Den Österreichern hätte ein Unentschieden gegen die Skandinavier gereicht, doch eine nahezu perfekte erste Halbzeit brachte das ÖFB-Team auf die Siegesstraße. Defensiv ließ Österreichs Routine nichts zu und kam offensiv an die Führung heran: Laura Feiersinger hatte mit einem Lattenschuss Pech (12.), nach einer Flanke von Verena Hanshaw köpfte Nicole Billa zum verdienten Vorsprung ein (37.) – sein erster EM-Tor hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können.
Der erste Sieg gegen Norwegen im sechsten Spiel geriet nach der Pause lange kaum in Gefahr. Fast hätte ihn „Joker“ Lisa Makas retten müssen (72.), richtig gefährlich wurde Norwegen am Ende aber erst. Und hier kam Österreichs Nummer eins Manuela Zinsberger, die zweimal glänzend verteidigte. Als Belohnung gibt es nicht nur 205.000 Euro für den Verein, sondern auch das Duell mit Deutschland in Brentford. „Wir bleiben hier“, sang er zu Recht.
Highlights aus Österreich – Norwegen
Österreich hat am Ende der Gruppenphase der EM in England Norwegen mit 1:0 besiegt und steht als Gruppenzweiter wie 2017 im Viertelfinale.
In Brighton musste man schwimmen gehen
Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Eine Mannschaft würde im beliebten englischen Ferienort Brighton schwimmen gehen. Nach der 0:8-Niederlage von Norwegen gegen England zog Österreich den Aufstieg unentschieden aus. Brighton & Hove, wie der Küstenbezirk mit Großbritanniens größtem Spa genannt wird, ist auch eine Universitätsstadt.
Absolventen hat man in diesen Tagen viele gesehen, aber das ÖFB-Team hatte gehofft, eine Art Reifeprüfung zu bestehen. Denn Sie sind mit der besten Startposition ins „Aufstiegsfinale“ eingezogen. Zudem sei auch betont, dass das Halbfinale 2017 kein Zufall war.
ORF.at/Bernhard Kastler Österreichische Fans genossen auch tagsüber Sonne und Meer im Seebad Brighton
Die Situation vor dem Spiel wurde noch spezieller durch Norwegens historische 0:8-Niederlage gegen England vier Tage zuvor. “Natürlich kann so eine Niederlage Spuren hinterlassen. Ich hoffe, Sie leiden noch”, sagte Fuhrmann, warnte aber vor einem “verletzten Tier, das gefährlich ist”. Zunächst rechnete die ÖFB-Teamchefin mit einem „Sturmlauf“ von der gereizt, weil stolzen Frauenfußballnation Norwegen, die 1987 und 1993 den Titel holte und aktuell um Ada Hegerberg eine der torgefährlichsten Offensiven Europas in Serie hat.
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Feiersinger und Wienroither kehren zurück
Im Community Stadium, das nördlich von Brighton und auch Hove im beschaulichen Falmer vor der Universität liegt, kehrten Laura Feiersinger und Laura Wienroither in die Startelf zurück. Ersterer pausierte beim 2:0-Sieg gegen Nordirland zur Halbzeit, Wienroither verpasste die Corona-positive Katharina Naschenweng. Marie-Therese Höbinger und Katharina Schiechtl kehrten auf die Bank zurück, Norwegen veränderte seine Startelf auf insgesamt drei Positionen.
Die Seagulls, die als Spitzname für den örtlichen Premier-League-Klub („Seagulls“) dienen, sahen viel auf dem Platz, aber keinen Angriff der Skandinavier. Vielmehr drückte Österreich dem Spiel bald seinen Stempel auf. Vielleicht lag es daran, dass Österreichs Gegner noch mit dem Debakel zu kämpfen hatten, auf jeden Fall aber daran, dass Fuhrmanns Frauen es nicht zuließen. Defensiv standen sie erwartungsgemäß solide, aber die ganze Mannschaft arbeitete am Pressing zusammen und ließ einfach nichts zu.
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Das ÖFB-Team kehrt mit Pech zurück
Die Österreicher hingegen leisteten bereits nach vier Minuten die erste Offensivaktion, als Billa rechts im Strafraum abschloss und im Zweikampf mit zwei Norwegern fiel. Nicht genug mit Schiedsrichterin Kateryna Monzul aus der Ukraine, die im März 2021 als erste Frau ein Länderspiel der ÖFB-Männer pfiff, und dem Video-Schiedsrichterassistenten (VAR).
Die erste Hälfte war fast ein Beispiel für ein Lehrbuch. Austria war immer nah am Gegner, gewann den zweiten Ball und hatte alles im Griff. Nur Fortune hat noch nicht geholfen. Nach einer feinen Aktion in der Mitte hätte Feiersinger nach 16 Minuten beinahe den Anschlusstreffer für die Hausherren erzielt, der Schlussschuss ging jedoch knapp am Tor vorbei. Auch Barbara Dunst hatte gegen Nordirland Aluminium geschlagen. Billas Maren Mjelde erspielte sich von links eine gute Chance, doch die Abwehr der Gäste konnte den Ball klären.
Feiersinger ist mit Milch (12. Minute)
Österreich mit Pech, ein Schuss geht ans Aluminium.
