Raiffeisen warnt vor Wohnungsnot in der Schweiz

Aktualisiert am 10. November 2022, 08:13 Uhr

Raiffeisen warnt: «Die Schweiz steuert unaufhaltsam auf eine Wohnungsnot zu»

Gemäss Raiffeisen soll die Leerstandsquote schweizweit bis 2024 unter ein Prozent sinken. Schweizweit drohen deutlich höhere Mieten.

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Raiffeisen warnt vor Wohnungsnot in der Schweiz.

20min/Gemeinschaft

Die bundesweite Leerstandsquote ist seit Jahresbeginn von 1,54 auf 1,31 Prozent gesunken.

20min/Ella Celik

«Wir steuern auf eine Wohnungsnot zu», sagt Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.

RCH

Das ist es, worum es geht

  • Laut Raiffeisen steuert die Schweiz auf eine Wohnungsnot zu.

  • Bis 2024 soll die Leerstandsquote schweizweit unter die Ein-Prozent-Marke sinken.

  • Die Mieten sollen deutlich steigen.

Wohnraum wird in der Schweiz immer knapper. Die Leerstände gehen rapide zurück und in der Folge steigen neben den Hauspreisen nun auch die Mieten, wie Raiffeisen am Donnerstag mitteilte. In einem Umfeld von extrem hohen Baulandpreisen, starren Bau- und Bebauungsvorschriften und „einer gesprächsbereiten Bevölkerung“ ist die Wohnungsbautätigkeit laut Raiffeisen seit langem rückläufig.

Die dynamisch wachsende und in immer grösseren Gebieten lebende Schweizer Bevölkerung benötigt weit mehr Wohnungen, als derzeit auf dem Markt sind. „Höhere Zinsen und Baupreise verringern die Anreize zum Wohnungsbau weiter. Gleichzeitig treiben akuter Fachkräftemangel und der Krieg in der Ukraine die ohnehin schon hohe Zuwanderung voran Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Schweiz.

„Mieter stehen vor schwierigen Zeiten“

Die Verknappung außerhalb der Top-Lagen ist ein noch jüngeres Phänomen auf dem Mietwohnungsmarkt. Durch den Mietwohnungsbauboom des vergangenen Jahrzehnts stiegen die Leerstände bis vor zwei Jahren kontinuierlich an. Die Ende der 2010er Jahre einsetzende starke Verlangsamung der Wohnungsproduktion würde sich nun verspätet, aber deutlicher in einem knappen Angebot an leerstehenden Mietwohnungen niederschlagen. Die bundesweite Leerstandsquote ist seit Jahresbeginn von 1,54 auf 1,31 Prozent gesunken.

Von diesem Rekordrückgang sind vor allem Mietwohnungen betroffen, da der Leerstand auf dem Eigentumswohnungsmarkt bereits sehr gering ist. „In vielen regionalen Mietwohnungsmärkten herrscht bereits Wohnungsnot, in manchen sogar Wohnungsnot. Die Kantone Genf, Zürich und Zug haben zum Beispiel Mietleerstände von deutlich unter einem Prozent», sagt Neff.

Die Mieten sollen deutlich steigen

«Bis 2024 soll die Leerstandsquote schweizweit unter ein Prozent sinken», prognostiziert Neff. Wer bald einzieht, muss mit deutlich höheren Anfangsmieten rechnen. Aber auch bei Bestandsmieten würden die Mieten auf absehbare Zeit deutlich steigen.

Im ersten Quartal 2023 ist aufgrund des deutlichen Anstiegs der durchschnittlichen Hypothekarzinsen erstmals mit einem Anstieg des Hypotheken-Referenzzinssatzes auf 1,5 Prozent zu rechnen. Mieten, die sich am aktuellen Leitzinsniveau orientieren, können mietrechtlich um rund drei Prozent erhöht werden. Hinzu kommt der gesetzlich zulässige Ausgleich bei Inflation und allgemeinen Kostensteigerungen. Einigen Bestandsmietern drohen laut Raiffeisen 2024 Mieterhöhungen von bis zu zehn Prozent.

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