Die Karten der Weltpolitik könnten neu gemischt werden

Der russische Präsident Wladimir Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping bei ihrem letzten Treffen im Februar. Am 15. und 16. September werden Russland und China ihre Beziehungen voraussichtlich bei einem Gipfeltreffen in Usbekistan vertiefen.

Alexei Druzhinin, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP/KEYSTONE

Wladimir Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping treffen sich in Usbekistan, um ihre Partnerschaft zu intensivieren. Und es ist nicht nur Benzin.

Chinas Staatschef Xi Jinping war seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr im Ausland. Er reist nun nach Usbekistan, um sich unter anderem mit Wladimir Putin auf einem Gipfel der Shanghai Cooperation Organization (SCO) zu treffen.

Wie nah sind sich China und Russland wirklich?

Bis heute tun sich westliche Länder schwer damit, Chinas Position im Ukraine-Konflikt einzuschätzen. Die chinesische Führung hat den völkerrechtswidrigen Einmarsch Putins in das Nachbarland weder gebilligt noch verurteilt und vermeidet den Begriff “Krieg”. Stattdessen betonte China seine neutrale Haltung.

Doch nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich sind sich die beiden Großmächte in den vergangenen Jahren näher gekommen – und erneuerten zuletzt im vergangenen Jahr ihr Nachbarschaftsabkommen.

Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, sorgte mit ihrem Besuch in Taiwan für diplomatische Probleme mit China.

EPA / JIM LO SCALZO / TRAPEZ

Zudem eint die beiden Großmächte ihre ablehnende Haltung gegenüber den USA. Der Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan könnte Chinas Bereitschaft, eine engere Partnerschaft mit Russland einzugehen, weiter gestärkt haben.

„China und Russland teilen dieselbe Haltung gegenüber westlicher Praxis“

Beim SCO-Gipfel in Samarkand, Usbekistan, am 15./16. September könnten die Karten in der Weltpolitik neu gemischt werden. Neben China und Russland werden auch Vertreter aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan und Indien an dem Treffen teilnehmen.

Während das russisch-chinesische Militärmanöver „Wostock 2022“ Anfang September im westlichen Teil für Irritationen sorgte, sind die Worte des Auslandsvertreters der Kommunistischen Partei Chinas, Yang Jiechi, im Gespräch mit Andrei Denisov, dem russischen Botschafter in Peking, lauter nicht unbedingt beruhigend: China plant, die internationale Ordnung mit Russland „in eine gerechtere und rationalere Richtung“ zu lenken.

Gemeinsame Militärmanöver von Russland und China sind nichts Neues. Angesichts der aktuell angespannten Weltlage geben sie jedoch Anlass zur Sorge. Hier ist eine Szene aus der chinesisch-russischen „Friedensmission 2005“ auf der chinesischen Halbinsel Shandong.

Foto AP/Xinhua, Li Gang/KEYSTONE

Die enge Allianz mit Russland sieht das Pekinger Regime auch als “globale Sicherheitsinitiative” gegen das Viererbündnis, das Washington, Japan, Australien und Indien als Reaktion auf die chinesische Machtpolitik geschlossen haben.

Auch Li Xin, Direktor des Institute of European and Asian Studies an der Shanghai University of Political Science and Law, macht eine klare Ansage an den Westen: „China und Russland teilen die gleiche Haltung gegenüber der westlichen Sanktionspraxis und den Regimen anderer Länder fallen”.

Russland bietet Gas zum Schnäppchenpreis an

Nachdem Russland den Gashahn nach Europa über die Nord Stream 1-Pipeline geschlossen hat, versucht es nun, willige Käufer für den Rohstoff in Asien zu finden, und laut Bloomberg bietet China Gas zum halben Preis des Spotmarktes an Aber wird Russland die finanziellen Einbußen durch die westlichen Embargos kompensieren können?

Professor Dr. Ralph Weber, China-Experte am Institute for European Global Studies der Universität Basel, sieht die „blue news“ skeptisch: „Kurz vor dem Angriff auf die Ukraine haben Russland und China ein Abkommen über eine weitere Pipeline geschlossen. Ab 2024/25 Über eine neue Pipeline werden 30 Jahre lang jährlich 10 Milliarden Kubikmeter Euro-Gas nach China geliefert.Auch wenn man die bestehenden Gasvorräte berücksichtigt und schnell an zusätzliche Kapazitäten glaubt, wird man wohl noch unter Nord Stream-Kapazität für eine liegen lange Zeit.”

Indien als instabiler Konkurrent unter den Welten

Doch der Shanghai-Gipfel wirft noch mehr Fragen auf: Wie wird sich Indien in naher Zukunft in der Weltpolitik positionieren? Prof.. Ralph Weber: „Sicherheitspolitisch ist seit einiger Zeit die Entstehung zweier globaler Blöcke zu beobachten, die auch unterschiedliche Regelbereiche repräsentieren. Wie sich diese Blockbildung in einer gleichzeitig stark verflochtenen Weltwirtschaft auswirken wird, bleibt jedoch höchst ungewiss. Indien, das auf beiden Seiten spielt, verdient besondere Aufmerksamkeit.”

Der indische Premierminister Narendra Modi mit Wladimir Putin. Wie sich Indien künftig gegenüber Russland und dem Westen positionieren wird, ist unklar.

Foto AP/Xinhua, Li Gang/KEYSTONE

Wie könnte sich eine enge Freundschaft zwischen Russland und China auf Europa auswirken?

In Anbetracht der engen Verbindung zwischen Europa und dem chinesischen Markt ist es schwierig vorherzusehen, in welche Richtung die Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren gehen wird.

Ähnlich wie bei der Abhängigkeit der EU von russischem Gas gab es in der Vergangenheit Stimmen, die davor warnten, sich zu sehr an China zu binden. Bernhard Bartsch, Leiter Außenbeziehungen am Mercator Institute for China Studies, sagte im April gegenüber dem Phoenix Daily Talk: „Es besteht die große Gefahr, dass China wie Russland diese Abhängigkeiten gegen uns ausnutzt oder bereits ausnutzt. Wir müssen hinschauen unsere Abhängigkeiten zu China sehr genau und reduzieren sie dort, wo sie uns sicherheitspolitisch wirklich bedrohen.”

Damit sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und China unter Kontrolle. Prof.. Ralph Weber: „Was eine engere Annäherung zwischen China und Russland letztlich für die Schweiz und die EU bedeutet, hängt auch vom Ausgang des Krieges in der Ukraine ab. Ein potenziell geschwächtes Russland kommt China nicht wirklich gelegen. Wie dem auch sei, die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre haben die globalen Wirtschaftsbeziehungen erheblich erschwert.

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