Und Norwegen? Ab und zu wurde der Ball vom Zentrum erobert, aber Österreichs verbliebene Abwehr wies Hegerberg in seine Schranken. Caroline Hansen kam auf der linken Seite in den Strafraum und zielte fast verzweifelt auf das Außennetz (16.). Vier Minuten später gab es die Eröffnung der EM: Österreich erhielt seine erste Gelbe Karte in diesem Turnier, Julia Hickelsberger-Füller nahm den Ball.
Billa köpft sein erstes EM-Tor
Aber es gab keinen Grund zur Wut, auch die zahlenmäßig unterlegenen ÖFB-Fans waren den ruhigen Norwegern in der Überzahl. „Immer wieder Österreich“ schallte es durch das Stadion. Mitreisende Fans konnten stolz auf ihre Mannschaft sein, die den Gegner vom Tor fernhielt und ihn in der eigenen Hälfte beschäftigte. Dort tat sich das ÖFB-Team aber weiterhin schwer, klare Torchancen herauszuspielen. Linksverteidiger Hanshaw versuchte es aus der Distanz, doch zwei Versuche blieben harmlos (25./28.).
Debatte
Wie weit kommt Österreich bei der EM?
Im Laufe des Spiels verbesserte sich aber auch die Offensivarbeit. So wurde Billa auf der rechten Seite freigegeben, dem Ärger über seine bisherige Torzahl in der EM (Null) folgte eine starke Mischung aus Zentrierung und Schuss, die Torhüter Pettersen klärte (34.). Drei Minuten später war es dann aber soweit: Nach einem langen Pass gewann Austria wieder den zweiten Ball, Billa passte auf Feiersinger, der Hanshaw sah. Sein linker Fuß traf eine Flanke aus der Kategorie „weiche Butter“ auf Billa, der von rechts frei köpfte (37.).
GEPA / ZUMA Press / Sport Press Photo / Pedro Soares Viertelfinale im Visier: Nicole Billa erzielte zu einem guten Zeitpunkt ihr erstes EM-Tor
Im nunmehr achten Spiel erzielte der deutsche Top-Torschütze der Vorsaison ein Tor in einem EM-Finale. Es gab Ermutigung auf dem Feld, auf der Bank und auf der Tribüne. “Oh, wie schön”, skandierten die Fans. Und es war wirklich schön, wie der Plan an diesem Abend aus österreichischer Sicht aufgegangen ist. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck und Carina Wenniger ließen nichts hinter sich, einen Torschuss von ÖFB-Torhüterin Manuela Zinsberger gab es nicht. Die erste Halbzeit hielt, die Einwechselspieler platzierten alle Spieler der Startelf: ein echter Teamgeist.
Österreich lässt nichts anderes anbrennen
Auch nach der Pause änderte sich am Bild vorerst wenig. Österreich behielt die Kontrolle über das Spiel, aber wissend, dass Norwegen jetzt zwei Tore braucht, liefen sie nicht ins offene Messer. Die Fuhrmann-Elf machte es gut, ließ den Gegner kommen, doch 20 Meter vor dem Tor war Schluss. Die erwähnten Reifenschäden wurden von der gleichen Mannschaft gemacht, Hickelsberger-Füller versuchte es nach der Pause (50.).
In der zweiten Halbzeit durchlief Norwegen Phasen, in denen Österreich zumindest etwas Druck machen konnte. Doch das 0:8 gegen England dürfte einen Riss hinterlassen haben, Hegerberg und Co. fehlte einfach die Überzeugung. Der Champions-League-Star von Olympique Lyon schoss mit Raum und Zeit weit über das Tor von Zinsberger hinaus.
Makas gibt einen Startpunkt vor, Zinsberger behält die Null
Österreich kam nach einer Stunde zurück, zwang auch die Abwehr zu Fehlern, aber Dunst und Billa konnten nicht genug Kapital schlagen, ihre Schüsse kamen zu zentral ins Tor (62./63.). Hickelsberger-Füller versuchte es ähnlich (69.). Letzteres führte zwei Minuten später zu Lisa Makas, die knapp eine Minute später die Möglichkeit hatte, für die Entscheidung zu sorgen, doch Pettersen lenkte seinen abgefälschten Schuss irgendwie ab (72.).
Makas vergibt die große Chance (72. Minute)
Der Ball ist noch draußen.
Wieder standen die Norweger halb unter Druck, aber vorerst war keine Chance. Am Ende nahm Fuhrmann auch Marina Georgieva mit und wechselte zu einer Kette von fünf Männern. Norwegen war in den Schlussminuten gefährdet, aber auch das österreichische Team hat eine stabile Nummer eins. Zinsberger parierte einen Schuss von Celin Ildhusoy an der Latte (89.) und hielt auch gegen Hegerberg. Österreich steht verdient im Viertelfinale der EM und ist zum zweiten Mal unter den besten acht in Europa. Dieses Team ist kein einzigartiges Wunder.
Kommentare zum Spiel:
Irene Fuhrmann (Geschäftsführerin ÖFB-Team): „Wir sind sehr froh, dass wir hochgekommen sind, es war eine fantastische Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas an Energie verloren und Norwegen hat auch Chancen gehabt. aber wir haben unser Bild sauber gehalten. Dafür haben wir hart gearbeitet und freuen uns auf das Duell mit …