Vor vier Jahren scheiterte Deutschland erstmals als Weltmeister in der Gruppenphase, nun droht erneut ein Schicksal: Einen Tag nach dem 2:1-Sieg Saudi-Arabiens gegen Argentinien mühte sich der DFB im Spiel ab, übernahm aber verdient die Führung setzte den Foulelfmeter von Ilkay Gündogan in Front (33.). Nach der Pause fanden Serge Gnabry und Gündogan das Holzwerk, aber Japan kam zum Abschluss und drehte das Spiel durch Ritsu Doan (75.) und Takuma Asano (83.).
Übrigens verdienen beide japanischen Torjäger ihr Geld in der deutschen Bundesliga, Doan beim SC Freiburg und Asano beim VfL Bochum. So steht Deutschland im Gruppenspiel gegen Spanien am Sonntag (20 Uhr) unter großem Druck, Japan kann gegen Costa Rica (11 Uhr, beide live auf ORF1) noch nachlegen.
„Joker“ Doan gleicht aus (75. Minute)
Der wenige Minuten zuvor eingewechselte Ritsu Doan verzichtet auf sein Einsatzrecht. Nach Abwehr gegen Neuer staubt der „Joker“ beim 1:1 ab.
Deutschland unterschreibt vor dem Start
Auch sportlich haben sich die deutschen Spieler vorgenommen, bei diesem Turnier wieder gut zu werden, nachdem sie vor vier Jahren in der Gruppenphase ausgeschieden sind. Doch hinter diesem umstrittenen Turnier steckt mehr als nur Fußball, wie die Spieler zeigten, indem sie sich vor dem Spiel den Mund zuhielten. Ein offensichtliches Zeichen für die FIFA, die die „One Love“-Kapitänsschleife von Manuel Neuer und sechs weiteren europäischen Mannschaftskapitänen in Katar verboten hatte.
AP/Ebrahim Noroozi Nachdem das Kapitänsband „One Love“ verboten wurde, halten sich die Deutschen aus Protest den Mund zu
Stattdessen trug Neuer auf al-Rajjan die von der FIFA vorgegebene „Non-Discrimination“-Bandage, die sich gegen jede Form von Diskriminierung richten soll. Damals wurde im Khalifa International Stadium auch Fußball gespielt.
Frecher japanischer Start
Gegen den weltcuperprobten Japaner, immerhin ist es sein siebter WM-Einsatz, setzte Bundestrainer Hansi Flick im Angriff auf die Routine von Thomas Müller und Kai Havertz. Leroy Sané musste sich zum Auftakt verletzungsbedingt geschlagen geben, deutsche Hoffnungen trägt auch der erst 19-jährige Youngster Jamal Musiala. Der frühere Salzburg-Legionär Takumi Minamino saß zunächst für Japan auf der Bank.
Maeda trifft im Abseits (8. Minute)
Daizen Maeda trifft das Tor. Allerdings ist die Freude nur von kurzer Dauer, da das Tor nicht für eine Abseitsstellung zählt.
Der Außenseiter in diesem Spiel versteckte sich schon früh nicht und machte Deutschland von Anfang an Sorgen. Eine Balleroberung führte ebenfalls zu einem Tor, das aber wegen einer Abseitsstellung aberkannt wurde. Nach Ballverlust von Gündogan zog er nach rechts und in der Mitte drückte Daizen Maeda den Ball über die Linie (8.).
Das DFB-Team erhöht mit Erfolg den Druck
Im weiteren Verlauf des Spiels kam Deutschland zu sich und hatte viel Ballbesitz, hatte aber zunächst mit der japanischen Abwehr zu kämpfen. Die erste Möglichkeit ergab sich nach einer Standardsituation, als Antonio Rüdiger eine Ecke von Joshua Kimmich per Kopf einköpfte (17.). Nach einer halben Stunde baute sich der Druck auf, Gündogan versuchte es aus der Distanz (28./29.).
