Stand: 24.12.2022 06:26 Uhr
In China haben sich womöglich deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bisher angenommen. Medien berichten von der Schätzung eines Behördenchefs, dass sich innerhalb von drei Wochen fast 250 Millionen Menschen infiziert haben könnten.
Nach inoffiziellen Schätzungen könnten sich in China in den ersten drei Dezemberwochen etwa 248 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, das wäre fast ein Fünftel der Bevölkerung. Allein am Dienstag dürften sich 37 Millionen Menschen infiziert haben, heißt es in den sozialen Medien kursierende Aufzeichnungen einer Sitzung der nationalen Gesundheitskommission in Peking. Die Gesprächsteilnehmer bestätigten die Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg und der Financial Times.
Die Schätzungen stammen vom stellvertretenden Direktor des Gesundheitsamtes, Sun Yang, wie die „Financial Times“ berichtet. Ihm zufolge breitet sich das Virus weiterhin schnell unter Milliarden von Menschen aus. Mehr als die Hälfte der 81 Millionen Einwohner der südwestchinesischen Provinz Sichuan oder der 21 Millionen in der Hauptstadt Peking sind infiziert. Offizielle Statistiken für die oben genannten drei Dezemberwochen nennen landesweit nur 62.000 Infektionen.
Die chinesische Stadt meldet täglich eine halbe Million Infektionen
Laut der Nachrichtenagentur AFP hat ein hochrangiger Beamter allein in einer Stadt täglich rund eine halbe Million neue Corona-Infektionen gemeldet. In Qingdao gebe es jeden Tag “zwischen 490.000 und 530.000 Neuinfektionen”, sagte der Leiter der örtlichen Gesundheitsbehörde über ein von der regierenden Kommunistischen Partei betriebenes Internetportal.
Das Virus breite sich „rasch“ in der östlichen Stadt aus, sagte Bo Tao. Das Internetportal veröffentlichte am Freitag seinen Artikel, der von mehreren anderen Medien verbreitet wurde. Allerdings scheint der Artikel auf demselben Internetportal überarbeitet worden zu sein: Die von Bo genannten Nummern waren am Samstag nicht mehr auffindbar. In Qingdao leben etwa zehn Millionen Menschen.
Von Zero-Covid zu „Corona Cold“
Obwohl Krankenhäuser überfüllt sind und viele Krematorien Leichen nicht mehr schnell genug verbrennen können, geben offizielle Zahlen keinen Überblick mehr über das wahre Ausmaß der Infektionswelle. Expertenschätzungen zufolge wird mit Hunderttausenden Toten gerechnet. Die Diskussionsnotizen gehen jedoch nicht auf die Zahl der Todesopfer ein.
China hob seine Null-Covid-Politik am 7. Dezember inmitten von Protesten gegen die harten Corona-Maßnahmen der Regierung abrupt auf. Seitdem wird die Schwere der Krankheit heruntergespielt, nachdem chinesische Experten immer wieder vor den Gefahren des Coronavirus gewarnt hatten, um die Null-Covid-Politik zu rechtfertigen. Der hochrangige Regierungsberater und renommierte Epidemiologe Zhong Nanshan schlug vor, dass Covid-19 nur die „Kronenerkältung“ sei.
Die Handelskammer rechnet mit einer Normalisierung im Frühjahr
Trotz der derzeit massiv steigenden Infektionszahlen rechnet der Deutsche Handelskammertag im Frühjahr mit einer Rückkehr zur Normalität. „Zwei Wochen nach der Aufhebung der Null-Covid-Politik ist die Zahl der Fälle in China gestiegen“, sagte Jens Hildebrandt, Vorstandsmitglied der Pekinger Handelskammer. Deutsche Unternehmen sind vielerorts mit Personalengpässen konfrontiert: Kein Wunder, dass ein Großteil der Mitarbeiter fehlt. Auch in der Lieferkette kommt es zu Engpässen, weil auch viele Logistiker krank sind.
Viele Unternehmen sind jedoch gut vorbereitet, weil sie sich zum Beispiel eingedeckt haben. Sie wüssten auch, wie man mit Infektionswellen umgeht. „Dadurch ist es möglich, die Produktion ganz oder teilweise in einem langsameren Tempo aufrechtzuerhalten“, sagte Hildebrandt.