Rheinmetall-Aktie deutlich leichter: Gutes zweites Quartal, aber Umsatzprognose gesenkt

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Das Geschäft mit der Autoindustrie lief zuletzt gut, aber hier trüben sich die Aussichten ein. Aus diesem Grund hatte Firmenchef Armin Papperger Ende Juli auch die Umsatzprognose gesenkt. Außerdem rechnet der Vorstand laut einer am Freitag eingereichten Akte damit, dass sich Waffenbestellungen bis zum nächsten Jahr verzögern werden, weshalb er seine Verkaufsprognose für 2023 senkte

Rheinmetall rechnet nach dem ersten Quartal noch mit Aufträgen in Höhe von 13 bis 15 Milliarden Euro für das Rüstungsgeschäft im laufenden Jahr. 10-12 Milliarden sollen es nun sein, was immer noch ein großer Sprung von den 4,8 Milliarden im Vorjahr wäre.

Einer der Gründe für die prognostizierten Kürzungen sei, dass nun mehr Klarheit über die Verwendung des Sondervermögens für die Bundeswehr bestehe, so der Konzern. Zudem sei kürzlich ein Großauftrag aus der Slowakei für leichte Infanteriepanzer an den Konkurrenten BAE Systems gegangen, sagte Analystin Olivia Charley von der Investmentbank Goldman Sachs.

Grundsätzlich bleibt das Management aber zuversichtlich. „In vielen der von uns belieferten Nationen gewinnt die Modernisierung oder Erweiterung der Ausrüstung der Streitkräfte durch den Krieg in der Ukraine weiter an Bedeutung“, erläutert das Unternehmen im Quartalsbericht. Aus diesem Grund und aufgrund des historisch hohen Auftragsbestands im Rüstungsbereich soll das Geschäft in den kommenden Jahren weiter stark wachsen. Allerdings wird 2023 zunächst nur mit einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro in der Rüstungssparte kalkuliert, nach zuvor angekündigten mindestens 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro. Der Schritt sei eine logische Folge von Auftragsverzögerungen und dürfte zu etwas niedrigeren Markterwartungen führen, sagte Analyst Sven Weier von der Schweizer Großbank UBS.

Die Automobilmärkte sind jedoch weiterhin von größeren Schwankungen geprägt. Rheinmetall rechnet daher im Jahresverlauf weiterhin mit einer Erholung der internationalen Automobilproduktion, die jedoch deutlich langsamer ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet. Autobauer BMW hatte kürzlich seine Absatzziele für das laufende Jahr gesenkt. Der Konkurrent Mercedes-Benz ist zwar bei Umsatz und Gewinn optimistischer, hat dies jedoch nur aufgrund von Preiserhöhungen und einer Verlagerung des Geschäfts auf teurere Luxusautos getan.

Vor diesem Hintergrund erwartet Rheinmetall für 2022 nur noch ein organisches Umsatzwachstum von rund 15 Prozent. Dies entspricht dem unteren Ende der bisherigen Zielbandbreite von 15 bis 20 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern 5,66 Milliarden Euro umgesetzt.

An der erwarteten Profitabilität hat sich jedoch nichts geändert. Das Unternehmen erwartet weiterhin eine operative Gewinnmarge von mehr als elf Prozent. Das operative Ergebnis soll über den 594 Millionen Euro des Vorjahres liegen.

Nachdem der Umsatz im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um 7,5 Prozent auf 114 Millionen Euro gewachsen war, hatte Rheinmetall nach sechs Monaten einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 206 Millionen Euro zu verbuchen. Insgesamt dürfte das zweite Halbjahr noch besser verlaufen als das erste.

Unterm Strich machten die Aktionäre im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 57 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr noch ein Verlust von 40 Millionen Euro durch eine Verschlechterung des zum Verkauf stehenden Kolbengeschäfts angefallen war

Der Kurs der Rheinmetall-Aktie ist am Freitag deutlich unter Druck geraten. Mit einem Kursverlust von 11,79 Prozent auf 166,85 Euro war das Papier der größte Verlierer im MDAX, dem Index der Durchschnittswerte. In der Folge fiel der Kurs auch unter die wichtige Unterstützung um 180 €, an der er sich seit Mai bei Rückschlägen mehrfach gehalten hatte. Die Unterstützung ist weg und dürfte in den kommenden Tagen oder Wochen wohl ein Stolperstein für potentielle Wiederherstellungsversuche sein.

DÜSSELDORF (dpa-AFX)

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