Was haben Sie aus der Pandemie gelernt?
Sicherlich verlassen Sie Ihre Komfortzone. Plötzlich werden jahrelang laufende Prozesse in Frage gestellt. Das ändert sich. Vor allem unser Optimismus und unsere Wertekultur haben uns durch die Zeit getragen. Die Hotellerie lobte uns für unser großzügiges Retourenmanagement. Am Ende kamen die meisten Bestellungen fast unberührt zu uns zurück.
Wie sehr wirkt sich die aktuelle Sommerhitze auf den Bierdurst aus?
Warme Temperaturen tun unserer Branche immer gut.
Wie ist die Wettbewerbsposition des Brauereimarktes?
Mit 58 Prozent dominiert die Heineken Brau Union-Tochter nun den österreichischen Markt. Stiegl liegt mit 11 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Ottakringer. Internationale Konzerne spielen ihre Macht intelligent aus. Als Kontrapunkt haben sich Familienunternehmen zusammengeschlossen, um Privatbrauereien auszubilden.
Ist es denkbar, dass Stiegl eines Tages zum Brauerei-Riesen aufsteigt?
Unter meiner Führung wird es keine Integration geben. In Salzburg sind wir in Sachen Bier schon Gallier, denn einige namhafte Privatbrauereien haben sich ihre Eigenständigkeit bewahrt.
Immer wieder wird über ein drohendes Gerstenmonopol diskutiert.
Dagegen kämpfen wir seit Jahren an und haben mit den Vereinen „Die Freie Brauer“ und „Slow Brewing“ bereits verschiedenste Initiativen ins Leben gerufen. Patente auf Pflanzen wie Braugerste sind eine heikle Angelegenheit. Dadurch werden Vielfalt und Qualität ernsthaft gefährdet. Leider ist alles sehr komplex und für den Verbraucher oft zu kompliziert.
Welche Gerste verwendet Stiegl?
Wir beziehen unsere Gerste größtenteils direkt von Gerstenbauern in Niederösterreich und bauen selbst altes Getreide auf unserem Wildshuter Hof an.
Sie engagieren sich in Wildshut, an der Grenze zu Oberösterreich, für die Kreislaufwirtschaft. Da?
Alles Leben ist ein Kreislauf. Deshalb kümmern wir uns um den Boden und seine Gesundheit, denn dort wachsen die Inhaltsstoffe unserer Produkte. Aktuell wird ein Projekt mit Gerstenbauern der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf in Niederösterreich umgesetzt. Ziel ist es, den Humusgehalt langfristig zu erhöhen und klimaschädliches CO2 im Boden zu binden. Auf diese Weise heben wir Wildhut-Tests auf ein höheres Niveau.
Wie ist die Kreativbrauerei auf Gut Wildshut entstanden?
1917 kaufte mein Onkel Großvater den Hof samt Hof und Brauerei. 2015 haben meine Frau und ich Wildshut mit Mälzerei und Brauerei neues Leben eingehaucht. Hier produzieren wir Spezialbiere, aber auch Whisky, Schnaps und Gin.
Was sind die aktuellen Trends bei Biersorten und Geschmacksrichtungen?
Helle Farben sind derzeit sehr beliebt. Es ist ein leichtes Bier und begleitet die heißen Sommertage.
Was ist besonders gut?
Noch beliebter sind alkoholfreie Biere. Wir brauen unsere Biere nach einem neuen Verfahren mit 0,0 Prozent Alkohol und schaffen es so, zu 100 Prozent alkoholfrei zu sein.
Was sind die Geschmacksträger im Bier? An welchen Stellschrauben drehen Sie, um eine charakteristische Note zu erzeugen?
Die eigentliche Arbeit beginnt auf dem Feld bzw. im Boden, wo die Braugerste wächst. Die feinen Nuancen des Toasts werden dann in der Mälzerei behandelt. Hier bei Wildshut sammeln wir viel Wissen.
Wo sind die wichtigsten Absatzmärkte?
Traditionell liegt unser Kerngebiet in Tirol, Salzburg und Oberösterreich. Aber auch in Wien, Niederösterreich und der Steiermark sind wir gut vertreten. Hinzu kommen unsere Exportmärkte in Übersee. Unser Grapefruit Radler hat in den USA und Kanada schon fast Kultstatus erreicht. Wir spüren derzeit globale Probleme, zum Beispiel in Containerhäfen. Es ist immer noch ein Problem, dass leere Fässer in den USA stehen bleiben, weil der Transport nicht richtig funktioniert.
Wie ist die Energieversorgung der Brauerei?
Wir denken an Kreisläufe und haben bereits viel in die Wärmerückgewinnung investiert. Unsere Dächer tragen Photovoltaikanlagen. Wir nutzen auch Erdgas, haben aber bereits die Voraussetzungen geschaffen, um im Ernstfall auf Leichtöl umsteigen zu können.
Wo droht Inflation?
In fast allen Bereichen: vom Energie- bis zum Glaslieferanten. Wir versuchen, die Preisentwicklung bestmöglich abzufedern.
Auch Stiegl ist ein bedeutendes Unternehmen in Salzburg.
Auch diese Rolle nehmen wir sehr ernst. Aktuell bauen wir direkt neben der Brauerei bezahlbare Mietwohnungen für Mitarbeiter. Uns ist es wichtig, beim Berufseinstieg zu helfen.
Ihr Zukunftsplan?
Konzentrieren Sie sich auf Qualität und Vielfalt und auf Mitarbeiter, die einen positiven Unterschied machen.