“Niemand stört uns, während wir nachdenken und drehen”, sagte Blomberg vor den Proben. “Durch freie und verrückte Improvisation setzen wir den Raum in Brand.” Man hatte Glück, dass das riesige Metallrohr, das die beiden Schweizer Architekten Gordian Blumenthal und Ramun Capaul für ihren ersten szenischen Entwurf auf die Bühne brachten, keine Gasleitung war, sondern eine hohle Struktur, die in der ersten Szene einen Wellenkamm darstellte und mit ihr er hatte schon gemacht. es gibt seine konkrete Bedeutung wieder auf. An manchen Stellen hat einfach alles geleuchtet. Es war keine Feuersbrunst.
„Mad for Solace“ beginnt als tragisches Kinderspiel zweier Waisenkinder, in dem ein elfjähriger und ein zehnjähriger Junge typische Szenen der Eheschließung ihrer Eltern am Strand nachspielen, um zumindest nachzuspielen halte sie am Leben. in seiner Vorstellung. Diese stärkere und bewegendere Szene führt bald zu einem Zahlenmagazin, das immer wieder lächerlich und auch in dramatischen Momenten ist, aber nicht den strengen Kontext hat. „Da könnte ich auch Telefonbuch spielen“, ist ein Wiener Kompliment für besonders virtuose Schauspieler. Am Ende hat man das Gefühl: Das Telefonbuch war so ziemlich das Einzige, was das Quartett nicht gespielt hat.
Ursina Lardi glänzt zum Beispiel als sprechender Oktopus mit neun Gehirnen („Ich kann zu allem neun verschiedene Meinungen haben“), der sich auch in einen Tisch verwandeln kann, als junger Stabhochsprungstar und als Praktikantin in einem Seniorenheim. . André Jung startet eindrucksvoll als Orang-Utan, schenkt zwischendurch einen Seestern und endet als exzellenter Kuss-Pflege-Roboter. Sebastian Blomberg gibt als Springer mit dem ganzen Team eine beeindruckende Vorstellung ab, aber auch als Riesenschildkröte macht er eine gute Figur, während ein Sessel nicht zu seinen stärksten Rollendesigns gehört. Devid Striesow sieht kurz aus wie ein falscher Clownfisch, leidet als Baby unter seinen Rabeneltern und als schwuler Jugendlicher an Emotionslosigkeit und Durchfall.
Bei der Pressekonferenz wenige Tage vor der Premiere schwärmten die Schauspieler von der einzigartigen Freiheit, die ihnen der Regisseur zugesteht, der 2019 mit seiner Interpretation von „Infinite Fun“ von David Foster Wallace zum Berliner Theatertreffen und ins Salzburger Theatertreffen eingeladen wurde Montage. mit insgesamt sieben Koproduzenten brachten Deutschland, die Schweiz und Luxemburg erstmals eigene Werke auf die Bühne. Der Text kann immer wieder mit guten Sprüchen aufwarten (z. B. „Ich habe der Welt nichts zu sagen. Deshalb spreche ich jambisch in sechs Fuß“), verliert aber schnell den roten Faden, der anfangs sorgfältig um die beiden arrangiert wurde die Waisenkinder Charlotte und Felix (Lardi und Striesow), deren unterschiedlichem Alter er frei folgt. Stattdessen wendet er sich Märchen zu. Die individuelle Situation zählt mehr als der Erzählbogen.
„Wer an Konzepte glaubt, muss eine ziemlich oberflächliche Lebenserfahrung gehabt haben“, verriet Thorsten Lensing, der als brillanter Außenseiter im Theatergeschäft gilt, in einem im Begleitheft der Show abgedruckten Interview sein Regieverständnis, das auf einer Missverständnis des Theaters, das bekanntlich nicht das Leben ist. „Ich könnte keine Sekunde proben, wenn ich dachte, dass meine Produktion irgendein Ziel, irgendeinen Zweck haben sollte“, sagt er dort. Gut zu wissen, denn im Laufe des Abends wuchs der Verdacht, dass die schöne, furchtlose, experimentelle Zeit, die die darstellenden Künstler zusammen verbrachten, der ganze Zweck des Unternehmens gewesen sein könnte.
Am Ende muss man sich an die Schlussworte halten, die Lardi im Alter von 88 Jahren direkt ans Publikum richtete: „Alle werden erlöst!“ Vielleicht ist unsere Zeit wirklich zwecklos „komfortverrückt“. Der Applaus bei der Premiere war jedenfalls anhaltend und überaus herzlich.
(SERVICE – Salzburger Festspiele: „Crazy for Consolation“ von Thorsten Lensing (auch Regie), Bühne: Gordian Blumenthal, Ramun Capaul, Kostüme: Anette Guther, mit Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi und Devid Striesow. Uraufführung am Mozarteum Universität – Max Schlereth Saal Weitere Termine am 8., 9., 10., 12., 13., 16. und 17. August Informationen und Tickets unter )