Oper 1996).

Auch im Alter konzentrierte er sich auf das Musiktheater. Am Theater für Niedersachsen inszenierte er Aufstieg und Fall in der Stadt Mahagonny in Brecht/Weill, am Stadttheater Gießen Kehraus um St. Stephan von Ernst Krenek, wo er auch Regie bei Ariadne auf Naxos führte. „Es ist ein wunderbarer Job“, fasste Hans Hollmann mit einem Augenzwinkern seinen Werdegang zusammen. “In meinen nächsten Leben würde ich ihn immer wieder wählen.”

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