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Erstellung: 16.12.2022, 05:02 Uhr
Von: Carolyn Gehrmann
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Eine massive Welle von Streptokokkeninfektionen der Gruppe A alarmiert derzeit die Gesundheitsbehörden in Großbritannien. Ungewöhnlich viele Kinder sind bereits an der bakteriellen Infektion gestorben, die unter anderem Scharlach verursacht.
London/Bremen – Es ist eine beunruhigende Tatsache, die sich derzeit in Großbritannien abzeichnet: Seit September sind dort bereits 15 Kinder im Zusammenhang mit einer Streptokokken-Infektion gestorben, eine ungewöhnlich hohe Zahl. Medienberichten zufolge sind nur ein oder zwei solcher Todesfälle pro Winter üblich. Da Infektionen mit dem Erreger derzeit zunehmen und vor allem Kinder schwer erkranken, schlägt die britische Gesundheitsbehörde UKHSA jetzt Alarm: Eltern und Ärzte sollten wachsamer sein und auf frühe Anzeichen achten, die auf Streptokokken A hinweisen könnten.
Scharlachfälle im Vereinigten Königreich nehmen ungewöhnlich schnell zu – die Behörden sind alarmiert
Meldungen über diesen starken Anstieg lassen auch Deutschlands Experten aufhorchen, denn Deutschlands Gesundheitssystem ächzt bereits unter der Last der vermehrten und schweren Atemwegsinfektionen. Vor allem Kinderkliniken sind aufgrund der massiven Ausbreitung des Respiratory Syncytial Virus, kurz RSV, bereits angespannt, denn die Jüngsten sind besonders von der Krankheit betroffen. Es gibt auch andere Erkrankungen mit der Grippe oder dem Coronavirus, die natürlich auch Kinder betreffen. Experten hatten bereits vor einer Eskalation in Deutschland gewarnt.
Droht uns neben RSV, Grippe und Corona nun auch noch eine Scharlachwelle?
Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde wurden in der dritten Novemberwoche 851 Fälle von Scharlach entdeckt. In den letzten Jahren waren es durchschnittlich 186 Fälle pro Woche. Angesichts dieser Zahlen wächst auch die Sorge, dass eine Scharlachwelle auch Deutschland bedrohen könnte, während RSV, Grippe und Corona die Krankenhäuser füllen.
Die Kinderkrankheit Scharlach wird durch Streptokokken der Gruppe A verursacht, die Halsschmerzen und Hautausschlag verursachen.
Scharlach ist laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine klassische Kinderkrankheit und eine der häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten bei Kindern. Die Bakterien, die die Krankheit verursachen, heißen Streptokokken der Gruppe A. Sie kommen auf der ganzen Welt vor und verursachen normalerweise Halsschmerzen und Hautausschlag. Scharlach ist hoch ansteckend. Daher tritt die Krankheit häufiger in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen auf, normalerweise in den kälteren Monaten des Jahres.
Scharlach lässt sich meist schnell anhand typischer Merkmale wie „Himbeerzunge“ diagnostizieren und gut mit Antibiotika behandeln. © Westend61/IMAGO
Scharlach lässt sich gut mit Antibiotika behandeln: Nach 24 Stunden besteht keine Ansteckungsgefahr mehr
Scharlach lässt sich gut mit Antibiotika behandeln. In der Regel besteht 24 Stunden nach der Gabe von Antibiotika keine Infektionsgefahr mehr. Ohne Antibiotikatherapie sind Patienten jedoch bis zu 3 Wochen nach den ersten Symptomen ansteckend und damit eine Gefahr für andere Kontaktpersonen. Die bakterielle Infektion ist normalerweise mild, aber in seltenen Fällen verursacht die Krankheit schwerwiegende Komplikationen, wie dies zunehmend in Großbritannien der Fall ist.
Was die Ursache für die hohe Inzidenz von Scharlach ist, ist noch nicht geklärt
Es ist immer noch unklar, was den ungewöhnlichen Anstieg der A-Streptokokken-Infektionen in diesem Jahr verursacht hat. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde gibt es keine Hinweise darauf, dass ein neuer Bakterienstamm in der Bevölkerung zirkuliert. Der Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht sagte im Interview mit RTL, dass angesichts der vielen Fälle in England davon auszugehen sei, dass die Zahlen auch anderswo steigen werden: „Entweder kommt die Welle mit Verzögerung, oder sie war schon da.“ Es gibt offizielle Zahlen. zu den Scharlachfällen in Deutschland, aber nein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) macht keine Angaben zur Zahl der Streptokokken-Erkrankungen.
Eltern sollten die Symptome von Scharlach kennen und den ersten Anzeichen mehr Aufmerksamkeit schenken
Daher sollten Eltern verstärkt auf die typischen Krankheitszeichen achten. Laut BZgA treten zu Beginn folgende Symptome auf:
- Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Schüttelfrost und schnell ansteigendes Fieber
- manchmal Bauchschmerzen und Erbrechen
- Gaumen und Rachen sind gerötet, die Mandeln sind entzündet und können einen weißen Belag haben
- Die Lymphknoten im Nacken schwellen stark an
Nach ein oder zwei Tagen sehen Sie außerdem:
- ein nicht juckender Ausschlag am ganzen Körper
- sehr gerötete Wangen
- blasse Haut um den Mund
Das auffälligste Merkmal von Scharlach ist jedoch die sogenannte „Himbeerzunge“. Die Zunge ist anfangs weiß, nach einigen Tagen färbt sie sich himbeerrot. Kinderärzten genügt meist ein Blick in den Rachen, um die Erkrankung zu erkennen. Wegen der deutlichen Symptome ist ein Abstrich des Rachenraums für eine Diagnose meist nicht nötig, wie die britische BBC erklärt.
Die leuchtend rote „Himbeerzunge“ ist das typische Anzeichen für Scharlach
Zuletzt, im Winter 2017/18, sei die Zahl schwerer Erkrankungen durch Streptokokken A wieder gestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Damals starben im gleichen Zeitraum vier Kinder in England an Komplikationen, weit weniger als damals. Eine offizielle Erklärung für den aktuellen Aufbau gibt es noch nicht. Manche Experten vermuten, dass viele Kinder wegen der unterschiedlichen Schutzmaßnahmen vor der Corona-Pandemie weniger immun sind als in den Vorjahren.
Die Scharlachwelle könnte ein „Nachholeffekt“ der Corona-Pandemie sein, genau wie RSV, Grippe und Co.
Virologe Alexander Kekulé sieht den Grund für das vermehrte Auftreten von Atemwegsinfekten bei Kindern nicht in einer durch Schutzmaßnahmen gegen Corona geschwächten Immunität, sondern darin, dass wir nun vor einer „effektquantitativen Erholung“ der letzten beiden stehen. Jahre. Die Schweizer Virologin Isabella Eckerle formulierte es im Wissenschaftsjournal WDR Quarks so: „Wenn man zwei Jahre lang keine Kinder zur Schule schickte, hatte man plötzlich sehr große erste Klassen, weil man einfach keine erste Klasse für zwei hatte Jahre.”