Stand: 24.06.2022 05:23 Uhr
Nach RKI-Angaben lassen sich mittlerweile die meisten Kronenneuinfektionen in Deutschland auf die Variante BA.5 zurückführen. Virologe Drosten erwartet, dass die Fallzahlen nach Ende der Sommerferien wieder deutlich steigen werden.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die BA.5-Variante des Kronenvirus inzwischen in Deutschland vorherrschend. Das geht aus dem aktuellen RKI-Wochenbericht hervor.
Demnach gehen mittlerweile bundesweit etwa 50 Prozent der Neuinfektionen auf eine Infektion mit der Sublinie der omicron-Variante zurück. Allerdings basiert dieser Wert auf Daten, die vor etwa zwei Wochen erhoben wurden. Daher dürfte der aktuelle Wert laut RKI bereits höher liegen. Die BA.5-Variante des Kronenerregers gilt als leichter übertragbar als die oben gefundenen Virustypen.
Zudem verzeichnete das RKI erneut einen leichten Anstieg bei der Inanspruchnahme von Intensivstationen. Das DIVI-Intensivregister, das die Verfügbarkeit von Intensivbetten in deutschen Kliniken erfasst, zeigt, dass derzeit 810 Patienten wegen Kronenerkrankungen auf den Intensivstationen von 1.250 Krankenhäusern behandelt werden, die ihre Daten an das Register übermitteln. Anfang des Monats waren es noch etwa 600 Patienten mit Kronen. Etwa 260 der Patienten, die sich derzeit auf der Intensivstation befinden, benötigen eine invasive Beatmung.
Die Sieben-Tage-Inzidenz übersteigt 600
Nach RKI-Zahlen nimmt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit weiter zu. Aktuell liegt er bei 618,2, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vortag, als der Wert mit 532,9 angegeben wurde. Vor einer Woche lag die Zahl der Infektionen pro Woche und 100.000 Einwohner bei 427,8, vor einem Monat bei 307,2.
Die bundesweit niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz wird derzeit in Thüringen mit einem Wert von 214,4 verzeichnet. Schleswig-Holstein meldet mit einer Inzidenz von 882,9 die höchste Zahl an Neuinfektionen. Es folgen Niedersachsen (861,4) und das Saarland (836,0).
Die Inzidenz liefert jedoch kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit langem davon aus, dass es eine Vielzahl von Fällen geben wird, die vom RKI nicht registriert werden, vor allem weil nicht alle Infizierten einen PCR-Test haben. In der Statistik zählen nur positive PCR-Tests. Zudem können verspätete Aufzeichnungen oder Übertragungsprobleme zu einer Verfälschung einzelner Tageswerte führen.
In den letzten 24 Stunden haben die deutschen Gesundheitsämter 108.190 Corona-Virus-Neuinfektionen an das RKI übermittelt. Vor einer Woche wurden von Donnerstag bis Freitag rund 28.100 Neuinfektionen verzeichnet. Bundesweit starben laut RKI an einem Tag 90 Menschen im Zusammenhang mit einer Kroneninfektion.
Drosten rechnet ab September mit einem Anstieg der Infektionen
Der Leiter der Virologie der Berliner Charité, Christian Drosten, erwartet, dass die Zahl der Neuinfektionen nach den Sommerferien wieder deutlich steigen wird. In einem Interview mit dem „Spiegel“ äußerte er seine Befürchtung, dass die Fallzahlen ab September wieder steigen werden.
„Wir sehen tatsächlich wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen“, warnte Drosten, „Die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar, und gleichzeitig verlieren die Menschen den Schutz vor einer Übertragung der neuesten Impfung.“ Er rechnet aber auch damit, dass weit weniger Menschen schwer erkranken oder gar sterben als im vergangenen Jahr.
Wahrscheinlich noch mehr Weg zum endemischen Zustand
Auch die Gefahr einer Überbelegung auf Intensivstationen sieht Drosten derzeit nicht. Allerdings kann die Subvariante BA.5 wiederum stärker die unteren Atemwege betreffen. „Das Rad dreht sich mehr in Richtung Krankheit“, sagt der Virologe. Es stimmt nicht, dass ein Virus im Laufe der Evolution automatisch immer harmloser wird. “Das macht mir wegen des Sturzes noch mehr Sorgen.”
Drosten gab die Hoffnung auf, dass die Pandemie noch in diesem Jahr endemisch wird. Eine Krankheit gilt als endemisch, wenn sie in einer Region mit relativ konstanten Fallzahlen auftritt. „Ich denke, irgendwann wird ein neues Gleichgewicht gefunden: Die Immunität der Bevölkerung gegen Impfstoffe und Infektionen wird so stark sein, dass das Virus an Bedeutung verliert“, sagte Drosten. Im schlimmsten Fall könnte es “noch ein paar Winter frei nehmen”.
Die meisten kehren zur Maskenpflicht im Inneren zurück
Angesichts eines drohenden Anstiegs der Fallzahlen im Herbst sprach sich die Mehrheit der Deutschen im ARD-Deutschlandtrend auch in diesem Fall für eine Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen aus. 63 Prozent der Bürger würden diese Maßnahme unterstützen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach betonte zuletzt, er halte die Maskenpflicht im Innenbereich ab Herbst wieder für ausreichend.
Insbesondere in der Altersgruppe der über 65-Jährigen spricht sich ein großer Anteil (77 Prozent) für eine Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen aus. Bei den 18- bis 34-Jährigen findet dieser Schritt 48 Prozent Zustimmung.