Gepostet am 24. Juni 2022, 10:13 Uhr
Nach einer 26-tägigen Ausbildung können Schüler nun in Zürich Tram fahren. Die Gewerkschaft VPOD ist besorgt über diese Entwicklung.
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Die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) suchen Studierende, die nebenberuflich Tramfahrer werden wollen.
20min / Marco Zangger
Statt der üblichen 43 Tage dauert die Ausbildung nur noch 26 Tage.
Screenshot VBZ
Mit diesem Pilotprojekt wollen die VBZ eine neue Zielgruppe ansprechen.
20min / Marco Zangger
Schüler, die einen Nebenjob suchen, können jetzt nach einer 26-tägigen Ausbildung Tramfahrer bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) werden. Die Ausbildung wird mit 6240 Franken vergütet, im anschliessenden Job beträgt der Lohn 30 bis 35 Franken pro Stunde. Anders die 20-minütigen Community-Ansichten zum VBZ-Pilotprojekt. „Toll. Endlich kreative Ideen in der Berufswelt: weiter so“, schreibt jemand. „Wenn nichts passiert, ist es mir egal“, sagte eine andere Person.
Allerdings ist das Projekt auch vielfach kritisiert worden. “Diese Ausbildung ist zu kurz. Diese Leute haben eine große Verantwortung.” Auch ein ehemaliger VBZ-Mitarbeiter meldete sich zu Wort: „Diese Maßnahme wird definitiv für Unruhe in der Belegschaft sorgen. Schnelles Bleichen, nur eine Straßenbahnart, nur zwei Linien.“ […] das ist Kirschen pflücken.”
Straßenbahnfahrer befürchten schlechtere Arbeitsbedingungen
Der VPOD, die sich unter anderem für die Belange der ÖPNV-Beschäftigten einsetzt, war das Pilotprojekt der VBZ vor der Anfrage von 20 Minutes nicht bekannt. „Wir hätten erwartet, dass wir und die anderen Personalvertretungen informiert und einbezogen würden“, sagt Duri Beer vom VPOD. “Wir wollen keine Arbeitsplätze verhindern, wir wollen aktiv an diesen Entscheidungen beteiligt sein.”
Bei einer Vorstandssitzung mit der VBZ-VPOD-Gruppe, die zufälligerweise am Donnerstag stattfand, äußerten sich die Straßenbahnpiloten besorgt über das Projekt. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand Vorbehalte gegen Studenten als Klassenkameraden hat. Allerdings sorgen sie sich um das Berufsbild und die Qualität und Sicherheit ihrer Arbeit“, sagt Beer.
Zudem ärgerten sich die Mitarbeiter über Aussagen in der Anzeige wie „Du kannst arbeiten, wann immer du willst“. „Langjährige Mitarbeiter haben diese Bedingungen nicht und fühlen sich daher fremd. Sie befürchten, dass dieses Pilotprojekt billigen Arbeitskräften und schlechteren Arbeitsbedingungen Tür und Tor öffnet. Am Montag will sich die VPOD mit zwei weiteren Gewerkschaften treffen und das weitere Vorgehen besprechen.
„Wir bitten unsere Kollegen, sich an dem Projekt zu beteiligen“
Ziel sei es, so Florian Schrodt, Leiter Rekrutierung bei den VBZ, Projekterfahrungen mit den Mitarbeitern zu teilen. „Allerdings möchten wir betonen, dass Studierende aufgrund ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten, wie Wochenenden und beliebten Ferienzeiten, bereits im Dienst befindliche Straßenbahnfahrer entlasten sollten.“ Die Qualität und Sicherheit der Arbeiten haben laut Schrodt weiterhin höchste Priorität und werden durch das Projekt nicht beeinträchtigt.
Die Ausbildung der Studenten kann verkürzt werden, da sich die Studenten auf einen Straßenbahntyp – die Cobra-Straßenbahn – und nur auf zwei Linien konzentrieren. „Studenten werden inhaltlich auf dem gleichen Niveau wie voll ausgebildete Mitarbeiter sein“, sagt Schrodt.