Aktualisiert am 11. Januar 2023, 09:28
Sonderfall Schweiz: 10 Gründe, warum die Schweizer Wirtschaft international führend ist
Die Weltwirtschaft befindet sich auf ihrem Höhepunkt und in vielen Ländern naht die Rezession. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz aber immer noch sehr gut da. Hier sind die Gründe.
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In der Schweiz war der Abwärtstrend während Corona weniger ausgeprägt als in der Eurozone und den USA.
Reuters
Auch die Schweiz hat sich schneller als andere Länder von den Corona-Massnahmen erholt.
IMAGO/Jürgen Held
Google-Bewegungsdaten zeigen, dass sich die Aktivität in Einzelhandel, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen in der Schweiz schneller erholte als in Österreich.
20 Minuten/Simon Glauser
Das ist es, worum es geht
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Ein wichtiger Grund für die starke Schweizer Wirtschaft ist ihr Erfindergeist.
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Auch eine relativ niedrige Inflation begünstigt das Wirtschaftswachstum.
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Auch die Zuwanderung stützt den privaten Konsum und die niedrige Arbeitslosigkeit.
Höhere Mieten, teure Hypotheken, knapper Wohnraum: Die Aussichten für 2023 sind für die Schweiz in vielen Bereichen nicht sehr optimistisch. Im internationalen Vergleich ist die Schweizer Wirtschaft aber nach wie vor hervorragend aufgestellt. Weil? Eine neue Analyse von Raiffeisen gibt Gründe.
1. Rasche Genesung nach Corona-Schock
Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft belastet. In der Schweiz war der Rückgang jedoch weniger ausgeprägt als in der Eurozone und den USA, und die Erholung nach dem Ende der Massnahmen war schneller als im Ausland.
«Viele Menschen arbeiteten kurz, die Arbeitslosigkeit blieb tief und der Konsum war relativ hoch», sagt Domagoj Arapovic, Ökonom bei Raiffeisen Schweiz.
2. Weniger drastische Corona-Maßnahmen
Google-Bewegungsdaten zeigen, dass sich die Aktivität in Einzelhandel, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen in der Schweiz schneller erholte als in Österreich. Im Dezember 2021 lag sie in Österreich fast 60 Prozent unter dem Vorpandemie-Niveau, in der Schweiz hingegen nur bei rund zehn Prozent.
„Der Hauptgrund dafür ist, dass es in Österreich im Dezember 2021 einen weiteren Lockdown gab, der deutlich weiter ging als die Maßnahmen in der Schweiz“, sagt Arapovic.
3. Einwanderung mildert den Arbeitskräftemangel
Die Einwanderung ist in der 9-Millionen-Schweiz umstritten, aber sie mildert den Arbeitskräftemangel. Das zeigen die offenen Stellen in Relation zur Arbeitslosigkeit: In der Schweiz lag der Wert für das zweite Quartal 2022 bei rund 0,3, in den USA bei 1,9, in Deutschland bei 1,5 und in Österreich und Großbritannien bei einem.
“Die Löhne in der Schweiz sind im Vergleich zu den Preisen sehr hoch, was sie zu einem attraktiven Einwanderungsland macht”, sagt Arapovic. “Deshalb hat es weniger Schwierigkeiten als andere Länder, Arbeitskräfte zu finden.”
4. Zuwanderung unterstützt den privaten Konsum
Das Bevölkerungswachstum stützt den privaten Konsum. „Der Konsum dürfte auch 2023 eine verlässliche Wachstumsstütze bleiben und einen Absturz der Schweiz in eine Rezession verhindern“, sagt Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.
5. Hohe Effizienz und solide Infrastruktur
Das International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne veröffentlicht jährlich ein Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder. Die Schweiz belegte 2022 den zweiten Platz und belegte in mehreren Kategorien den ersten Platz: Effizienz der staatlichen Institutionen, Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und Umwelt.
