Sri Lanka: Präsident Rajapaksa flieht, das Land gerät ins Chaos

Wie weit kann man fallen: Vor vier Jahren erklärte der srilankische Präsident Gotabaya Rajapaksa (73) auf einem Wirtschaftsforum, wie reich sein Land im Jahr 2025 sein würde. Jetzt hat er seine Heimat überstürzt verlassen und ist mit dem Militär auf die nahe gelegenen Malediven geflüchtet Flugzeug. Er ist noch nicht offiziell zurückgetreten. Der Hauptgrund: Solange Rajapaksa Präsident bleibt, ist der angeblich hochkorrupte Politiker vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt.

Als Rajapaksa seine Verantwortung auf den Malediven scheut, gerät Sri Lanka ins Chaos. Für die 22 Millionen Einwohner (offiziell darunter 470 Schweizer) ist das Ferienparadies die Hölle. «Ein Viertel der Menschen hungert, fast drei Viertel müssen mindestens eine Mahlzeit am Tag auslassen», sagt Esther Marthaler vom Hilfswerk Helvetas gegenüber Blick. „Gerade für Kinder wird die Situation jeden Tag dramatischer.“

Benzin ist nur für Polizei und Krankenwagen erhältlich

Besserung ist nicht in Sicht. Das Land hat einen riesigen Schuldenberg und leidet unter dem Wegfall des Tourismus. „Hinzu kommt die übereilte Umstellung auf rein biologischen Anbau, die die Regierung im vergangenen Jahr verordnet hat, ohne die Bauern zu unterstützen“, sagt der Sri-Lanka-Experte.

Das Land hat keine Düngemittel und Pestizide. Das hat fatale Folgen: Der Ernteausfall wird zur tödlichen Falle. “Es besteht die reale Gefahr, dass es zu schweren Gewaltausbrüchen kommt.” Den Hilfsorganisationen sind die Hände gebunden. Benzin steht nur „wesentlichen Dienstleistern“ wie Polizei oder Krankenwagen zur Verfügung. Hilfsorganisationen sind nicht enthalten.

Auch diese Länder stehen am Abgrund

Sri Lanka ist nicht das einzige Land am Rande des Zusammenbruchs. Laut einem aktuellen Bericht der Weltbank droht eine weltweite „Schuldenmisere“: Dutzende Länder können ihre Schulden nicht bezahlen und stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Besonders schlimm ist die Situation im kommunistisch regierten Laos, im Libanon und in Pakistan. Sambia hat während der Pandemie bereits seine Zahlungsfähigkeit verloren. Fast zwei Dutzend afrikanischen Ländern droht das gleiche Schicksal. Was viele dieser Staaten gemeinsam haben, ist, dass sie sich große Geldsummen von China geliehen haben. Die kommunistische Supermacht macht ihren Schuldnern manchmal gruselige Angebote. Im Dezember 2015 beispielsweise sicherte sich China die volle Kontrolle über Sri Lankas Hafen Hambantota, als die Regierung ausstehende Rechnungen nicht bezahlen konnte. Die nächsten 99 Jahre gehörte der Hafen den Chinesen. (Diss.)

Sri Lanka ist nicht das einzige Land am Rande des Zusammenbruchs. Laut einem aktuellen Bericht der Weltbank droht eine weltweite „Schuldenmisere“: Dutzende Länder können ihre Schulden nicht bezahlen und stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Besonders schlimm ist die Situation im kommunistisch regierten Laos, im Libanon und in Pakistan. Sambia hat während der Pandemie bereits seine Zahlungsfähigkeit verloren. Fast zwei Dutzend afrikanischen Ländern droht das gleiche Schicksal. Was viele dieser Staaten gemeinsam haben, ist, dass sie sich große Geldsummen von China geliehen haben. Die kommunistische Supermacht macht ihren Schuldnern manchmal gruselige Angebote. Im Dezember 2015 beispielsweise sicherte sich China die volle Kontrolle über Sri Lankas Hafen Hambantota, als die Regierung ausstehende Rechnungen nicht bezahlen konnte. Die nächsten 99 Jahre gehörte der Hafen den Chinesen. (Diss.)

Seit Monaten protestieren Hunderttausende Menschen im ganzen Land gegen die Regierung. Am Wochenende stürmten Demonstranten den Präsidentenpalast und zündeten die Privatresidenz von Premierminister Ranil Wickremesinghe (73) an, der am Mittwoch zum Interimspräsidenten ernannt wurde. Außerdem gehört er dem verhassten Rajapaksa-Clan an, der das Land seit Jahren beherrscht.

Blick-Auslandsreporter: „16 Schweizer sind Touristen in Sri Lanka“ (00:25)

Es gibt kein Hundefutter mehr

Damit sich in Sri Lanka wirklich etwas ändert, reicht ein Regierungswechsel nicht aus, sagt Christin Fritsche (38) im Blick-Interview. „Die Einstellung der Menschen sollte sich komplett ändern. Die meisten suchen nur für sich selbst, fast niemand kümmert sich um das Schicksal anderer», sagt der Luzerner, der seit 2019 im Quartier Kandy im Zentrum der Insel lebt.

Der Alltag vieler Insulaner sei „wirklich, sehr frech“, sagt Fritsche. Gemüse ist bis zu fünfmal teurer als noch vor Kurzem und es gibt kein Hundefutter mehr. „Meine drei Hunde Hugo, Nala und Lily fressen jetzt nur noch Reis und etwas Fleisch“, fährt er fort.

Fritsche sieht jeden Tag lange Schlangen vor den Tankstellen seiner Stadt: Hunderte Menschen warten unter der prallen Sonne mit Gasflaschen. “Auf den Straßen ist es viel ruhiger geworden, weil fast niemand mehr Benzin zum Fahren hat.”

Der Ausnahmezustand eint die Insel

Fast schon zynisch mutet die Regelung für Reisende nach Sri Lanka an. Der Tourismus ist von fast allen Beschränkungen ausgenommen. Touristen können weiterhin an Tankstellen tanken. Die Reisebranche ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen des Landes. Letzte Woche rief die Regierung sogar Wladimir Putin (69) verzweifelt an. Moskau solle Benzin und Touristen schicken, plädierte Colombo.

Trotz aller Dramatik sieht Helvetas-Expertin Esther Marthaler etwas Positives an der Situation: «Die Inselbevölkerung hat sich über alle ethnischen und religiösen Grenzen hinweg gegen das korrupte Regime zusammengeschlossen.» Ethnische Spannungen sind für einmal verschwunden, obwohl der 30-jährige Bürgerkrieg natürlich in den Köpfen der Menschen geblieben ist. „Aber wer weiß: Vielleicht bietet die aktuelle Krise den richtigen Rahmen, um sich gemeinsam den wirklichen Herausforderungen zu stellen“, sagt Esther Marthaler. Im alten Paradies ist nicht alle Hoffnung verloren.

Palastangriff in Sri Lanka: Demonstranten vergnügen sich hier im Präsidentenpool (01:08)

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