13.500 offene Stellen, weshalb der Einzelhandel unterbesetzt ist

Veröffentlicht am 5. Januar 2023, 05:08

Arbeitskräftemangel: Mehr als 13.500 offene Stellen, deswegen ist der Einzelhandel unterbesetzt

Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen im Einzelhandel ist auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren, bei den offenen Stellen gibt es Rekordwerte. Hier sind die Gründe.

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Die Einstellung von Arbeitskräften ist derzeit die grösste Herausforderung im Schweizer Detailhandel.

20 Minuten/Simon Glauser

Allein in der Genossenschaft Migros Aare sind über 450 Stellen offen.

20 Minuten/Simon Glauser

Auch Coop sucht Personal, schweizweit sind über 3000 Stellen bei Vertriebspartnern vakant.

20min/Marco Zangger

Das ist es, worum es geht

  • Laut Credit Suisse ist die Zahl der Neuzugänge im Einzelhandel rückläufig.

  • Da es nicht genügend Neueinsteiger gibt, kann die Branche die Abgänge nicht kompensieren.

  • Infolgedessen ist die Rekrutierung heute die größte Herausforderung des Einzelhandels.

«Überall fehlt es an Menschen, noch nie waren so viele Berufe betroffen», sagt Reto Parolini, Personalchef der Migros. Der Arbeitskräftemangel ist täglich spürbar: Allein in der Genossenschaft Migros Aare sind über 450 Stellen offen. Auch Coop sucht Personal, schweizweit sind über 3000 Stellen bei Vertriebspartnern vakant.

Laut Personaldienstleister x28 waren zum 15. Dezember insgesamt 13.548 Stellen im Einzelhandel vakant. Die Lage in der Branche ist angespannter als in der Wirtschaft insgesamt: Die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag 2022 auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren, bei den Stellenangeboten gab es Rekordwerte.

Recruiting ist die größte Herausforderung im Handel

Die Umsätze im Schweizer Detailhandel sind im vergangenen Jahr um rund 2,5 Prozent gesunken, wie aus Daten der Credit Suisse hervorgeht. Für 2023 prognostiziert die Bank ein Plus von zwei Prozent. Laut Fuhrer & Hotz ist die Personalbesetzung die größte Herausforderung der Branche: Mehr als 80 Prozent der 52 befragten Entscheidungsträger im Einzelhandel gaben an, dass die Einstellung eine Herausforderung oder sehr schwierig sei.

Aber warum gibt es im Einzelhandel so einen Arbeitskräftemangel? Meret Mügeli, Detailhandelsspezialistin der Credit Suisse (CS), und CS-Chefökonom Claude Maurer erklären, warum.

Neueinsteiger in den Sektor sind rückläufig

Die Unternehmen suchten vor allem Mitarbeitende mit Lehre oder höherer Berufsausbildung, sagt Mügeli. Die meisten Menschen, die neu im Einzelhandel sind, sind jedoch weniger gebildet. Und die Zahl der Berufsanfänger nimmt laut dem Handelsexperten tendenziell ab.

Hochschulabsolventen verlassen den Einzelhandel

Vor allem höher ausgebildete Arbeitskräfte verlassen zunehmend die Branche, sagt Mügeli. Da es nicht genügend Neueinsteiger gibt, kann der Einzelhandel die Abgänge nicht kompensieren.

Nicht genug Lernen

Die Ausbildungsintensität zeigt, wie hoch der Anteil der Lernenden an allen Mitarbeitern eines Unternehmens ist. Laut CS sinkt dieser Wert im Handel. «Es fehlt an jungen Leuten, weil es nicht genug Lernen gibt, um die Arbeitsplätze auch in Zukunft hoch zu halten», sagt Mügeli.

Unbefriedigende Arbeitsbedingungen

In der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) gaben 47 Prozent der Befragten an, wegen ungenügender Arbeitsbedingungen die Stelle im Detailhandel gewechselt zu haben. Schließlich sind sich die Arbeitgeber dessen bewusst, wie die Daten von Fuhrer & Hotz zeigen.

Wer aufsteigen will, geht oft

Ein weiterer Grund für Kündigungen oder interne Stellenwechsel ist der Wunsch nach Veränderung oder Beförderung. In der BFS-Umfrage begründeten 36 Prozent der Beschäftigten ihren Jobwechsel in den Handel.

Ruhestandswelle trifft Einzelhandel

«In den nächsten Jahren werden etwa 20 Prozent der Menschen den Arbeitsmarkt verlassen», sagt Mügeli. Diese Entwicklung wird auch den Einzelhandel hart treffen. Etwa 20 Prozent aller Beschäftigten in der Branche sind zwischen 55 und 64 Jahre alt, etwa vier Prozent sind 65 Jahre oder älter.

Es gibt neue Anforderungen

Laut Mügeli stellt die Branche unter anderem durch die zunehmende Digitalisierung neue Anforderungen an ihre Mitarbeitenden. Doch gerade das qualifizierteste Personal ist knapp.

Neun Millionen Schweiz sorgen für Nachfrage

Fast neun Millionen Menschen werden in der Schweiz leben. Das stützt laut CS-Chefökonom Claude Maurer den Konsum, schafft aber auch viel Nachfrage und das Angebot muss entsprechend wachsen. Das Bevölkerungswachstum könnte daher ein weiterer Grund für den Personalmangel im Einzelhandel sein.

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