Veröffentlicht 5. Oktober 2022, 16:40 Uhr
Corona: „Eine Welle rollt, aber Corona hat seinen Schrecken verloren“
Die Fallzahlen steigen wieder, aber das ist kein Grund zur Panik. Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts, beurteilt die Lage.
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Daniel Graf
Christina Pirskanen
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Die Zahl der Covid-Fälle in der Schweiz steigt wieder: Letzte Woche registrierte das Bundesamt für Gesundheit 25’134 neue Fälle.
20min/Celia Nogler
Jürg Utzinger, Direktor des Instituts für Tropen- und Public Health, erklärt: «Die Herbstwelle ist bereits angekommen, das sehen wir an den steigenden Fallzahlen. Aber das ist kein Grund zur Panik.»
Lucia Hunziker / Tamedia
„Noch dominieren Omicron-Subtypen, die aufgrund des relativ hohen Impfniveaus in der Bevölkerung meist milde Verläufe verursachen. Im Moment sehen wir keine Überlastung der Krankenhäuser durch Corona“, sagt Utzinger.
Ela Celik
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In der vergangenen Woche stieg die Zahl der Corona-Infektionen in der Schweiz um fast 50 Prozent.
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Was das für den kommenden Herbst bedeutet und was jetzt zu tun ist, erklärt Jürg Utzinger, Direktor des Instituts für Public and Tropical Health, im Gespräch mit 20 Minuten.
Die Zahl der Corona-Fälle steigt in der Schweiz wieder an. Der Direktor des Schweizerischen Instituts für Tropen- und Public Health, Jürg Utzinger, beantwortet die wichtigsten Fragen zur aktuellen Corona-Situation.
Stehen wir vor den Toren der nächsten Welle?
Die Herbstwelle hat bereits Einzug gehalten, wie wir an der Zunahme der Fallzahlen ablesen können. Aber das ist kein Grund zur Panik. Die Menschen kehrten im Frühjahr schnell zur Normalität zurück, Corona hat seinen Schrecken verloren. Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit ist dies eine gute Sache.
Da?
Nach wie vor dominieren die Omicron-Subtypen, die aufgrund der relativ hohen Durchimpfungsrate der Bevölkerung meist leichte Schübe auslösen. Im Moment sehen wir keine Überlastung der Krankenhäuser durch Corona. Dass die Menschen den Sommer genießen konnten, war gut für ihre körperliche und geistige Gesundheit.
Damit wir uns zurücklehnen und nichts tun können?
nein Personen mit Symptomen sollten getestet werden und sich selbst isolieren, wenn sie positiv getestet werden. Wir müssen die Situation weiterhin genau beobachten und in der Lage sein, schnell zu reagieren, wenn die Krankheitslast zunimmt. Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln sind im Winter immer noch eine gute Lösung und werden möglicherweise wieder obligatorisch. Die Impfung bleibt dafür grundlegend.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat letzte Woche 25’134 neue Corona-Fälle gemeldet. Das sind fast 50 Prozent mehr als in der Vorwoche. Die Positivitätsrate liegt bei 35,2 Prozent, in der Vorwoche waren es 28,6 Prozent. Die Lage in den Krankenhäusern ist derzeit ruhig: Die Auslastung der Intensivstationen liegt bei 73,5 Prozent, rund 35 Prozent davon sind mit Covid-Patienten belegt. Das auch Abwasserüberwachung Die EAWAG stellt einen Anstieg der Viruslast fest.
Ab dem 10. Oktober steht die 4. Impfung zur Verfügung. Wer sollte geimpft werden?
Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Mittelfristig ist die Impfung aber für alle ab 16 Jahren sinnvoll, da der Impfschutz nach einigen Monaten nachlässt.
Werden wir bald jedes Jahr geimpft?
Dies ist zumindest für Personen mit erhöhtem Risiko eine Option. Bei der Grippe machen wir das auch. Die beiden Impfstoffe könnten auf freiwilliger Basis jedes Jahr kombiniert werden.
Wie hoch ist das Risiko, dass eine schlechtere Variante auftritt?
Es existiert, aber es ist relativ klein. Es gibt eine gute Immunität in der Bevölkerung vieler Länder der Welt. Aber es gibt immer noch einige Länder, die eine Null-Covid-Strategie verfolgen. Es gibt noch wenig Immunität und ein großflächiger Ausbruch mit vielen Infektionen könnte größere Mutationen begünstigen.
Auch in den umliegenden Nachbarländern ist ein Anstieg der Fallzahlen zu beobachten. In Deutschland beispielsweise stieg die Inzidenz innerhalb von zwei Wochen von 379,6 auf 414, wie Focus schreibt. In Österreich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz sogar bei 952,6, derzeit die höchste in Europa.
Auch Long Covid ist nicht einfach vom Tisch…
Dies ist derzeit die größte Sorge als die Krankenhausbelastung. Es ist äußerst schwierig, genau zu beschreiben, was Long Covid ist. Bis zu 200 verschiedene Symptome können auftreten. Hier gilt es, die Daten zu sammeln und für die Forschung zugänglich zu machen, um das Phänomen zu bekämpfen.
Machen wir das?
Leider immer noch zu wenig. Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich muss auf Basis der Erfahrungen der letzten Jahre vorangetrieben werden.
Neben Corona ist auch wieder Grippesaison. Wie gefährlich ist das?
Das ist schwer zu sagen. Es besteht eine gewisse Gefahr. Andererseits können wir unser Immunsystem nicht ewig vor Grippeviren schützen. Ich glaube nicht, dass die Wellen so heftig sein werden, dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt.
Müssen wir dieses Gespräch nächstes Jahr wieder führen?
Ich möchte Sars-CoV-2 ist unter den Menschen und wird nicht verschwinden. Hin und wieder eine Bestandsaufnahme zu machen kann nicht schaden, um die Menschen zu sensibilisieren. Aber ich bin mir relativ sicher, dass uns dieses Virus niemals in Ausnahmezustände versetzen wird, wie wir sie seit März 2020 erleben.
Haben Sie oder jemand, den Sie kennen, mit der Corona-Zeit zu kämpfen?
BAG-Coronavirus-Infoline, Tel. 058 463 00 00
Infoline des BAG Impfung Covid-19, Tel. 058 377 88 92
Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Corona
Safezone.ch, anonyme Online-Beratung bei Suchtproblemen
Branchenhilfe.ch, Wegweiser für betroffene Wirtschaftszweige
Pro Juventute, Kinder- und Jugendberatung, Tel. 147
Angebotene Hand, Anliegen Hotline, Tel. 143
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