19. Dezember 2022
Maik und Tschick verbringen die Nacht auf der Bühne der Wiener Staatsoper © APA/Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
Der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf gehört heute zu den Klassikern der Jugendliteratur. 2017 verwandelte der deutsche Komponist Ludger Vollmer den Roadtrip zweier Teenager ins Erwachsenenalter in eine Jugendoper, die am Sonntag an der Wiener Staatsoper Premiere feierte. Es ist ein freches, unkonventionelles Musiktheaterstück voller „Mist-Faschisten-Clowns“ und „Öko-Wappler“, für das die Opernschule des Hauses maßgeblich verantwortlich ist. Bam, Oida!
Auch in der Bühnenfassung, inszeniert von Krysztina Winkel als Leiterin des Vermittlungsprogramms der Staatsoper, stehen die beiden Außenseiter Maik (sehr solide gesungen von Constantin Müller) und Tschick (Felix Pacher als aufstrebender Bass mit außergewöhnlicher Lautstärke) im Mittelpunkt ). Sound), die in den Sommerferien ohne App und Karte in einem geklauten Lada in die Walachei aufbrechen. Dabei treffen sie auf allerlei seltsame Gestalten wie die junge Isa (immer noch mit dem Orchester kämpfend Marlene Janschütz), die auf einer Müllhalde lebt und die beiden Jungs zu einem Theaterstück begleitet.
Es ist eine Geschichte über den Abschied von der Kindheit, eine Geschichte über Freundschaft über vermeintliche Grenzen hinweg. Es geht darum, eins zu sein und zusammen zu sein. Vollmer schuf eine Partitur für dieses Lebensgefühl, mästete ein Verdi-Orchester mit Schlagzeug und E-Gitarre und verschmolz organisch Jazz, Rock, Atonalität und Melodie. „Tschick“ ist auch eine bedeutende Choroper, wobei Johannes Mertl als musikalischer Leiter des Projekts und Leiter der Opernschule die Sängerinnen und Sänger der Staatsoperngruppe immer wieder neu formiert.
Im gleichen Szenario reichen drei mobile Gerüste aus, um den Roadtrip der beiden Freunde ohne Lada zu ermöglichen. In der österreichischen Fassung geht die Reise von Kagran durchs Burgenland, wird bei Servus-TV zum Beispiel zu einem negativen Männerbild und die Sprache orientiert sich mehr am Wiener Jugendjargon als an der Berliner Vorlage. Als unwissender Vater darf Gruppenmitglied Hans Peter Kammerer den Rest des Jahres öfter “Scheiße” singen, als er es sagt. Deshalb wirkt „Tschick“ vielleicht nicht wie ein Weihnachtsstück, sondern ist eine Einzugsparade in die Welt der Oper und der Menschlichkeit. Und das passt auch in die Vorweihnachtszeit.
„Tschick“ von Ludger Vollmer an der Staatsoper, 1., Opernring 2. Musikalische Leitung: Johannes Mertl, Regie: Krysztina Winkel, Kostüme: Mahshad Safaei, Bühnenbild: Xandi Vogler/Ella Steinbach. Mit Maik – Constantin Müller, Tschick – Felix Pacher, Isa – Marlene Janschütz, Mutter – Noa Beinart, Vater – Hans Peter Kammerer, Mutter Friedemann/Krankenschwester – Maryam Tahon/Elena Schäfer/Rachel Ille, Friedemann – Johannes Pietsch, Elisabeth – Julia Oos , Florentine – Chiara Bauer-Mitterlehner, Jonas – Konrad Plank, Horst Fricke – Agustín Gomez, Richter Burgmüller – Attila Mokus, Mona – Lucia Lohn. Weitere Vorstellungen am 19. und 26. Dezember, 15. Januar, 1. Februar, 14. und 18. Mai und 10. und 16. Juni. wiener-staatsoper.at