Stand: 11.12.2022 18:07
Der türkische Präsident Erdogan hat mit Kremlchef Putin über eine Ausweitung des Getreideabkommens zum Export über das Schwarze Meer auf andere Rohstoffe gesprochen. Er forderte auch einen Sicherheitskorridor an der Grenze seines Landes zu Syrien.
Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll das Abkommen über den Export ukrainischen Getreides durch das Schwarze Meer auf weitere Güter ausgeweitet werden. Die Vorbereitungen für den Export von Lebensmitteln und anderen Gütern könnten schrittweise beginnen, sagte Erdogan nach Angaben seines Büros in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kreml teilte in Moskau mit, der Getreidedeal sei komplex. Auch die Beschränkungen russischer Getreide- und Düngemittelexporte müssen aufgehoben werden.
Russland wollte schon lange mehr Waren über den Korridor exportieren. Getreide oder Dünger beispielsweise sind von den Sanktionen nicht direkt betroffen. Allerdings ist immer wieder von Problemen wegen Sanktionen zur Sicherung russischer Schiffe oder von Schiffen, die russische Häfen anlaufen, die Rede. UN-Generalsekretär António Guterres hat mehrfach gesagt, dass Russland in der Lage sein sollte, nicht sanktionierte Produkte über das Schwarze Meer zu exportieren.
Die Erweiterung des Korridors war auch ein Thema bei einem Telefonat mit Selenskyj
Seit Inkrafttreten des Getreidekorridorabkommens im Sommer wurden rund 13,7 Millionen Tonnen Getreide aus ukrainischen Häfen exportiert. Eine mögliche Erweiterung des Korridors war auch Thema in dem Telefonat zwischen Erdogan und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Selenskyi schrieb dies auf Twitter. Auch in der Leitstelle ist von einer Zusammenarbeit die Rede. Gemeint sind wohl die Kontrollen vor und nach dem Befahren des Korridors. Russland blockiert angeblich Bemühungen, die Zahl der Inspektionen zu erhöhen. Mehr als 80 Schiffe warten in türkischen Gewässern auf eine Inspektion, einige seit mehr als einem Monat.
Im Juli einigten sich Russland und die Ukraine unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen auf ein Abkommen, das den Export ukrainischen Getreides durch einen Schwarzmeerkorridor ermöglichen würde. Damit endete eine monatelange Blockade der ukrainischen Getreideexporte während des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.
In Syrien ist ein Sicherheitskorridor erforderlich
In Gesprächen mit Putin forderte Erdogan auch einen 30 Kilometer breiten Sicherheitskorridor an der Grenze seines Landes zu Syrien, teilte sein Büro mit. Die Türkei führt derzeit Luftangriffe gegen die kurdische YPG-Miliz in Syrien durch und droht mit einer Bodenoffensive.
Russland ist der wichtigste Unterstützer des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und hat sich in den letzten Monaten für eine Versöhnung zwischen Erdogan und Assad eingesetzt. Syrische Truppen arbeiten im Norden des Landes eng mit der Türkei zusammen.
Bei dem Telefonat ging es laut Kreml auch um gemeinsame Energieprojekte. Die beiden Staatschefs hatten über die Schaffung eines Gaszentrums in der Türkei gesprochen. Der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, hatte bereits vergangene Woche Verhandlungen geführt. Kürzlich bot Russland an, die Türkei zu einem wichtigen Umschlagplatz für russisches Gas zu machen. Die Türkei ist abhängig von russischen Gas- und Öllieferungen.
Mit Informationen von Uwe Lueb, ARD Studio Istanbul
Erdogan spricht mit Putin und Selenskyj über den Getreidekorridor
Uwe Lueb, ARD Istanbul, 11.12.2022 07:48 Uhr