Bakteriophagen – Bakterien, die gegen mehrere mit Arzneimitteln behandelte Viren resistent sind

Das Mykobakterium

13. Juni 2022 20:31 Robert Klatt

  • Bakterien, die gegen mehrere Medikamente resistent sind, verursachen immer mehr Todesfälle
  • Bakteriophagen können bei vielen Infektionen helfen
  • Dies sind spezialisierte Viren, die einzelne Bakterienstämme abtöten, ohne nützliche Bakterien oder Körperzellen anzugreifen
  • Demnächst beginnt in Deutschland eine klinische Studie, in der Menschen mit Mukoviszidose mit Bakteriophagen behandelt werden.

Bakterien, die gegen mehrere Medikamente resistent sind, verursachen immer mehr Todesfälle. Einer Studie zufolge können Phagen (Viren) bei vielen dieser bakteriellen Infektionen helfen.

Pittsburgh (USA). Multiresistente Bakterien werden zu einem wachsenden Problem in der Medizin. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Antibiotikaresistenzen mittlerweile zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Neben neuen Antibiotika können auch sogenannte Bakteriophagen gegen multiresistente Bakterien helfen. Sie sind Viren, die Bakterien infizieren.

Bakteriophagen greifen Bakterien über spezielle Rezeptoren an und vermehren sich dann in deren Zellen. Dann explodiert die Bakterienzelle aus der Masse des neu produzierten Virus und das Bakterium stirbt. Da Phagen auf bestimmte Bakterienarten spezialisiert sind, zerstören sie während der Therapie keine nützlichen Bakterien oder Körperzellen. Daher besteht das Hauptproblem bei der Bakteriophagentherapie darin, den richtigen Phagen zu finden.

Bisher gibt es fast keine Studien zu Bakteriophagen

Bisher wurden Bakteriophagen vor allem im alten Ostblock eingesetzt. In westlichen Ländern werden Bakteriophagen seit der Entwicklung von Antibiotika im klinischen Alltag kaum eingesetzt oder erforscht. Angesichts multiresistenter Erreger hat sich dies jedoch in den letzten Jahren geändert. Wissenschaftler der University of Pittsburgh veröffentlichten um 2019 in der Zeitschrift Nature Medicine eine Einzelfallstudie mit vielversprechenden Ergebnissen. Anschließend wurden sie von Ärzten auf der ganzen Welt konsultiert.

Bakteriophagen gegen antibiotikaresistente Mykobakterien

Forscher der University of Pittsburgh und der University of California haben nun die Ergebnisse einer weiteren Studie mit Bakteriophagen im Fachblatt Clinical Infectious Diseases veröffentlicht. Die Studie umfasste 20 Probanden, die mit antibiotikaresistenten Mykobakterien, den meisten Stämmen der Art Mycobacterium abscessus, infiziert waren.

16 der 20 Probanden litten an einer Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, auch bekannt als Mukoviszidose (CF). Bei dieser Krankheit kann der Schleim nicht mehr aus der Lunge und vielen anderen Organen abfließen. Dies schafft optimale Lebensbedingungen für Bakterien, die Entzündungen und andere gesundheitliche Probleme verursachen.

Behandlung von Infektionen mit Mycobacterium abscessus

Laut Studienleiter Graham Hatfull sind Infektionen mit Mycobacterium abscessus ein Albtraum für Ärzte. „Sie sind zwar nicht so häufig wie einige andere Infektionen, gehören aber zu den am schwierigsten mit Antibiotika zu behandelnden“, erklärt Hatfull.

Daher verabreichten Wissenschaftler Probanden verschiedene Bakteriophagen durch Injektion oder Inhalation. Die Studienteilnehmer, darunter ein fünfjähriger Junge, erhielten sechs Monate lang zweimal täglich mindestens 1 Milliarde Einheiten. Bei elf der 20 Patienten (55 %) war die Behandlung erfolgreich. Vier Patienten (20 %) hatten keine Besserung und fünf Patienten (25 %) hatten zweideutige Ergebnisse.

Bakteriophage ohne Nebenwirkungen

In der klinischen Studie wurden keine Nebenwirkungen beobachtet. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass Bakterien durch die Behandlung neue Resistenzen entwickeln. „Das verstärkt den Eindruck, dass die Therapie sicher ist“, sagt Hatfull.

Warum die Behandlung nicht bei allen Probanden angeschlagen hat, ist noch nicht klar. Als möglichen Grund sieht Hatfull die verwendeten Phagen. „Wir haben noch nicht herausgefunden, wie wir Phagen finden oder herstellen können, die alle Stämme dieser Patienten abfangen. Dies bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft“, sagt der Wissenschaftler.

Klinische Studie in Deutschland

Auch in Deutschland soll in der zweiten Jahreshälfte eine klinische Studie mit Bakteriophagen beginnen. Laut Holger Ziehr, Leiter Pharmazeutische Biotechnologie am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), sollen als Probanden nur Menschen mit Mukoviszidose infiziert sein, die mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa infiziert sind. Im Rahmen der Studie erhalten Sie eine Kombination aus drei Phagen, die die meisten P. aeruginosa-Stämme abdecken. Die ersten Ergebnisse werden nächstes Jahr veröffentlicht.

Zudem bezeichnete Ziehr die Ergebnisse der aktuellen Studie als „beeindruckend“. „Dieses Ergebnis lässt sich nicht bestreiten“, sagt Ziehr. Besonders die sehr heterogenen Probanden und die unterschiedlichen Infektionen und Erregertypen erschweren laut dem Phagenexperten eine Therapie.

Naturmedizin, doi: 10.1038 / s41591-019-0437-z

Klinische Infektionskrankheiten, doi: 10.1093/cid/ciac453

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