Ölpipelines und Tanks folgen Scholz nach Spanien

Deutschland A Coruña

Ölpipelines und Tanks folgen Scholz nach Spanien

Stand: 10:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Deutschland und Spanien wollen die Pyrenäen-Gaspipeline

Deutschland und Spanien wollen bei der Energieversorgung enger zusammenarbeiten. Bundeskanzler Scholz und der spanische Ministerpräsident Sánchez haben beschlossen, den Bau einer Gaspipeline fortzusetzen, die Spanien an das französische Netz und damit auch an Deutschland anbinden soll.

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Der Kanzler und seine wichtigsten Minister machen eine Schulreise nach Spanien. Regiert wird sie von einem Linksbündnis, in dem Scholz seine Ampel wiedererkennt. Aber die Fragen, die ihn in Deutschland plagen, holen ihn auch jenseits des Atlantiks ein.

Trainer empfehlen Teambuilding, wenn es kürzlich Konflikte bei der Arbeit gegeben hat. Warum nicht Manager zum Bouldern oder Wandern schicken? Ähnlich wirkt die Exkursion, die der Bundeskanzler am Mittwoch mit seinen wichtigsten Ministern unternimmt: Sie fliegen an die spanische Atlantikküste, nach A Coruña, und da fallen die Flugzeuge des Flugvorbereitungsdienstes wieder aus oder werden vom Bundespräsidenten eingesetzt Der protokollarisch höhergestellte Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Grüne), Christian Lindner (FDP) und sechs weitere Ressortleiter von Ampeln in einem profanen Truppentransporter der Bundeswehr.

Finanzminister Lindner hat gerade den Beschluss des Kabinetts blockiert, die Atomkraftwerke am Laufen zu halten. Sie laufen nicht nur bis April, sondern ein ganzes Jahr lang. Damit macht sie es Wirtschaftsminister Habeck, dem seine Grünen in der Atomfrage ohnehin nur ungern folgen, etwas schwerer.

Es gibt also viel zu besprechen. Aber gibt es eine Chance? Offiziell handelt es sich bei dem Treffen um eine Konsultation der deutsch-spanischen Regierung. Das Format war ein Stilmittel der Ära Merkel. Die Idee: Nicht nur die Regierungschefs der befreundeten Länder, sondern auch die Minister suchen gemeinsame Projekte und treffen sich einmal im Jahr. Zuletzt ist jedoch alles eingeschlafen: 2013 fanden die letzten deutsch-spanischen Regierungskonsultationen statt.

Sanchez wird voraussichtlich im Oktober nach Berlin zurückkehren

Scholz hat ihn nun wiederbelebt. Er mag Spanien. Vor allem seine Regierung und sein Regierungschef: Pedro Sánchez hat seine Sozialdemokraten von einer großen Koalition zu einem Linksbündnis geführt. Die Kulturkämpfe, die auch in Spanien geführt werden, überlässt er seinen kleineren Partnern und konzentriert sich auf wirtschaftliche Fragen: Regieren für die Arbeitenden nennt er das, erkennt Scholz an.

Es ist das dritte Treffen der beiden in diesem Jahr. Sanchez wird voraussichtlich im Oktober nach Berlin zurückkehren. Dazwischen besucht das spanische Königspaar Deutschland, und dann ist Spanien auch Gastland der Frankfurter Buchmesse. „Es ist sozusagen ein deutsch-spanisches Jahr“, sagt Scholz fröhlich: „Ich finde das nicht übertrieben.“

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Scholz und die Energiekrise

Ist wirklich was los? Schwer zu sagen. Zwei Vereinbarungen, die Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) mit ihren Amtskollegen unterzeichnet haben, sind sicherlich im weiteren Sinne sinnvoll, hätten aber per E-Mail verschickt werden können. Der von beiden Regierungen vereinbarte “Aktionsplan” ist noch nicht einmal von allen beteiligten Machthabern gelesen worden.

Die wirklich wichtigen Themen: Energie und Waffen

Die wirklich wichtigen Themen sind die gleichen wie hier im äußersten Westen Europas wie zu Hause: Energie und Waffen. Hinter den Kulissen wird um Energie gekämpft: „Leider verhindern die fehlenden Infrastrukturanbindungen in Europa, dass das Potenzial, das wir auf der Iberischen Halbinsel in Sachen Strom und Gas haben, voll ausgeschöpft wird“, sagt Sanchez

Er sagt: Ihr Land hat Häfen für Flüssiggas und möchte dieses und später auch Wasserstoff nach Deutschland liefern. Aber das ist technisch nicht möglich. Denn auch Frankreich will Geschäfte machen und erschwert den Aufbau einer Transitinfrastruktur.

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Kampf gegen “Mondpreise”

Erst Anfang der Woche sprach Scholz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Offiziell haben sie immer noch ihr Plazet, aber sie arbeiten auch als Plan B an der Verlegung einer Gaspipeline durch das Mittelmeer. Das ist freilich noch nicht entscheidungsreif, an Macron wird noch gearbeitet. „Bei der Betonleitung ist es unsere gemeinsame Sichtweise, dass wir das immer gerne in Freundschaft und Kooperation machen“, sagt Scholz: „Wir haben nicht den Eindruck, dass das unmöglich ist.“

In einigen europäischen Hauptstädten herrscht Unmut über die 200.000 Millionen Euro, die die Ampeln nach langem Hin und Her für die Subventionierung der deutschen Energiepreise vergeben wollen. Ist das nicht eine Wettbewerbsverzerrung? Auf Nachfrage reagierte Sanchez ambivalent. Einerseits verweist er auf den Binnenmarkt als wichtigste Errungenschaft der gesamten EU, der als “level playing field” gestaltet werden solle. Kritik an der hohen deutschen Staatshilfe wird laut. Andererseits weist Sánchez darauf hin, dass Deutschland die größte Volkswirtschaft in diesem Binnenmarkt sei und auch in besonderen Schwierigkeiten stecke.

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Krieg, Energiekrise, Corona

Auch beim Thema Waffenlieferungen ist Sánchez Scholz freundlich. Laut spanischen Medien wollte die spanische Regierung in Deutschland hergestellte Leopard-Panzer in die Ukraine liefern, aber die Bundesregierung verbot es. Ein wichtiger Politiker an der Ampel will das miterleben: der grüne Anton Hofreiter, immerhin der Präsident der Europaausschuss des Bundestages. Hofreiter sagt, er habe “zuverlässige Informationen der spanischen Regierung”, die ihm “persönlich mitgeteilt” wurden.

Angesichts dessen weicht Sánchez aus. Alle Anfragen der Ukraine würden von ihrer Regierung genau geprüft. Sie würden es vermeiden, alleine dorthin zu gehen. Scholz sieht das genauso.

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