Credit Suisse warnt Grübel
„Händler setzen auf fallende Preise“
Oswald Grübel kennt die Credit Suisse wie kein anderer. Der Ex-Chef macht sich Sorgen um die Zukunft der Grossbank. Und kritisieren ihre Kommunikation.
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Oswald Grübel zu CS: «Bei diesem Aktienkurs sollte man keine Kapitalerhöhung machen.»
Die Credit Suisse steht nicht still, obwohl die Führung um Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann (63) und CEO Ulrich Körner (59) alles versucht, um Anleger, Mitarbeiter und Kunden zu beruhigen. Der CS-Aktienkurs ist seit Tagen immer wieder unter die 4-Franken-Marke gefallen. Die Bank ist immer noch 10 Milliarden Franken wert.
Ex-Chef Oswald Grübel (78) sieht Spekulanten angesichts der Kursturbulenzen arbeiten, wie er der „Handelzeitung“ sagt: „Ich habe gehört, dass die Leerverkäufer die Kurse drücken.“ Oder anders ausgedrückt: Händler setzen auf fallende Aktienkurse. Das ist riskant, aber wenn die Strategie aufgeht, wird eine hohe Rendite erzielt.
So funktionieren Verteiler
Vereinfacht ausgedrückt leiht sich ein Investor in diesem Fall eine CS-Aktie von einem anderen Marktteilnehmer und zahlt dafür eine Provision. Der Anleger geht davon aus, dass die CS-Aktie an Wert verlieren wird und verkauft deshalb die geliehene Aktie zu beispielsweise 4 Franken.
Bevor er die Anteile an den Eigentümer zurückgeben muss, kauft er sie zu einem niedrigeren Preis zurück, weil der Kurs der Anteile zwischenzeitlich gefallen ist. So zahlt sie zum Beispiel neu CHF 3.80 pro Aktie. Er erzielte einen Gewinn von 20 Cent, von dem die Mietkosten abgezogen werden.
Grübel war von 2003 bis 2007 CEO der Credit Suisse. Von 2009 bis 2011 leitete er die UBS und war damit die einzige Person, die beide Grossbanken geleitet hat. “Es wird viel Unsinn verbreitet”, sagte er der “Handelszeitung” zu den aktuellen Schlagzeilen über die Credit Suisse. Und er ist überzeugt: „Die Credit Suisse sollte besser kommunizieren. Es kann nur besser werden!”
Die Kapitalerhöhung macht keinen Sinn
Die Nervosität bleibt hoch. Reuters berichtete kürzlich, dass sich die Bank mit Großinvestoren in Gesprächen über eine Kapitalerhöhung befinde. Das hatte Folgen: Der Kurs sank um 12 Prozent. Oswald Grübel rät von diesem Schritt ab: „Bei diesem Aktienkurs sollte man keine Kapitalerhöhung machen.“ Sie sorgen nur bei bestehenden Aktionären für Verunsicherung und Unmut.
Die Überholung der Bank wird wahrscheinlich nicht ohne einen erheblichen Stellenabbau einhergehen. Die Rede ist von 3.000 bis 5.000 Arbeitsplätzen, also rund einem Zehntel der Belegschaft. Nur die Kunden der Schweizer Bank können relativ gelassen in die Zukunft blicken, denn das Geschäft läuft solide. (pb)