28.06.2022
Barbara Wimmer
Wenn es um Gesundheits- und Menstruationsanwendungen geht, gibt es einige dateneffiziente Alternativen. Einige von ihnen kommen aus Europa.
1. Tropfen für Android und Fdroid
Die Drip-App ist eine Berliner Fahrrad-App für Android- und Fdroid-Nutzer. Die Programmiererin Marie Kochsiek gründete 2018 das „Bloody Health Collective“, um eine Alternative zu Datenerfassungsanwendungen zu entwickeln (wir haben sie bereits interviewt). Diese widmet sich der Gender-Inklusion und folgt dem Motto „your data, your choice“.
Mit Drip kann jede Nutzerin wählen, ob sie nur die Menstruation verfolgen und die klassischen Striche für die Periode machen möchte, oder ob sie die symptomthermische Methode anwenden möchte. Diese Methode misst die sogenannte Aufwachtemperatur mit Dezimalstellen und einem speziellen Thermometer.
Dies ist die Drip-App
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2. Euki für Android und iOS
Euki ist eine spanische Anwendung, die für Android und iOS verfügbar ist. Damit können Nutzer ihre Daten mit einem PIN-Code schützen, der bei jedem Aufruf der Anwendung abgefragt wird. Die Anwendung hat folgenden Vorteil: Die von Ihnen eingegebenen Daten werden nur lokal auf dem Gerät und nicht in der Cloud gespeichert.
Neben der Kalenderfunktion verfügt die App auch über eine Reihe von Symbolen für die Blutungsintensität. Die Menstruation kann auch dazu führen, wie viele Dinge Sie verwenden, um zu verhindern, dass Ihre Blutung entweicht: Tampons, Binden, Unterwäsche oder Menstruationstassen.
Außerdem erfährt man durch eine Darstellung, in welcher Phase des Zyklus man sich gerade befindet und was gerade im Körper passiert. Möglicherweise erhalten Sie auch eine Push-Nachricht, die Sie daran erinnert, die Pille regelmäßig einzunehmen. Euki bietet auch Informationen zum Schwangerschaftsabbruch an.
Dies ist die Euki-Anwendung in Spanien
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3. Hinweis für Android und iOS
In Europa ist Clue eine kostenpflichtige Alternative zu iOS und Android. Statt Nutzerdaten weiterzuverkaufen, setzt Clue auf ein Abo-Modell als Geschäftsmodell. Datenschutz wird geboten, ebenso wie zahlreiche Features wie eine genaue Vorhersage, wie sich der Zyklus in den nächsten sechs Monaten entwickeln wird.
Darüber hinaus können mehr als 30 Symptome eingeführt werden, die sich im Körper von Frauen rund um die Menstruation manifestieren können. Clue verweist auch auf die „EU-Datenschutz-Grundverordnung“ und betont, dass die Daten sicher sind. Laut einer Aussage der Gründer teilt Clue jedoch pseudonyme Daten mit der Forschung.
Das ist die Clue-App
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4. Sternenstaub für iOS und Android
In den USA hat ein Frauenteam eine Menstruations-App entwickelt, die das Tracking der klassischen Periode mit den Bewegungen des Mondes und anderer Planeten kombiniert. Gründerin Rachel Moranis erklärt, dass die App End-to-End-Benutzerdaten verschlüsselt, um die Privatsphäre zu schützen. Durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die Daten vor behördlichem Zugriff sicher.
„Die Daten sind sicher. Wir können sie auch nicht sehen. Sie sind der einzige, der Zugriff darauf hat“, heißt es in einer Erklärung der Website. Die Verschlüsselung wird in der am Dienstag erscheinenden Version vorliegen. Gleichzeitig kommen die Android-Version und das iOS-Update heraus.
Die Oberfläche der App sieht auf den ersten Blick ansprechend aus, hier gibt es auch Informationen darüber, in welcher Phase des Zyklus man sich gerade befindet und was das für den eigenen Hormonhaushalt bedeutet.
Dies ist die Stardust-App
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5. Fdroid-Angebote
Es gibt andere Open-Source-Alternativen im Fdroid Store für diejenigen Benutzer, die Open Source und seine Privatsphäre schätzen. Hier lohnt es sich, die einzelnen Bestimmungen der Angebote zu lesen und das Richtige auszuwählen.
Hintergrund der Datenerhebung
Menstruationsanwendungen sind seit langem dafür bekannt, dass sie sehr datenhungrig sind und diese Daten häufig mit Werbetreibenden von Drittanbietern und auch mit Datenanbietern teilen. Apps sammeln oft Daten über den Gesundheitszustand, das Sexualleben und die Stimmung der Benutzer. Viele dieser Daten sind so sensibel, dass Sie sie mit niemandem teilen würden, oder würden Sie Ihrer Mutter oder Ihrem Arbeitgeber mitteilen, wann Sie das letzte Mal ungeschützten Sex hatten?
Die beliebte Menstruations-App Flo wurde beim Austausch von Daten schwangerer Frauen erfasst. Anfang 2021 haben die Vereinigten Staaten eine Einigung mit der Federal Trade Commission (FTC) erzielt. Dementsprechend hat sich Flo verpflichtet, alle Betroffenen nachträglich zu informieren und alle Drittunternehmen zur Löschung sensibler Daten zu verpflichten.
6. Anonymer Modus für Flo
Nachdem das liberale Abtreibungsgesetz vergangene Woche vom US Supreme Court gekippt wurde, reagierte Flo als einer der ersten Anbieter von Anträgen. Flo kündigte einen eigenen Modus an, in dem Sie Ihre Daten anonym speichern können sollen. Benutzer sollten in der Lage sein, alle Daten zu löschen, die sie identifizieren. Wann diese neue Funktion verfügbar sein wird, ist jedoch noch nicht klar.
Das Problem: Menstruations-Apps zeigen nicht nur an, wann die letzte Periode war, sondern sagen auch voraus, wann die nächste kommt und wann nicht. Daten, die auch offenbaren können, wann jemand ungewollt schwanger wurde und eine Abtreibung hatte. Er ist jetzt in den USA kriminalisiert. Bewerbungsdaten könnten auch zur gerichtlichen Verfolgung von Betroffenen per Gerichtsbeschluss verwendet werden.
Aber nicht nur deshalb empfiehlt es sich, bei Anwendungen auf Datensparsamkeit zu setzen. Wenn Menstruations-Apps Daten mit Drittanbietern teilen, ist es in Europa auch möglich, dass Nutzern gezielt Werbung angezeigt wird, zum Beispiel von gefälschten Abtreibungskliniken. Diese verbreiten manchmal gefährliche Fehlinformationen, etwa dass Abtreibungen Krebs verursachen können.