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Die SBB will ihren teuersten Bahnstrom verkaufen.
Pascal Tischhauser Stellvertretender Chefpolitiker
Die SBB wollten ihren Strom vergolden. Ihr Ziel war es, den meist selbst produzierten Bahnstrom zum doppelten Preis weiterzuverkaufen. Folge: Der überwiegende Teil der Bahnreisen und Fracht wäre teurer geworden. Die Bundesregierung hat die Notbremse gezogen.
Aktuell können die SBB unter der Leitung von Vincent Ducrot (60) Bahnstrom für 10,5 Rappen pro Kilowattstunde an andere Bahnen verkaufen. Wie der Blick weiss, hätten sie gerne 20,5 Cent genommen. Die SBB bestätigen, dass sie im August eine Erhöhung um zehn Rappen für die nächsten zwei Jahre gefordert haben.
Züge werden immer teurer
Laut Bundesamt für Verkehr (BAV) führt eine Erhöhung des Bahnstrompreises um einen Rappen zu einer zehnprozentigen Erhöhung der Stromkosten. Hochgerechnet auf die Gesamtkosten eines Zuges wäre dieser um ein Prozent teurer. Mit zehn Cent mehr wären die Züge zehn Prozent teurer geworden.
Auch Stefan Meierhans (54) ging ins Kostenrennen. Für den Preiswächter ist klar, dass ein starker Anstieg Auswirkungen auf den Geldbeutel von Reisenden und Verkehrsunternehmen hätte. Das gibt sogar die SBB zu.
Geringe Nachfrage
Inzwischen haben die Staatsbahnen selbst festgestellt, dass die Nachfrage zu hoch war. Im Sommer habe die extreme Trockenheit zu einem Rückgang der Energieproduktion geführt, weshalb Strom teuer am Markt gekauft werden müsse, um die Züge am Laufen zu halten, erklären sie. Es ist ein Schaden eingetreten, den das Eisenbahngesetz nicht zulässt.
Inzwischen hat sich die Lage beruhigt und die SBB haben ihre Forderungen gesenkt. Inzwischen war noch von fünf oder sechs Cent die Rede, aber auch diese liegen daneben: Die Bundeslösung sei deutlich niedriger, so das BAV.
Im Gegensatz zu den Klimazielen
90 Prozent des Bahnstroms der SBB stammen aus Wasserkraft, hauptsächlich aus eigenen Anlagen. Darüber hinaus bestehen Lieferverträge mit Partnern. Die Mehrkosten für die SBB sollen ganzjährig begrenzt werden.
Noch unverständlicher ist, dass die SBB die Forderung erhoben haben. Nationalrats- und Alpeninitiative-Verkehrsausschussvorsitzender Jon Pult (38, SP) warnt davor, den Schienengüterverkehr gegenüber der Strasse durch Preiserhöhungen zu benachteiligen. Das widerspricht den Klimazielen der Schweiz.
Und für den Urner Ständerat und Präsidenten des Landewirtschaftsverbandes (VAP), Josef Dittli (65, FDP), ist das Vorgehen der SBB nicht bequem. Zeigen Sie Verständnis für eine moderate Erhöhung, denn auch der Diesel und damit der Straßenverkehr sind teurer geworden. „Aber auf der Straße hat die Marktwirtschaft Vorrang, auf der Schiene herrscht Monopolstellung.“
Weniger, aber länger
Gemäss Recherchen erlaubt das BAV der SBB kommende Woche eine kleine Preiserhöhung. Schon jetzt belasten horrende Heizkosten, Inflation und Krankenkassenprämien die Bürger enorm. Aus Sicht des Bundes soll die SBB die Menschen nicht unnötig altern lassen.
Doch so schnell geben die SBB nicht auf: Statt der auf zwei Jahre befristeten kräftigen Erhöhung haben sie nun eine längere Preiserhöhung durchgesetzt.