EU-Korruptionsskandal: Marokko dürfte stärker diffamiert haben als Katar

Der EU-Korruptionsskandal dürfte Marokko stärker diffamiert haben als Katar

29.12.2022, 01:05

Bisher stand Katar im Fokus des Korruptionsskandals im EU-Parlament. Ein Medienbericht legt nahe, dass Marokko möglicherweise noch mehr Einfluss hatte als der Golfstaat.

Einem Medienbericht zufolge spielte Marokko im Bestechungs- und Korruptionsskandal im Europäischen Parlament eine größere Rolle als bisher bekannt. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf vertrauliche Ermittlungsunterlagen berichtet, war auch der marokkanische Auslandsgeheimdienst DGED auf höchster Ebene an der Einflussnahme auf Abgeordnete beteiligt.

Demnach soll die DGED 2019 die beiden italienischen Europaabgeordneten Pier Antonio Panzeri und Andrea Cozzolino sowie Francesco Giorgi rekrutiert haben. Letzterer ist parlamentarischer Mitarbeiter und Partner der abgesetzten Europaparlamentsvizepräsidentin Eva Kaili. Ziel war es, die sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament zu beeinflussen.

An der Spitze des Trios stand laut “Spiegel” Abderrahim Atmoun, derzeit marokkanischer Botschafter in Polen. Er soll ihnen Umschläge voller Bargeld übergeben haben. Zudem sollen die drei Italiener direkten Kontakt zum Generaldirektor der Geheimdienste, Mohamed Yassine Mansouri, gehabt haben. Das Nachrichtenmagazin zitiert belgische Regierungskreise mit der Aussage, dass sich Marokko in letzter Zeit in Themen wie Fischereirechte und Westsahara einmischt. Das Land hat jahrzehntelang große Teile der Westsahara besetzt und den dort lebenden Sahrauis die Unabhängigkeit verweigert.

Bargeld aus Marokko

Panzeris Haftbefehl enthält laut “Spiegel” auch neue Details zur Rolle Katars, die bislang im Fokus des Skandals stand. Der katarische Arbeitsminister Ali bin Samikh Al Marri soll mit Hilfe eines Adjutanten die Verbindung zu Panzeri, Giorgi und dem Leiter der Nichtregierungsorganisation „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“, Niccolò Figà-Talamanca, hergestellt haben. Die Zahlung soll aber nicht wie im Fall Marokkos in bar, sondern per Banküberweisung oder in Form von wertvollen Geschenken erfolgt sein. Katar bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Panzeri, Kaili und Giorgi befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Ihnen werden “kriminelle Organisation, Korruption und Geldwäsche” vorgeworfen. Nach den Razzien und den ersten Festnahmen in Brüssel war in Pressemitteilungen der belgischen Staatsanwaltschaft zunächst nur von „einem Golfstaat“ die Rede. Auch Marokko stand schon damals im Fokus der Ermittlungen. Spätere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Marokko laut Spiegel “länger und intensiver als Katar” versucht habe, Abgeordnete zu korrumpieren.

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