Straßensperrungen am Samstag: AfD-Anhänger und -Gegner demonstrieren in Berlin
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Audio: rbb-Inforadio | 08.10.2022 | Matthäus Bartsch | Bild: dpa/Fabian Sommer
Mehrere tausend Menschen demonstrieren derzeit im Berliner Regierungsviertel gegen die Regierungspolitik in der Energiekrise. Die AfD hat darum gebeten. Dem wollen die Kritiker elf Demonstrationen entgegensetzen.
AfD-Anhänger demonstrieren derzeit in Berlin vor dem Reichstagsgebäude gegen die Politik der Regierung. Zur Auftaktkundgebung versammelten sich nach Angaben der Berliner Polizei zunächst rund 3000 Teilnehmer auf dem Platz der Republik.
Auf der AfD-Demonstration waren unter anderem Deutschlandfahnen, aber auch russische zu sehen. Auch Reichsflaggen und “Reichsbürger”-Symbolik wurden gezeigt. Auf den Plakaten standen Slogans wie „Stoppt den Ampelwahn“ oder „Ja zur Atomkraft“.
Gegendemonstration am Brandenburger Tor | Bild: dpa/Christoph Söder
Als Reaktion auf die AfD-Veranstaltung wurden mehrere Gegendemonstrationen registriert, die größte mit 3.000 registrierten Teilnehmern in der Nähe des Reichstagsgebäudes. Am Mittag demonstrierten Menschen mit bunten Fahnen am Brandenburger Tor. Hunderte Menschen versammelten sich um die AfD-Kundgebung und hielten Fahnen mit Parolen wie „Kein Platz für Nazis“.
4.000 Menschen haben sich für die AfD-Demonstration angemeldet
Unter dem Motto „Energiesicherheit und Inflationsschutz: Unser Land zuerst“ hat die AfD zu Protesten aufgerufen. Ab Mittag gab es bei Regenwetter auf der Plaça de la República vor dem Reichstagsgebäude eine Kundgebung, an der auch der Bundesvorsitzende der AfD, Tino Chrupalla, teilnahm; Co-Vorsitzende Alice Weidel, die als zweite Rednerin vorgesehen war, war erkrankt.
Nach der Kundgebung war geplant, dass die Teilnehmer durch Berlin-Mitte marschieren und später zum Ausgangspunkt der Abschlusskundgebung zurückkehren.
Laut Polizeisprecherin Beate Ostertag wurden zunächst rund 4000 Teilnehmer registriert. Am Samstagmorgen rechnete die Polizei noch mit „einem weiteren Trend“. Die AfD hatte bundesweit für den Protest mobil gemacht.
Zahlreiche Gegendemonstrationen
Mehrere Organisationen, Bündnisse und Initiativen wollen ab Mittag Gegendemonstrationen durchführen. Sie werfen der AfD vor, steigende Lebensmittel- und Energiekosten auszunutzen. Wie Polizeisprecherin Beate Ostertag am Samstagvormittag dem rbb sagte, seien insgesamt elf Gegendemonstrationen angemeldet worden. Die Polizei rechnet mit einer Teilnehmerzahl im “mittleren vierstelligen Bereich”.
Die Initiative „Aufstehen gegen Rassismus“ und das Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin, dem zahlreiche Organisationen vom Landessportbund bis zum Zentralrat der Muslime in Deutschland angehören, haben zur größten Gegendemonstration aufgerufen. Geplant sind Beiträge unter anderem von Rednern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der Amadeu Antonio Stiftung, der Evangelischen Kirche, der Berliner Grünen und der Berliner Linkspartei.
Diese Demonstration unter dem Motto “Solidarität ist unsere Antwort auf die Krise!” Mit 3.000 angemeldeten Teilnehmern sollte sie ab 13 Uhr auf der Wiese des Reichstagsgebäudes in der Heinrich-von-Gagern-Straße in Sicht- und Hörweite der AfD-Demonstration stattfinden. Als weitere Protestaktionen gegen die AfD-Demonstration wurden beispielsweise auch eine Fahrradparade oder eine Musikdemonstration registriert.
Die Polizei meldete bis zum frühen Nachmittag keine Vorfälle.
1.900 Beamte im Dienst
Insgesamt sind am Samstag rund 40 Veranstaltungen und Aufzüge in der Stadt angemeldet, darunter ganz unterschiedliche Themen. Eine vollständige Liste finden Sie bei der Berliner Polizei [berlin.de]. Für die größte dieser Demonstrationen mit Start am Leopoldplatz sind laut Polizeisprecherin Ostertag 250 Teilnehmer angemeldet.
Im Einsatz sind 1.900 Polizeikräfte, darunter Beamte aus anderen Bundesländern.
Ob und inwieweit sich die Probleme mit dem Samstagmorgenzug auf die Teilnehmerzahlen auswirken oder ausgewirkt haben, ist unklar. Schwer zu sagen, sagte die Polizei. Ein AfD-Sprecher sagte, es sei von Auswirkungen auszugehen. Der Bundestagsabgeordnete Gunnar Lindemann vermutete auf Twitter, dass die Störungen im Zugverkehr in direktem Zusammenhang mit der AfD-Demonstration standen. „Zu diesem Zeitpunkt“ werde die Bahn den Zugverkehr in Berlin in großem Umfang einstellen, so Lindemann.
Nahezu der gesamte Zugverkehr in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein war am Samstagmorgen eingestellt worden. Der Zug übernimmt die Sabotage.
Verkehrsbehinderungen im Straßenverkehr
Berliner sollten sich zwischen 10 und 22 Uhr auf zahlreiche Straßensperrungen und Umleitungen einstellen; Auf den Demostrecken gelten an vielen Stellen Halteverbote. Die Polizei rät Autofahrern, die Innenstadt in dieser Zeit nach Möglichkeit zu meiden.
Auch Busse und Straßenbahnen werden auf den Demonstrationsstrecken eingeschränkt verkehren. Die BVG wird am Samstag auf ihrer Website über die Einschränkungen berichten [unternehmen.bvg.de].
Die Polizei kündigte im Vorfeld an, die Demonstrationsfreiheit für alle Teilnehmer garantieren zu wollen. Wird die AfD-Demonstrationsstrecke gesperrt, könnte sie umgeleitet werden und andere Straßen in Mitleidenschaft ziehen.
Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 8. Oktober 2022, 12 Uhr