Vor allem auf der linken Seite öffneten sich immer wieder Räume für David Raum, der dann in der 31. Minute entscheidend ausnutzte: Raum nahm den Ball völlig frei und wurde schließlich von Torhüter Shuichi Gonda erst mit dem Fuß und dann mit der Hand zu Fall gebracht (31.). Der Elfmeterpfiff hielt zu Recht der Überprüfung stand, Gündogan verwandelte sicher auf der Anzeigetafel (33.).
Reuters/Matthew Childs Gündogan ließ sich die Chance nicht entgehen und erzielte per Elfmeter die Führung.
Damit waren die Deutschen leichter zu spielen, und auch die Favoriten gerieten immer mehr in Aufregung. Allerdings zwangen ihn die Japaner immer wieder, Schüsse aus der Distanz abzugeben. Kurz vor der Pause traf Havertz aus wenigen Metern, stand bei Gnabry aber klar im Abseits (45+4). Es war nicht die letzte Aktion, Maeda köpfte am Tor vorbei (45+6).
Deutschland lässt weitere Chancen aus
Unmittelbar nach dem Seitenwechsel bemühte sich Deutschland bald um eine Vorentscheidung. Ein Gnabry-Schuss aus spitzem Winkel traf rechts nur die Latte (47.). Vier Minuten später zeigte Musiala seine Klasse und tanzte halb in den japanischen Strafraum, jagte den Ball aber übers Tor (51.).
Der Liveticker zum Nachlesen
Rund zehn Minuten später verhinderte der Pfosten den zweiten Treffer des Deutschen bei al-Rajjan. Wieder mischte sich die muntere Musiala ein, doch diesmal legte sie auf Gündogan, dessen Flachschuss den rechten Pfosten traf und dann daneben ging (60.). Japan versuchte in dieser Phase zu kontern, beendete seine Angriffe aber uneinheitlich. Und die DFB-Elf ließ einfach zu viele Chancen aus: Gonda verteidigte „Joker“ Jonas Hofmann und dann noch glänzender, als Gnabry in derselben Minute eine Doppelchance hatte (70.).
Japan verwandelt das Spiel am Ende
Ein altes Fußball-Sprichwort lautet bekanntlich: Wer keine Tore schießt, bekommt welche. Und wieder einmal ist es wahr geworden. Nach rund 70 Minuten brachte der japanische Teamchef Hajime Moriyasu Minamino, der dem Offensivspiel Schwung verlieh. Zunächst wehrte Neuer Junya Ito mit einer Glanzparade ab (73.), zwei Minuten später lenkte der Torhüter Minaminos Schuss vor die Füße von Ritsu Doan, der zum 1:1 abschloss (75.).
Nach dem ersten Schock schien sich Deutschland zu erholen, doch dann folgte ein Blackout auf deutscher Seite, der das Spiel komplett drehte: Ein langer Freistoß von Ko Itakura erreichte den eingewechselten Takuma Asano, auch weil ihn Nico Schlotterbeck nach einem Stellungsfehler ziehen ließ. Asano glich aufs Tor aus und vollendete mit einem spitzen Winkel zum 2:1 (83.), von dem sich Deutschland nicht mehr erholen konnte. „Joker“ Leon Goretzka schoss zu wenig und zu spät am Tor vorbei.
FIFA WM 2022, Gruppe E, erster Spieltag
Mittwoch:
Deutschland – Japan 1:2 (1:0)
Al-Rajjan, Khalifa International Stadium, 42.608, SR Barton (SLV)
Torfolge: 1:0 Gündogan (Elfmeter/33.) 1:1 Doan (75.) 1:2 Asano (83.)
Deutschland: Neuer – Süle, Rüdiger, Schlotterbeck, Raum – Kimmich, Gündogan (67./Goretzka) – Gnabry (90./Moukoko), Müller (67./Hofmann), Musiala (79./Götze) – Havertz (79. / Vase füllen)
Japan: Gonda – Sakai (75./Minamino), Itakura, Yoshida, Nagatomo (57./Mitoma) – Endo – J. Ito, Kamada, Tanaka (71./Doan), Kubo (46./Tomiyasu) – Maeda ( 57./Asano)
Gelbe Karten: keine