Medikamente sind knapp: Kliniken und Krankenhäuser stehen vor Problemen

Veröffentlicht am 21. August 2022, 02:39

Medikamente sind knapp: Kliniken und Krankenhäuser stehen vor Problemen

Aus verschiedenen Gründen herrscht in der Schweiz ein Mangel an Arzneimitteln. Der Mangel an Pillen für Suchtkranke oder Schwerkranke bedeutet eine schmerzhafte Suche nach Ersatz.

Die Arzneimittelversorgung in der Schweiz ist mit grossen Schwierigkeiten konfrontiert.

IMAGO/Design-Fotos

  • Mehrere Pharmahersteller kämpfen mit Produktionsproblemen oder nehmen Medikamente vom Markt, weil sie sich nicht mehr rentieren.

  • Dies führt zu Versorgungsschwierigkeiten, beispielsweise in der Behandlung von Suchtkranken.

  • Da es an Schmerzmitteln für Kinder wie Ibuprofen mangelt, erwägen Krankenhäuser, diese selbst herzustellen.

Suchtkliniken fehlt Antabus, ein wichtiges Entwöhnungsmittel für Alkoholiker, schreibt die «NZZ am Sonntag». Eine anonyme Quelle soll der Zeitung bestätigt haben, dass eine Schweizer Suchtklinik mitten in der Therapie auf ein anderes Medikament umstellen musste. Wegen Qualitätsproblemen in einer Fabrik hat der Pharmahersteller Mepha das Medikament bis November rationiert.

Im Fall von Antabus könnte die Klinik die Pillen bei einem anderen Hersteller bestellen, weil das Patent für den Wirkstoff abgelaufen ist. Das Problem? Mepha ist der einzige Hersteller in der Schweiz. «Die Situation bei der Medikamentenversorgung hat sich seit Anfang Juni kontinuierlich verschlechtert», zitiert die «NZZaS» Enea Martinelli, Chefapothekerin der Berner Spitalgruppe FMI.

Neben Lieferengpässen würde er sich auch Sorgen machen, dass Medikamente vom Markt „verschwinden“. Seit April gibt es sieben Präparate, mit Folgen für Patienten. Dies geschieht bei älteren Präparaten, wenn deren Herstellung nicht mehr wirtschaftlich ist. Das ist auch bei Erkältungsmitteln für Kinder ein Problem.

Drei Fonds für Schwerkranke fehlen seit Monaten

Drei zugelassene Opiat-haltige Medikamente mit besonderer Wirkungsweise sind seit Monaten nicht mehr verfügbar, mit Folgen für schwerkranke Patienten. Die Bundesregierung setzt seit März auf Zwangsmaßnahmen. In Wirklichkeit wurde diese Notversorgung nur für drei Monate angelegt.

Die Zahl der nicht verfügbaren Medikamente hat sich in fünf Jahren verdoppelt. Es enthält 77 Arzneimittel, die von der Weltgesundheitsorganisation als unentbehrlich eingestuft wurden. Ein weiteres Problem: In der Schweiz gebe es keine Datenbank zur Versorgungslage, so die «NZZaS» weiter. Die Bundesregierung hat nicht definiert, welche Arzneimittel für die Gesundheitsversorgung relevant sind.

Das Expertengremium soll Abhilfe schaffen

Eine Expertengruppe mit Vertretern von Bund, Kantonen, Pharmaindustrie und Spitalexperten hat kürzlich damit begonnen, Vorschläge zur Versorgungssicherheit bis Ende Jahr zu erarbeiten.

Wegen der Verschärfung des Problems soll der Klinikkonzern Insel Kindersirup mit Ibuprofen aus dem Ausland beziehen. Auch eine Eigenproduktion wird erwogen, wenn die Medikamente längere Zeit nicht verfügbar sind. Auch das Kantonsspital Aarau prüft es.

(sys)

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