Kommission U: Stimme über Ludwigs Handy ab

Die SPÖ wird den Antrag nicht annehmen. Das machte der Fraktionsvorsitzende der Kommission, Thomas Reindl, am Donnerstag deutlich. „Anfragen zur internen Kommunikation werden wir nicht genehmigen“, kündigte Reindl an. Es wird davon ausgegangen, dass gegen Grundsätze des Datenschutzes verstoßen wird. Dies gilt auch für Persönlichkeitsrechte.

Jedenfalls sei die diesbezügliche Kommunikation in den Akten, sagte Reindl. Er merkte auch an, dass die Umsetzung schwierig sein würde. Anders als bei der Bundesregierung waren diese Daten bei der Kommission U, einem Gremium des Stadtrates, nur schwer zu bekommen. Ludwig selbst hatte kürzlich erklärt, in dem Fall dem Vorschlag der unabhängigen Richter zu folgen; mehr dazu bei Ludwig: Asylsuchende sollen arbeiten können.

Die ÖVP will Chats, Termine und Telefonlisten sehen

Die ÖVP möchte Chats, Kalendereinträge oder Telefonlisten von Ludwig und auch Finanzlandesrat Peter Hanke (SPÖ) sehen. Mehr dazu bei Wien Energie: ÖVP will Ludwigs Handy. Klub- und Fraktionsvorsitzender der ÖVP, Markus Wölbitsch, geht jedenfalls davon aus, dass die Anträge rechtlich eingehalten werden. Es seien ausreichend Erfahrungen gesammelt worden, betonte er gegenüber der APA.

Angesichts des Verhaltens der SPÖ im Parlament sei der Verweis auf Verfahren oder Rechte Dritter eine Farce, fand er. “Die ganze Debatte dreht sich nur oberflächlich um diese Fragen, es geht eigentlich nur darum, die Beweisaufnahme zu verhindern.”

Die Minderheit kann Beweise verlangen

Aufgrund der neuen Regelungen der U-Kommission in Wien kann eine Minderheit Beweise verlangen. Die Mehrheit, nämlich die Regierungsfraktionen SPÖ und NEOS, können Anträge nicht ablehnen. Sie können jedoch die drei Präsidenten um eine Entscheidung bitten. Diese fungieren als Schlichtungsstelle und müssen innerhalb von zwei Wochen mitteilen, ob der jeweilige Antrag zulässig ist oder nicht.

Dass Kommissionsvorsitzender Martin Pühringer kürzlich darum bat, die Anträge nicht sofort zur Abstimmung zu bringen, sondern bis zur zweiten Sitzung zu warten, könnte auch darauf hindeuten, dass die Chat-Anfrage rechtlich schwierig ist.

Die SPÖ will Pühringer, Mahrer und Nepp befragen

Die SPÖ will am Freitag selbst mehrere Zeugen laden. Aus der Opposition will er etwa die nicht geschäftsführenden Stadträte Judith Pühringer (Grüne), Karl Mahrer (ÖVP) oder Dominik Nepp (FPÖ) befragen. Der Grund, genannt werden zu wollen, ist, dass die Betroffenen auch im Finanzausschuss oder im Stadtsenat sitzen.

Mahrer soll auch gefragt werden, ob er vom Finanzministerium Unterlagen mit näheren Informationen erhalten hat. Die SPÖ sagt, sie habe es in den sozialen Medien bekannt gemacht. Auch die ÖVP wiederum wird wieder Anträge stellen, unter anderem für Beratungsverträge und für die Kommunikation zwischen Stadt und Banken.

Am Donnerstag wurde aber auch bekannt, dass die Schlichtungsstelle erste Anträge bereits abgelehnt habe. Die Befragung von Geschäftsführern anderer Stadtwerke-Töchter zum sogenannten Cash-Pooling, also zur gegenseitigen Finanzierung durch Konzerngesellschaften, wurde als nicht sachgerecht erachtet. Die Volkspartei will nun Vorschläge zu diesem Thema in modifizierter Form vorlegen.

Befragung von drei Experten

Drei Experten werden interviewt: Der Ökonom Michael Böheim, der ehemalige Verbundchef Wolfgang Anzengruber und der Analyst Johannes Benigni werden eingeladen, Auskunft zu geben. Die SPÖ will unter anderem darauf hinweisen, dass in anderen Ländern bereits Schutzschirme für Energiekonzerne installiert wurden. Auch hiesige Unternehmen hätten kürzlich ausgerechnet, dass Österreich 20 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden müssten, berichtete Reindl.

Die ÖVP möchte fragen, wie viel Aktienhandel zur Kurssicherung notwendig ist und wie vorzugehen ist, wenn man Gewinne „maximieren“ will. Die FPÖ befürchtet, dass die SPÖ eine „Beschönigung“ der Fachwelt erreichen will, wie der Fraktionsvorsitzende, Klubpräsident Maximilian Krauss, erklärte. „Die FPÖ hätte Experten bevorzugt, die außerhalb dieser Branche arbeiten und ihr Honorar nicht mit solchen Geschäftsmodellen verdienen. Das erweckt automatisch den Anschein von Befangenheit“, sagte er der APA.

Infolge der Preissprünge musste Wien Energie hohe Sicherheitseinlagen für den Strom- und Gashandel an der Börse hinterlegen und konnte diese ab Sommer nicht mehr aus eigenen Mitteln aufbringen. Bürgermeister Ludwig hatte demnach insgesamt 1,4 Milliarden Euro von der Notstandsbehörde bis Juli beigesteuert. Der Liquiditätsengpass und die Notkredite des Bürgermeisters wurden Ende August publik, als auch diese 1,4 Milliarden Euro aufgebraucht waren. Daraufhin gewährte der Bund über die Bundesfinanzagentur (OeBFA) eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von 2 Milliarden Euro.

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