Russisches Schiff mit Diebesgut? Die Ukraine bittet um Amtshilfe für die Türkei
01.07.2022, 20:58
Offiziell fungiert Ankara als Vermittler im Streit um blockierte ukrainische Weizenfrachtschiffe. Jetzt liegt ein Schiff unter russischer Flagge in einem türkischen Hafen vor Anker. Er hat an Bord Getreide gestohlen, verdächtigt Kiew und fordert eine Untersuchung.
Die Ukraine vermutet den Export von Getreide, das von russischen Besatzern gestohlen wurde, und verlangt deshalb, dass die türkischen Behörden ein Frachtschiff untersuchen. Nach Angaben eines Vertreters des Außenministeriums in Kiew verließ die unter russischer Flagge fahrende „Zhibek Zholy“ mit 4.500 Tonnen Getreide an Bord den von Russland kontrollierten Hafen von Berdjansk. In einem Schreiben des Generalstaatsanwalts vom 30. Juni an das Justizministerium von Kiew ist sogar von 7.000 Tonnen Getreide die Rede. Demnach soll das Frachtschiff den türkischen Hafen Karasu anlaufen.
Der Generalstaatsanwalt forderte die türkischen Behörden auf, das Frachtschiff zu untersuchen und Getreideproben zu entnehmen. Außerdem sollten türkische Beamte einen Herkunftsnachweis verlangen. Eine Stellungnahme der russischen Regierung zu dem Vorgang konnte nicht eingeholt werden. Fragen zum „Zhibek Zholy“ beantwortete das türkische Außenministerium zunächst nicht. Die Ukraine hat Russland wiederholt vorgeworfen, Getreide aus den eroberten Gebieten zu vermarkten. Die Moskauer Regierung weist diese Anschuldigungen zurück. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure der Welt.
Zu den Abnehmern des gestohlenen Getreides soll auch die Türkei gehören
Das kasachische Unternehmen KTZ Express bestätigte gegenüber Reuters, dass es „Zhibek Zholy“ besitzt. Das Boot wurde an die russische Firma Green-Line vermietet. Nach Angaben des kasachischen Unternehmens wurden Green-Line keine Sanktionen auferlegt. Green-Line war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Laut Schiffsverfolgungsdaten des Informationsanbieters Refinitiv liegt die „Zhibek Zholy“ in der Nähe von Karasu vor Anker.
Brisant für die Petition: Erst Anfang Juni hatte der Botschafter der Ukraine in Ankara, Vasyl Bodnar, die Türkei beschuldigt, eines der Länder zu sein, die in der Ukraine von Russland gestohlenes Getreide kaufen. Bodnar sagte unterdessen, er habe die türkischen Behörden und Interpol um Hilfe gebeten, um herauszufinden, wer an den Getreidetransporten durch türkische Gewässer beteiligt war.
Offiziell spielt die Türkei in der Weizenfrage die Rolle des neutralen Vermittlers gegenüber den Vereinten Nationen. Ein Treffen zwischen Russland, der Ukraine, den Vereinten Nationen und der Türkei solle vereinbart werden, teilte man Ankara Mitte Juni mit.