“Die Gründe dafür könnten liberale Politik, Arbeitsethik und direkte Demokratie sein”, sagt Arapovic. “Eine Rolle spielt auch, dass die Schweiz von grossen Kriegen verschont geblieben ist.”
6. Politik zugunsten von Unternehmern und Erfindergeist
Auch in den folgenden Kategorien belegte die Schweiz im IMD-Ranking den ersten Platz: Wirtschaftsfreundliche Politik, nationale und internationale Patentanmeldungen, Ausgaben für geistige Eigentumsrechte.
„Die Schweiz musste sich von Anfang an spezialisieren und auf Forschung und Entwicklung setzen“, sagt Arapovic. «Viele andere Länder haben dank Rohstoffvorkommen bessere Ausgangsbedingungen, der Hauptrohstoff der Schweiz hingegen ist Innovation.»
7. Streiks sind selten
Die Zahl der jährlich durch Streiks ausgefallenen Arbeitstage von 2011 bis 2020 pro tausend Beschäftigte in der Schweiz lässt sich an einer Hand abzählen. Anders sieht es in Belgien (mehr als 90 Tage), Frankreich (mehr als 90 Tage), Kanada (mehr als 70 Tage), Finnland (mehr als 50 Tage), Spanien (mehr als 40 Tage) und Dänemark (mehr als 40 Tage) aus Tage).
“Die Schweiz wollte immer Konsens und Zusammenarbeit”, sagt Arapovic. “Wir hatten viel weniger Klassenkampf in Gesellschaft und Politik als in anderen Ländern.”
8. Die Verschuldung ist relativ gering
Die Schuldenquote zeigt laut Bundesregierung, wie nachhaltig die Finanzpolitik ist und wie hoch die finanzielle Belastung aktueller Projekte für künftige Generationen ist. In Prozent des BIP lag die Quote in der Schweiz im Jahr 2022 bei rund 40 Prozent. Dies ist weniger als in Deutschland (rund 65 %), Frankreich (110 %), den USA (121 %) und Italien (145 %). Einer der Gründe für den tiefen Wert in der Schweiz ist die Schuldenbremse (siehe Grafik).
Das ist die Schuldenbremse
Die Schuldenbremse setzt voraus, dass Einnahmen und Ausgaben des Bundes im Gleichgewicht sind. Die Schulden sollten auf diese Weise nicht übermäßig steigen. Die Bremse erlaubt es, Defizite in Wirtschaftskrisen zu begrenzen. Aber wenn es gut läuft, fragt sie nach Überschüssen.
9. Die Inflation ist relativ niedrig
Im Oktober erreichte die Inflation in den europäischen Ländern historische Höchststände: In den Niederlanden erreichte sie 16,8 Prozent, in Italien 12,8 Prozent, in Deutschland 11,6 Prozent, in Österreich 11,5 Prozent und in Spanien 7,3 Prozent. In der Schweiz hingegen lag das bisherige Maximum von 3,5 Prozent bereits im August.
«Hauptgründe für die niedrige Inflation sind der starke Franken und der geringe Energieanteil im Warenkorb», sagt Arapovic. „Für den Einzelhandel ist es zum Beispiel schwierig, stärkere Preise anzuheben, sonst würden viele wahrscheinlich ins Ausland gehen, um einzukaufen.“
10. Die Schweizer Industrie ist energieeffizient
2019 betrug die Energieintensität der verarbeitenden Industrie in der Schweiz ein Megajoule pro Einheit Wertschöpfung. Deutlich höher liegen die Werte in Finnland (rund 13), Australien (zwölf), Kanada (zwölf), Belgien (acht), den Niederlanden (sechs), der Slowakei (sechs) und den USA (fünf).
“Die Schweiz ist in energieintensiven Industrien nicht so aktiv wie andere Länder”, sagt Arapovic. “Die Schweizer Industrie ist auf komplexe Nischenprodukte angewiesen, deren Herstellung relativ wenig Energie benötigt.”
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