Große Gehaltslücken: So verdienen Lehrer mit und ohne Diplom

Veröffentlicht am 10. August 2022, 08:10

Große Gehaltslücken: So verdienen Lehrer mit und ohne Diplom

Ausgebildete Lehrkräfte erhalten je nach Kanton unterschiedliche Gehälter. Lehrkräfte ohne Diplom verdienen bis zu 20 Prozent weniger.

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Seline Bietenhard

Monira Djurdjević

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Die Schulleitung ist immer mehr auf Menschen ohne pädagogische Ausbildung angewiesen. (Symbolfoto)

20min/Michael Scherrer

Der Leiter des Lehrerkollegiums schlägt Alarm wegen Lehrern ohne Diplom. (Symbolfoto)

20 Minuten/Simon Glauser

Mittlerweile können wir nicht mehr von „Bildung, sondern nur noch Pflege“ sprechen. (Symbolfoto)

Tamedia/Raisa Durandi

  • In der Schweiz herrscht akuter Lehrermangel.

  • Einige Kantone stellen deshalb Lehrkräfte ohne Abschluss ein. Diese verdienen weniger als ausgebildete Lehrer.

  • Die dadurch eingesparten Beträge sollen für die Weiterbildung von Lehrkräften ohne Diplom verwendet werden, fordern Schule und Elternbeirat.

In der Schweiz herrscht akuter Lehrermangel. Einige Kantone stellen deshalb Lehrkräfte ohne Abschluss ein. Lehrerverbände befürchten Qualitätsverluste und schlagen Alarm. Sie fordern Lösungen, die die Qualität der Schulen langfristig sichern. Dazu gehören höhere Löhne. Doch wie viel verdienen Lehrpersonen mit und ohne Diplom in der Schweiz?

Im Kanton Genf liegt das Einstiegsgehalt für einen ausgebildeten Primarlehrer bei rund CHF 97’010 pro Jahr und ist damit das höchste Einstiegsgehalt auf Primarstufe in der Schweiz. Deutlich weniger verdient ein Primarlehrer im Kanton Tessin, wo der Jahreslohn für Neuankömmlinge bei rund 65’800 Franken liegt. Berufseinsteiger im Kanton Zürich erhalten den höchsten Lohn auf der obersten Ebene: CHF 98’592 pro Jahr. Im Kanton Nidwalden hingegen liegt das Einstiegsgehalt auf der obersten Stufe bei 85’280 Franken.

Grosse Unterschiede gibt es auch bei den Maximallöhnen: Im Kanton Zürich sind es knapp 160’000 Franken auf der höchsten Stufe und fast 150’000 Franken auf der Primarstufe, in St. Gallen sind es 140’000 Franken respektive knapp 120’000 Franken und in Im Kanton Wallis beträgt das höchstmögliche Gehalt für ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer CHF 130’000 bzw. CHF 110’000.

Bis zu 20 Prozent weniger Lohn

In der Schweiz verdienen Personen ohne Lehrdiplom bis zu 20 Prozent weniger als ausgebildete Lehrkräfte. «Die vom betroffenen Kanton eingesparten Lohnkosten müssen verwendet werden, um mehr Menschen ohne Lehrdiplom zu unterstützen und auszubilden», sagt Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Schul- und Heimvereins. Dies ist wichtig, damit diese Personen im Lehrerberuf bleiben und eine pädagogische Ausbildung erhalten. „Sonst haben wir das Problem, dass es durch die befristeten Arbeitsverträge von Lehrkräften ohne Diplom zu einem ständigen Wechsel an den Schulen kommt.“

Gemäss der Zürcher Erziehungsdirektion wurden die Gemeinden über die Unterstützungsangebote des Kantons für Personen ohne Lehramt informiert. Es ist jedoch Sache der Kommunen als Arbeitgeber, ob sie davon Gebrauch machen. Ein Lehrer ohne Diplom im Kanton Zürich erhält beispielsweise rund 80 Prozent des jeweiligen Einstiegsgehalts.

«Im Kanton Thurgau ist jede Aus- oder Weiterbildung individuell mit den Pädagogischen Hochschulen abzustimmen», sagt Peter Töngi, Leiter Finanzen Schulgemeinschaften im Amt Primarschulen Kanton Thurgau. Im Kanton Nidwalden gibt es rund 90 Prozent des üblichen Lohns. Eine Entschädigung für die eingesparten zehn Prozent ist noch nicht geplant, wie auf Anfrage heißt es.

“Eltern befürchten, dass wegen Lehrermangel alle erwischt werden”

„Die Qualität der Bildung ist in Gefahr. Wenn ich als Mutter erfahre, dass meine Tochter zu einer ungelernten Lehrerin geht, könnte ich nicht mehr gut schlafen», sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz (LCH) am Montag. Auch der Verband Schule und Heim ist besorgt: „Das Schlimmste für die Eltern ist die Ungewissheit, wer kommt und was für eine Person die Kinder unterrichtet“, sagt Ko-Präsidentin Gabriela Heimgartner.

Vor allem, weil Eltern befürchten, dass alle genommen werden müssen, da die Auswahl ohnehin nicht ausreicht. „Vor den Sommerferien waren noch viele Stellen offen. Diese mussten teilweise kurzfristig besetzt werden, was die Unsicherheit der Eltern erhöhte.“ Eltern wünschen sich laut Heimgartner immer eine motivierte und kompetente Lehrkraft.

Ob sich die Bildung verschlechtert, lässt sich laut Stefan Wolter, Bildungsökonom und Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, derzeit nicht sagen. “Das hängt vom Fall und der Erfahrung der Person ab, die unterrichtet.” Er sieht aber auch Chancen: „Das könnte frischen Wind in die Schulen bringen. Denn die Menschen steigen freiwillig in den Beruf ein und sind sehr motiviert.“

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