“Kostenexplosion”: Warnung vor dem Tod lokaler Anbieter

Explodierende Energiekosten treffen lokale Versorger massiv. Warum vielen Lebensmittelgeschäften jetzt der wirtschaftliche Kollaps droht.

Sehr hohe Stromkosten, massive Preiserhöhungen der Anbieter, zu wenig Support – dieser Mix drückt aktuell auf die Stimmung vieler Händler. Die Lebensmittelindustrie schlägt nun Alarm und appelliert an die Bundesregierung.

„Die Energiekostenexplosion hat für viele heimische Nahversorger bereits bedrohliche Ausmaße angenommen, immer mehr selbstständige Gewerbetreibende steuern in die Verlustzone“, erklärt WKO OÖ Spartenpräsident Wolfang Benischko: „Ohne schnelle Hilfe wird es einen deutlichen Einschnitt geben der heimischen Nahversorgerlandschaft.”

„Wir wollen, dass Lebensmittel bezahlbar sind“

Der Handelsexperte erklärt, dass seine Sparte vor allem von zwei Entwicklungen hart getroffen wurde: „Zum einen sieht sich unsere Branche seit Ende 2021 massiven Preiserhöhungen über alle Produktgruppen hinweg von Anbietern gegenüber, die wir den Verbrauchern nicht vollständig vermitteln werden.“ sagt Benischko.

Der zweite Grund sind die massiv gestiegenen Strompreise. Ihm zufolge sind Hunderte von Nahversorgern bereits finanziell massiv von den Energiekosten von Kühlanlagen betroffen.

„Wir wollen, dass das Essen bezahlbar bleibt, und versuchen hier vieles abzufedern“, sagt Benischko.

Sehr geringe Verkaufsleistung

Machten die Stromkosten bisher durchschnittlich etwa ein Prozent des Umsatzes der Einzelhändler aus, müssen sie heute drei bis vier Prozent davon aufwenden. Das erscheint dem Experten im Vergleich zur energieintensiven Industrie zwar gering, seine Branche habe aber eine ganz andere Kostenstruktur: „Der Lebensmittelhandel erwirtschaftet traditionell sehr geringe Umsatzrenditen, rund ein Prozent des Nettoumsatzes vor Steuern.“

„Der Lebensmittelhandel erwirtschaftet traditionell sehr geringe Umsatzrenditen, rund ein Prozent des Nettoumsatzes vor Steuern“, sagt WKO-Sektionspräsident Oberösterreich Wolfgang Benischko.

Diese zusätzlichen Kosten konnten jedoch nicht auf die Lebensmittelpreise aufgeschlagen werden. Und das Schlimmste steht laut Benischko noch bevor: „Bei vielen Verträgen wird der Anstieg der Stromkosten erst in den kommenden Wochen und Monaten zu spüren sein, denn ein Ende der Stromkostenspirale ist nicht in Sicht.“ .

„Die Erhöhung der Stromkosten wird sich in vielen Verträgen erst in den nächsten Wochen und Monaten bemerkbar machen“, erklärt Benischko.

“Nicht nur Orte zum Einkaufen”

Benischko sieht nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte der aktuellen Krise. Lebensmittelmärkte „sind nicht nur Orte zum Einkaufen, sondern oft auch soziale Zentren in Gemeinden, insbesondere auf dem Land“.

„Wenn es bald keine wirksamen Unterstützungsmaßnahmen gibt, werden viele selbstständige Einzelhändler für immer schließen“, zeichnet der Experte ein düsteres Bild.

Seine Kritik richtet sich gegen die Bundesregierung, die am 28. September den Energiekostenzuschuss für Unternehmen angekündigt hatte. Dies ist für den Lebensmittelhandel grundsätzlich zu begrüßen. Sie ist jedoch zeitlich nicht genau oder ausreichend, da sie nur für den Zeitraum Februar bis September 2022 gemessen wird.

„Viele Nahversorger erhalten auf dieser Grundlage entweder keine Förderung, weil sie die Kriterien nicht erfüllen, oder sie bleiben trotzdem in den roten Zahlen“, berichtet Benischko: „Denn sie müssen die restlichen 70 Prozent der Energiemehrkosten in den USA tragen ersten Platz und zweitens erhalten sie den Zuschuss nur bis Ende September“.

Aus diesem Grund fordert sie die rasche Umsetzung einer Strom- und Gaspreisbremse für Unternehmen nach deutschem Vorbild. Nur so kann das drohende Sterben lokaler Anbieter vermieden werden.

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Nav-Account JR Zeit24.10.2022, 03:00| Zeit: 24.10.2022, 03:00

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