McKinsey: Deutscher Fintech-Sektor mit großem Potenzial trotz Markteinbruch


Düsseldorf (Februar) – Das Umfeld der deutschen Fintech-Branche verschlechtert sich: Die Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds trifft besonders junge Finanzunternehmen. Der Zugang zu Finanzmitteln wird immer schwieriger und die Bewertungen sinken.

Im deutschen Fintech-Ökosystem steckt erhebliches Potenzial: Wenn das deutsche Fintech-Ökosystem bei Gründungsraten und Investitionen zu Großbritannien, Schweden und den Niederlanden aufschließt, könnte die Branche den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich stärken. Die kumulierte Bewertung des Fintech-Sektors könnte um mehr als 280 Milliarden Euro steigen. Zudem könnten rund 60.000 Arbeitsplätze der nächsten Generation geschaffen werden, zum Beispiel Data Scientists, Experten für digitales Marketing und IT sowie Designer.

Das sind die Ergebnisse der neuen Studie „European Fintech Champions – Made in Germany“ der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Trotz der Herausforderungen des heutigen Umfelds sehen die Studienautoren einen positiven Trend im deutschen Fintech-Ökosystem: „Fintech wird für unsere Gesellschaft immer relevanter und wird Finanzökosysteme zunehmend prägen“, sagt Max Flötotto, Senior Partner im Münchener Büro. von McKinsey und Co-Autor der Studie.

Fintechs als Wachstumsmotor

Fintech vereinfacht bestehende Bankangebote und ermöglicht den Zugang zu neuen Finanzprodukten. Mit ihrer Innovationskraft tragen sie auch zum gesamtwirtschaftlichen Erfolg Deutschlands bei und schaffen nachhaltige Arbeitsplätze. Allein von 2019 bis 2021 verzeichneten die Top-Ten-Fintechs in Deutschland ein Beschäftigungswachstum von 60 %.

Die Marktchancen sind noch lange nicht ausgeschöpft: Bisher konzentrieren sich deutsche Fintechs auf das Geschäft mit Privatkunden (B2C), was der B2C-Ansatz von fünf der sieben Fintech-Unicorns bestätigt: Startups mit einer Bewertung von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. – in Deutschland. „Fintechs könnten künftig B2B-Finanzdienstleistungen zunehmend revolutionieren und weitere Bereiche erschließen, etwa die Monetarisierung von Bank- und Marktdaten, sowie Megatrends wie nachhaltiges Investieren“, sagt André Jerenz, Partner im Hamburger Büro von McKinsey ich

Deutsche Fintechs hinken der ersten Gruppe in Europa hinterher

Auf nationaler Ebene ist die Fintech-Branche in Deutschland stark. Im Vergleich zu anderen europäischen Fintech-Ökosystemen gibt es jedoch deutliches Entwicklungspotenzial. Deutschlands Fintech-Branche hinkte bis Ende 2021 in allen Phasen der Unternehmensentwicklung den europäischen Nachbarn hinterher:

  • Weniger Start-ups: Bei der Anzahl der Start-ups pro Kopf liegt Deutschland mit sieben Fintechs pro Million Einwohner im unteren europäischen Mittelfeld hinter den Spitzenreitern Irland und der Schweiz (je 30), Grossbritannien (26). , Schweden (23) und Niederlande (15)
  • Niedrigere Finanzierung: Obwohl sich die Fintech-Investitionen zwischen 2016 und 2021 auf 39 Euro pro Kopf verzehnfacht haben, hinkt Deutschlands Fintech-Ökosystem weit hinter den großen Märkten Schweden (170 Euro), Großbritannien (153 Euro) und USA (127 Euro) hinterher.
  • Fast kein Aufsteigen: Deutschland hat derzeit mehr Fintechs mit einem Unternehmenswert zwischen 50 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar (ca. 50) als Frankreich (ca. 40), Schweden (ca. 30) oder die Niederlande (ca. 30), aber offensichtlich gibt es sie Wachstumsschwierigkeiten jenseits der Milliardengrenze. Bei der gleichen Pro-Kopf-Rate wie in den USA (0,53) oder Großbritannien (0,43) dürfte es in Deutschland mehr als 30 Fintech-Unicorns geben.

Der Weg zur vollen Potenzialentfaltung

Damit die deutsche Fintech-Branche zu den europäischen Spitzenreitern aufschließen kann, bedarf es einer klar definierten programmatischen Agenda. „Alle Stakeholder (Investoren, etablierte Banken, Politiker, Regulatoren und Fintechs selbst) müssen die Ziele und Maßnahmen unterstützen und sich aktiv einbringen“, sagt Eckart Windhagen, Senior Partner im Frankfurter Büro von McKinsey und Mitautor der Studie. Vier Bereiche sind dabei besonders wichtig:

  • Mehr Auswahl und besserer Zugang für Verbraucher: Fintechs müssen Verbrauchern ein breiteres Angebot an Produkten und Dienstleistungen bieten und den Wechsel erleichtern.
  • Magnet für Talente aus aller Welt: Das deutsche Fintech-Ökosystem muss seine Attraktivität für die besten Talente aus aller Welt steigern, um mit den weltweit führenden Technologiezentren konkurrieren zu können.
  • Größerer Beitrag aus “heimischen” Finanzierungsquellen: Deutsche Fintechs brauchen in allen Phasen der Geschäftsentwicklung einen besseren Zugang zu lokaler Finanzierung, die weniger von der Volatilität internationaler Märkte und geopolitischen Entwicklungen abhängig ist.
  • Verbraucherregulierung mit innovativer Mentalität: Das regulatorische Umfeld soll Innovationen weiter fördern und Unternehmen die notwendigen Voraussetzungen für nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit bieten.

Der gesamte Studienbericht als direkter Download.

Über McKinsey

McKinsey ist eine globale Managementberatung, die Organisationen hilft, nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen. Wir arbeiten mit Kunden aus dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zusammen, um komplexe Probleme zu lösen und positive Veränderungen für alle Beteiligten zu schaffen. Wir kombinieren mutige Strategien und transformative Technologien, um Unternehmen dabei zu helfen, nachhaltiger zu innovieren, dauerhafte Leistungssteigerungen zu erzielen und eine erfolgreiche Belegschaft für diese und die nächste Generation zu schaffen. In Deutschland und Österreich hat McKinsey Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Wien. McKinsey-Teams arbeiten in mehr als 130 Städten und mehr als 67 Ländern auf der ganzen Welt. McKinsey wurde 1926 gegründet, die deutsche Niederlassung 1964. Global Managing Partner ist seit 2021 Bob Sternfels. Managing Partner Deutschland und Österreich ist seit 2021 Fabian Billing.

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