Wenn die Symptome nicht verschwinden

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Erstellt: 12.07.2022, 20:39

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Die Post-Covid-Ambulanz am Universitätsklinikum hat 500 Betroffene untersucht

Gernot Rohde erinnert sich intensiver an die jungen, leistungsorientierten Männer, die im zweiten Drittel der Delta-Welle zu ihm kamen. “Anwälte, die plötzlich nicht mehr als eine Seite lesen konnten, Marathonläufer, die nicht mehr von der Couch aufstehen konnten.” Menschen, für die der Sturz nach Corona besonders deutlich war und die deshalb besonders deutlich gemerkt haben, dass Monate nach der Infektion etwas nicht stimmt. mit ihnen.

Damals waren der Long Covid, also die Beschwerden, die Betroffene im täglichen Leben einschränken und mehr als vier Wochen nach der Ansteckung anhalten, und der Post Covid, von dem drei Monate nach der Erkrankung gesprochen wird, noch unbekannt. Die von Professorin und Kollegin Maria Vehreschild geleitete Post-Covid-Ambulanz des Universitätsklinikums hat inzwischen mehr als 500 Patienten untersucht, und Hunderte von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen auf der ganzen Welt arbeiten daran, das Syndrom und seine Ursachen zu untersuchen.

Die Symptome vieler Patienten sind ähnlich. Die häufigsten sind geringe Dauerbelastung, Husten, Geruchs- und Geschmacksverlust, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme. Doch wie sich Post-Covid entwickelt und was genau welches Symptom auslöst und warum es so ist, ist noch weitgehend unbekannt. Ein zentraler Mechanismus sei wohl die sogenannte molekulare Mimikry, sagt Rohde: Je breiter die Immunantwort auf Covid-19 ausfällt, desto eher verwechselt das Immunsystem Antigene, also jene Teile des Virus, die die Bildung von Antikörpern auslösen , mit körpereigenen Antigenen. Der Körper greift dann nicht nur das Virus an, sondern auch seine eigenen Muskelfasern oder Nervenenden, lange nachdem Covid besiegt wurde. “Aber es gibt wahrscheinlich noch viele andere molekulare Mechanismen.” Auch individuelle Faktoren wie die Beschaffenheit des Immunsystems, Gene und das Alter spielen eine Rolle.

Laut Rohde haben mehr als 90 Prozent der Menschen, die in die Post-Covid-Ambulanz gehen, eine körperliche Ursache für die Symptome. Aber es ist oft notwendig, sehr genau danach zu suchen. Vor allem bei Menschen, die trotz mildem Infektionsverlauf, durchschnittlichem Lungenvolumen und normaler Herzfunktion auf Dauer weniger widerstandsfähig bleiben. Eine zentrale Erkenntnis, die das Frankfurter Ärzteteam bisher gewonnen hat: „Trotz normaler Lungenfunktion kann die muskuläre Atempumpe, die die Lunge ausdehnt und wieder zusammendrückt, geschwächt sein.“ Dann kann Ergotherapie helfen.

Ähnlich verhält es sich beim Herzen: Oft zeigt nur ein MRT kleine Entzündungsherde im Herzmuskel, die EKG und Ultraschall nicht erkennen. Auch hierfür gibt es etablierte Therapien, ebenso bei Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen. „Eigentlich führen wir keine spezifische Kronentherapie durch, aber wir behandeln die Folgen des Post-Covid-Symptoms.“

Eine Zeit lang konnte die Ambulanz also ohne eigenes Personal betrieben werden: Nach der Anamnese wurden die Betroffenen an die für die Folgen zuständigen Ambulanzen überwiesen. Aber das Wissen über die Krankheit nimmt täglich zu und die Erstberatung von Symptomen dauert jetzt etwa 45 Minuten. „Das geht nicht nebenher, und Hausärzte können es sich auch nicht leisten“, sagt Rohde.

Zudem bleibt für die Gesellschaft wohl noch viel übrig: Schätzungen zufolge könnten zwischen fünf und zehn Prozent der Infizierten später an Post-Covid erkranken. Allein in Frankfurt wären das derzeit bis zu 24.000 Menschen. Da die Patienten alle drei Monate in die Ambulanz gingen, bis die Symptome verschwunden waren oder sich organisiert hatten, stieg die Zahl auch an.

Deshalb hat das Universitätsklinikum kürzlich eine Einmalzahlung von 204.900 Euro aus dem hessischen Pandemiefonds erhalten, um für die Post-Covid-Ambulanz eine eigene personelle Ausstattung mit einem Arzt und mehreren Studienassistenten aufzubauen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet, Rohde ist zuversichtlich, dass es später fortgesetzt wird.

Und der Pneumologe hat noch eine weitere gute Nachricht zu verkünden: Seit es die Crown-Impfung gibt, hat er praktisch keine ernsthaften Dauerfälle von Post-Covid mehr gesehen. „Bei fast allen verbessert sich der Zustand, es dauert nur unglaublich lange“, sagt Rohde. Und obwohl die Symptome nicht immer verschwanden, gelang es den meisten, sie zu akzeptieren. Auch, und das ist Rohdes dritte gute Nachricht, dank Reha-Kliniken, die das Thema Krone schon sehr früh im Rahmen der Akuttherapie angegangen sind und entsprechend vorbereitet sind.

Etwa die Hälfte seiner Post-Covid-Patienten nehme Reha-Maßnahmen in Anspruch, „das finde ich auch sehr sinnvoll.“ Totzeiten bieten Raum für körperliche Entfaltung, was sich wiederum positiv auf das seelische Wohlbefinden auswirkt. Denn – eine weitere Erkenntnis des Teams – manchmal verursacht der Covid nicht nur körperliche Probleme, sondern auch eine ausgewachsene Depression. Auch dafür gibt es Spezialisten an der Universitätsklinik.

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