Lilli Paasikivi leitet ab 2025 die Bregenzer Festspiele

Gleichzeitig engagierte sich Paasikivi schon früh in der Organisation des klassischen Zirkus. Der am 22. Juli 1965 in Imatra, direkt an der russischen Grenze, geborene Künstler gründete 2016 das Festival Sydänkesän säveliä und war von 2010 bis 2015 künstlerischer Leiter der Konzertreihe Pyhäniemen Kartano. Das Engagement von Paasikivi blieb nicht unbeachtet in ihrer Heimat, denn seit 2008 ist die Sängerin Trägerin der Pro Finlandia-Medaille des Ordens des Löwen von Finnland. Seit 2017 darf sie sich dessen Kommandantin nennen.

Erst der fünfte künstlerische Leiter seit 1946

Die Geschichte der Bregenzer Festspiele ist geprägt von großer Kontinuität, eine langjährige Kontinuität an der Spitze war stets die Regel. Seit der Gründung des Festivals im Jahr 1946 haben nur vier Personen die Leitung des Festivals inne. Nach den beiden langjährigen Geschäftsführern Ernst Bär (knapp 30 Jahre) und Alfred Wopmann (ca. 20 Jahre) folgten David Pountney und Elisabeth Sobotka für rund zehn Jahre.

1954 wurde Ernst Bär der erste langjährige Leiter der Festspiele. Zuvor war ein Gremium der „Gemeinschaft der Festspiele“, Vorläufer des heutigen Vereins der Freunde der Bregenzer Festspiele, für das Programm verantwortlich. Dieser genehmigte auch die nach der Ernennung von Baer geplanten Projekte. Bär, Jahrgang 1919, war Journalist bei den „Vorarlberger Nachrichten“ und seit deren Gründung 1946 für die Festspiele tätig. Während seiner bis 1982 andauernden Amtszeit als Intendant wurde das Festspielhaus gebaut, die Besucherzahlen gingen von etwa 10 auf 100 zurück 51.000 bis 96.000. Bärs Vertrag wurde Ende 1982 aufgelöst, nachdem ein kritischer Bericht des Rechnungshofs der Geschäftsführung Misswirtschaft vorgeworfen hatte. Seither wird der künstlerische Leiter von einem gleichberechtigten kaufmännischen Leiter unterstützt. Als erster kaufmännischer Leiter wurde 1982 Franz Salzmann eingesetzt; heute bekleidet Michael Diem (seit 2009) diese Position.

Eröffnung unter Wopmann

Ab 1983 übernahm Alfred Wopmann die künstlerische Leitung. Welser, der zuvor als Dirigent an der Wiener Staatsoper tätig war, das Programm eröffnete, wollte er vor allem die als elitär geltende Bregenzer Bevölkerung für die Festspiele begeistern. Er prägte die „Bregenzer Dramaturgie“, die bekannte Mischung aus populären Opern auf der Seebühne und Hausraritäten, und präsentierte die Reihe „Kunst aus der Zeit“ (KAZ) und einen Jugendtag. In seiner Zeit als Regisseur gab es große Erfolge auf der Seebühne wie „Die Zauberflöte“ (1985/86), „Der fliegende Holländer“ (1989/90), „Nabucco“ (1993/94) und „Fidelio“ ( 1995/96).- die letzten drei übrigens unter der Regie von David Pountney. 1989 wurde der mit der Umwandlung der Festspiele in eine GmbH begonnene Reformprozess abgeschlossen, seither sind Wopmann und Salzmann auch Geschäftsführer.

Die begonnene Demokratisierung der Bregenzer Festspiele wurde ab 2004 von dem britischen Künstler David Pountney vorangetrieben. Von Präsident Rhomberg bei seinem Amtsantritt als „Wunschkandidat“ präsentiert, betonte Pountney stets seinen Wunsch, Feste für alle zu machen Er setzte auf Inszenierungen, die unterhaltsam und künstlerisch hochwertig, aber dennoch verständlich sein sollten. Schwerpunkte von Ernst Krenek (2008) und Mieczyslaw Weinberg (2010) fanden viel Beachtung. 2010 kündigte Pountney an, künftig noch einen Schritt weiter gehen zu wollen: Standen zuvor Raritäten als Hausopern auf dem Programm, wurden ab 2011 neue Opern gezeigt. Pountneys Vertrag als Regisseur war zunächst bis 2013 befristet, bis 2014 gab es nur noch einen Regievertrag für die Bühnenproduktion von The Lake. Nach einigen Wirren um seine erneute Kandidatur als Festspielleiter verlängerte sich der Vertrag des Briten im Januar 2011 für die Spielzeit 2014. Im April 2011 kündigte Pountney jedoch an, Bregenz 2013 zu verlassen, um ein Angebot der Welsh National Opera anzunehmen.

Aber nicht Roland Geyer

Ende Mai 2011 wurde Roland Geyer, damals (und bis Sommer 2022) Intendant des Theater an der Wien, als Pountneys Nachfolger von 2015 vorgestellt. Der damalige Festspielpräsident Günter Rhomberg nannte Geyer seinen Wunschkandidaten. versprach nach den 1950er und 1980er Jahren „eine wegweisende dritte Phase der Festspiele”. Im Januar 2012 gab die Bregenzer Festspiele Privatstiftung überraschend bekannt, dass die Zusammenarbeit wegen „unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten” einvernehmlich beendet werde. Gleichzeitig mit der Trennung wurde bekannt gegeben, dass Pountney die Saison 2014 künstlerisch verantworten wird.

Nach erneuter Ankündigung der Veröffentlichung wurde am 17. Juli 2012 Elisabeth Sobotka als neue künstlerische Leiterin (ab 2015) vorgestellt. Zuvor hatte im Frühjahr 2012 Hans-Peter Metzler die Festspielpräsidentschaft in Günter Rhomberg (seit 1981) übernommen. Mit Sobotka, die von der Grazer Oper an den Bodensee wechselte, übernahm erstmals eine Frau die Leitung der Festspiele.

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