Das Unternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz des Landes befindet, begründete den Schritt zum 1. September mit Preiserhöhungen auf den internationalen Großhandelsmärkten. Als Ausgleich gibt die EVN neben dem NÖ Strompreisrabatt einen eigenen Rabatt auf die Stromrechnung bekannt.
Die EVN nennt in einer Ausgabe mehrere Rechenbeispiele zur Belastung von Haushalten: Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 2.000 Kilowattstunden (kWh) bedeutet die Erhöhung beispielsweise einen monatlichen Zuschlag von 32 Euro, bei einem Haushalt mit 3.500 kWh rund 57 Euro mehr im Monat. Bei einem jährlichen Gasverbrauch von 8.000 kWh sind das für einen Haushalt 58 Euro im Monat, bei 15.000 kWh rund 108 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Ein Verbrauch von 8.000 Kilowattstunden entspricht etwa einer Wohnung von 80 Quadratmetern und 15.000 Kilowattstunden dem Verbrauch eines durchschnittlichen Einfamilienhauses.
Bezieht ein Haushalt also sowohl Strom als auch Gas bei der EVN, können die Mehrkosten pro Monat deutlich über 100 Euro betragen, mögliche Ausgleichsmaßnahmen sind darin jedoch nicht enthalten. Wie hoch die Preiserhöhung pro Kilowattstunde ausfallen würde, konnte die EVN auf Anfrage nicht sagen, da die Tarife der einzelnen Kunden zu unterschiedlich seien.
Kunden mit „Klassik-Tarif“ betroffen
Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens rund 50 Prozent der Haushaltskunden der EVN, also jene im klassischen Tarif. „Jeder hat einen variablen Tarif, der sich monatlich an die Energiepreisentwicklung anpasst, oder einen Tarif mit Preisgarantie gewählt“, wurde Unternehmenssprecher Stefan Zach in der Aussendung zitiert.
Das Land Niederösterreich hatte angesichts der Erhöhung bereits einen sogenannten Strompreisabschlag angekündigt. Je nach Personenzahl eines Haushalts wird eine bestimmte Anzahl Kilowattstunden gefördert; mehr dazu wird in Niederösterreich mit dem „Strompreisrabatt“ eingeführt (noe.ORF.at; 20.7.2022). Außerdem soll es einen staatlichen Zuschuss zu den Energiekosten und einen Klimabonus der öffentlichen Hand geben.
Zusätzliche Rabatte auf das EVN Sparen
Parallel zu höheren Energiepreisen kündigt die EVN an, deren Auswirkungen durch zusätzliche flankierende Maßnahmen abzumildern. Betroffene Kunden könnten bis zu 17 Prozent ihrer Stromkosten zurückerhalten, und zwar durch Maßnahmen, die sich auch positiv auf das Unternehmen auswirken. Dazu gehört die Registrierung im Kundenportal oder die Entscheidung für E-Mail-Rechnungen oder Zahlung per Lastschrift.
Ab September plant die EVN eine personelle Aufstockung ihres Service Centers. Auf diese Weise sollen auch ältere Menschen mit geringeren Internetkenntnissen bei diesen Schritten unterstützt werden. Zur Amortisation von Härtefällen wird ein Sozialfonds in Höhe von drei Millionen Euro eingerichtet.
Künftig zwei Anpassungen pro Jahr
In der Praxis dürfte die Preiserhöhung laut EVN aufgrund des Status und interner Betreuungsleistungen deutlich geringer ausfallen als oben beschrieben. Für einen durchschnittlichen Haushalt in Niederösterreich mit vier Personen würde der Verbrauch von Strom und Gas monatliche Mehrkosten von 18 Euro bedeuten. Künftig will der Energieversorger die Preise zweimal jährlich, zum 1. April und 1. Oktober, anpassen.
Die EVN hatte bereits Anfang des Jahres die Energiepreise angehoben. Im Januar war der Strompreis für einen durchschnittlichen Haushalt um rund zwölf Euro im Monat gestiegen; mehr dazu in Strom wird ab Jänner deutlich teurer (noe.ORF.at; 23.11.2021). Einen Monat später wurden die Preise für Gaskunden erhöht, die Mehrkosten für einen durchschnittlichen Haushalt lagen bei rund 20 Euro pro Monat; mehr bei EVN: Gas wird ab Februar teurer (noe.ORF.at; 12. Jänner 2022). ).
Bei Wien Energie, ebenfalls Mitglied der Energieallianz Austria, steigen die Preise im Einklang mit der EVN. Auch hier werden Ausgleichsmaßnahmen angekündigt; mehr Infos unter Wien Energiepreise steigen wieder (wien.ORF.at; 3. August 2022).
Kritik an SPÖ, FPÖ und Grünen
SPÖ-Landesvorsitzender Franz Schnabl spricht in einer Sendung über die Wahnsinnspreise, die sich Familien in Niederösterreich nicht mehr leisten können. Sie fordert konkrete Zusatzmaßnahmen: Das sogenannte Merit-Order-Prinzip soll landesweit ausgesetzt werden. „Ein Unternehmen wie die EVN, das überwiegend mit Wasserkraft arbeitet, kann seinen Kunden nicht einfach die horrenden Gaspreise in Rechnung stellen“, sagt Schnabl. Hier muss Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ihren Parteikollegen, Bundeskanzler Karl Nehammer, beeinflussen.
Auch die FPÖ Niederösterreich schneidet in den EVN-Anzeigen nicht gut ab. In einer Sendung spricht er von “extremen Preissteigerungen”, die “die soziale Krise verschärfen” und “immer mehr Haushalte an den Rand der Existenz bringen” würden. Der “Strompreisabschlag” des Landes sei mit elf Cent pro Kilowattstunde zu niedrig, kritisiert Landesparteichef Udo Landbauer: “Das Geld ist nicht mal da und wieder weg.” Laut Landbauer hätte der Staat als Mehrheitseigentümer der EVN im Vorfeld handeln und Preiserhöhungen vermeiden sollen.
Auch Helga Krismer, Landessprecherin der Grünen, zeigt sich in einer anderen Sendung „überrascht“. Die “Strompreisobergrenze” von Landeshauptmann Mikl-Leitner ist “zerplatzt wie eine Seifenblase”. Der Umzug sei ein “PR-Spektakel, das kaum Wirkung zeigen wird”, sagt Krismer. Er verwies auf seine eigene Position, 80 Prozent einer durchschnittlichen Strom- oder Gasrechnung zu deckeln, und forderte die Landesregierung zum Handeln auf.