Veröffentlicht am 11. November 2022, 16:00 Uhr
Andrei Norkin: “Ich will nicht ins Gefängnis”: Der russische Moderator schweigt zum Rückzug
Vor laufender Kamera weigerte sich der russische TV-Moderator Andrej Norkin, den Truppenabzug aus Cherson zu beurteilen, weil er nicht strafrechtlich verfolgt werden wolle.
Vor laufender Kamera weigerte sich der russische TV-Moderator Andrej Norkin, den Truppenabzug aus Cherson zu beurteilen, weil er nicht strafrechtlich verfolgt werden wolle.
20 min/Fall
Das ist es, worum es geht
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Aufgrund staatlicher Gesetze können Journalisten und Fernsehmoderatoren die russische Invasion in der Ukraine kaum kritisch äußern.
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Andrei Norkin lehnte es daher ab, sich im Fernsehen über den russischen Rückzug aus Cherson zu äußern.
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Seit Kriegsbeginn hat Russland die Pressefreiheit weiter eingeschränkt, Kremlkritikern drohen lange Haftstrafen.
Der russische TV-Moderator Andrei Norkin hat mit einem bemerkenswerten Auftritt in seiner TV-Show für Aufsehen gesorgt. Darin weigert er sich, die aktuelle Lage der russischen Streitkräfte in der Ukraine zu kommentieren. Norkin begründet seinen Schritt damit, dass er nicht ins Gefängnis gehen will. Er erklärt ehrlich und ruhig, dass ihm sonst das Gefängnis droht.
“Ich werde dir nichts darüber sagen”
Hintergrund der seltsamen Szenen ist der angekündigte Abzug russischer Truppen aus Cherson. In dem Video sagt Norkin: „Wenn Sie erwarten, dass ich erkläre, was ich über diese Situation denke, werde ich nichts sagen und Ihnen sagen, warum. Wenn ich die Entscheidung unterstütze und das sage Verteidigungsminister das Richtige tut, indem er Truppen abzieht, dann fordere ich öffentlich Verletzungen der territorialen Integrität Russlands. Norkin drohe dann eine mehrjährige Haftstrafe, berichtet er.
“Wenn ich andererseits die Entscheidung nicht unterstütze und sage, dass das Verteidigungsministerium etwas falsch gemacht hat, diskreditiere ich das Militär öffentlich.” Dafür drohen auch mehrere Jahre Haft. Norkin will nicht ins Gefängnis, zieht anmutig seinen Kopf aus der Schlinge und sagt: „Jetzt sehen wir uns eine Nachricht an und dann übergebe ich sie unseren wertvollen Experten.“
Norkin lenkt mit seinem Schweigen gekonnt von der Affäre ab, während er darauf hinweist, dass den pro-staatlichen Fernsehmoderatoren die Hände gebunden sind, wenn es um die Berichterstattung über den Krieg geht.
Die Pressefreiheit ist in Russland stark eingeschränkt
Die Pressefreiheit in Russland wurde seit Kriegsbeginn weiter eingeschränkt, und seit 2014 wurden zahlreiche Sender und Medien verboten, wobei fast alle nationalen Medien regierungsfreundlich berichteten. Kritische russische Medien berichten über drohende hohe Verbannungsstrafen. Immer wieder werden Oppositionelle festgenommen, und der Einmarsch in die Ukraine kann immer noch nicht offiziell als “Krieg” bezeichnet werden.
Erst im Oktober wurde das Moskauer Haus der TV-Berühmtheit und ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak durchsucht, kurz bevor ihr Medienmanager festgenommen wurde. Die frühere russische Redakteurin des russischen Staatsfernsehens Marina Ovsyannikova, die durch ihre Kriegskritik bekannt wurde, ist nach Angaben ihres Anwalts inzwischen ins Ausland geflüchtet. In Russland drohten ihm mehrere Jahre Gefängnis. Trotz Einschränkungen der Pressefreiheit stehen Fernsehmoderatoren in Russland dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zunehmend kritisch gegenüber.
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