Stand: 01.09.2022 11:22 Uhr
Das Ende des Tankrabatts ist an deutschen Tankstellen sehr gut sichtbar. Die Treibstoffpreise sind über Nacht stark gestiegen. Ein Liter Diesel kostet teilweise mehr als 2,30 Euro. Ist dieser Preissprung gerechtfertigt?
Nach dem Ende der vorübergehenden Mineralölsteuersenkung sind die Preise für Superbenzin E10 laut ADAC um rund 25 Cent pro Liter gestiegen. Das geht aus einer ersten Einschätzung des Autoclubs hervor. Der Preis für einen Liter Diesel stieg um etwa 10 Cent.
„Angesichts der vollen Tanks an Tankstellen, die bis gestern mit niedrigen Steuersätzen gefüllt wurden, ist dies für Verbraucher in keiner Weise zu rechtfertigen“, kritisierte ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh.
Auch die Preise sind in den letzten zwei Wochen bereits deutlich gestiegen: etwa 10 Cent für E10 und etwa 20 Cent für Diesel. Alles in allem hat die jüngste Erhöhung des Dieselpreises die ausgelaufene Steuervergünstigung fast verdoppelt, sagte van Randenborgh. Dafür gibt es aus Sicht des ADAC keine Grundlage.
Preise jenseits von zwei Euro
Superbenzin der Klasse E10 kostete am Donnerstagmorgen an den meisten befragten Tankstellen mehr als 2,00 Euro. 24 Stunden zuvor hatte der Preis an keiner der untersuchten Tankstellen diese Schwelle überschritten. Diesel hingegen kostete an den meisten untersuchten Tankstellen am Mittwoch bereits mehr als 2,00 Euro. Am Donnerstag lag der Dieselpreis an den meisten Tankstellen deutlich über 2,10 Euro, teilweise sogar über 2,30 Euro.
Rechnerisch könnte der Preis von E10 durch die Aufhebung der 35-Cent-Steuervergütung für Diesel um 17 Cent steigen. Allerdings waren die Preise bereits in den vergangenen zwei Wochen deutlich gestiegen.
Möglicher Tankstellen-Preiskampf
Noch bis Mittwoch konnten Tankstellenbetreiber zum ermäßigten Steuersatz einkaufen. Daher hätten sie die Möglichkeit, Benzin und Diesel zunächst günstiger zu verkaufen. Es könnte also noch einige Zeit dauern, bis die Abschaffung der Steuervergütung, auch Pfandvergütung genannt, die Kunden vollständig betrifft.
Auch der Sprecher der Interessengemeinschaft Tankstellen, Herbert Rabl, warf den Großkonzernen vor, bereits eingekauften und damit an der Tankstelle billigeren Sprit zu überhöhten Preisen zu verkaufen. An den Zapfsäulen werde es in den kommenden Wochen einen großen Preiskampf geben, sagte Rabl dem SWR. „Die großen Marken haben den Tankrabatt fast oder ganz aufgegeben, die kleineren Marken ziehen jetzt nach. Wir leben in einem Tauziehen, wer sich durchsetzen wird.“ Der Interessenverband vertritt die Anliegen von Tankstellenmietern und Tankstellenbesitzern in Deutschland.
Größter Rabatt an Tankstellen in Frankreich
Frankreich geht derweil einen anderen Weg: Während dort der Pfandrabatt ausgelaufen ist, hat das Nachbarland in der Nacht zum Donnerstag den Rabatt an der Zapfsäule erhöht. Statt bisher 18 Cent wird im September und Oktober auf der Halbinsel ein Rabatt von 30 Cent pro Liter Benzin oder Diesel gewährt. Auf Korsika und einigen Überseegebieten gibt es laut Wirtschaftsministerium nur einen geringen Rabatt.
In den Folgemonaten soll der Tankrabatt auch in Frankreich rückgängig gemacht werden. Im November und Dezember wird es auf der Halbinsel auf 10 Cent reduziert und Ende des Jahres vollständig abgeschafft.