Der perfekte Monitor?
14. November 2022
KS Digital C100 Referenz, koaxialer Studiomonitor
Die KS Digital C100 Reference sind die neuesten Nahfeldmonitore der KSdigital GmbH aus Saarbrücken. Das Unternehmen wurde 1996 von Dieter Klein und Johannes Siegler gegründet und beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Bau von Studiomonitoren. Nach dem Ausscheiden von Dieter Klein aus der KS Beschallungstechnik GmbH verstärkte und erweiterte Johannes Siegler die Studiolautsprecherserie mit dem Kauf des legendären deutschen Lautsprecherherstellers Backes & Müller. Damit konnten komplexe technische Entwicklungen sowohl in den Studio- als auch in den HiFi-Bereich Einzug halten. Werfen wir also einen Blick auf das neueste Kind von KS Digital und versuchen wir einigermaßen zu verstehen, warum es wirklich die nächste Generation des Lautsprecherbaus ist.
Die Technik der KS Digital C100 Reference
Zuerst die Basics: die C100 Ref. ist ein 2-Wege-Koaxial-Aktivmonitor mit Abmessungen von 285 x 350 x 350 mm und einem Gewicht von 15 kg. Das verwendete koaxiale Chassis hat einen Durchmesser von 10 Zoll mit einem 1 Zoll Kompressionshorn in der Mitte. Der Öffnungswinkel des Horns beträgt 70 Grad und ist im Gegensatz zu vielen PA-Hochtönern aus massivem Metall gefertigt.
Im Inneren laufen zwei Endstufen mit jeweils 250 Watt für die Hoch- und Tiefmitteltöner. Der Frequenzgang ist zwischen 35 Hz und 22.000 Hz spezifiziert und der maximale Schalldruckpegel liegt bei 118 dB (SPL). Die verwendeten Endstufen arbeiten nach dem Class-D-Prinzip (nein, D steht nicht für digital!). Wer hier weiterlesen möchte, findet viele Details im Netz. Wichtig ist nur: Class D ist nicht mehr gleichbedeutend mit schlecht klingenden Billigverstärkern, sondern eine Weiterentwicklung der klassischen Class A, B, A/B und C Verstärkertechnik.
Spannend wird es beim Blick auf die Filtertechnik, denn hier kommt das Prinzip der endlichen Impulsantwort zum Einsatz. Johannes Siegler hat sich im Rahmen seiner Abschlussarbeit damit auseinandergesetzt und dieses mathematische Modell mithilfe neuer Materialien und Entdeckungen zu seiner eigenen Marke gemacht: FITRTEC-Filter (Patent: 19823110).
FIR-Filter – allgemeine Erklärung
Das Lautsprechergehäuse und das Chassis bilden zusammen mit dem Isoliermaterial ein schwingendes mechanisches System und der Verstärker, die Frequenzweiche und die Schwingspulen (im Chassis) bilden ein elektrisches System. Beide Systeme sind mangelhaft, da die Membranen Massenträgheit, Druckschwankungen, Resonanzen usw. unterliegen. und im elektrischen Umfeld haben wir es mit Amplitudenschwankungen, Bauteiltoleranzen und Phasenungenauigkeiten zu tun. Daher ist ein klassischer Lautsprecher eigentlich ein sehr unpräzises System für die korrekte Wiedergabe von Musik- oder Tonsignalen, weil er inhärente Fehler macht.
Bei KS Digital werden die relevanten Daten erfasst und über einen digitalen Chip in der Verstärkerelektronik (DSP) korrigiert: Membranüberschwinger, Brechung der Schallwelle an den Gehäusekanten, Resonanzen, Phasenverschiebungen durch die Bauteile der Kreuzungen . Diese Daten werden im DSP mit komplexen mathematischen Algorithmen korrigiert und an die Treiber gesendet, sodass sie nun phasengleich und mit einem linearen Frequenzgang spielen, wodurch Laufzeitunterschiede zwischen mehreren Treibern, Kopfbewegungen des Zuhörers und andere Effekte eliminiert werden. das ergebnis ist ein neutraler lautsprecher, impulstreu und zeitrichtig.
In der Praxis äußert sich das in einer sehr akkuraten Räumlichkeit, einer hohen und sehr sauberen Impulswiedergabe und einer sehr natürlichen Charakteristik (die eigentlich gar nicht stimmt), die bei einem Nahfeldmonitor wie dem C100 Reference im Wesentlichen der Fall ist Während komplexere Lautsprecher wie das KSD Line Array oder die „Line“-Serie von Backes Müller den Raum durch spezielle Abstrahlcharakteristiken ebenfalls mit einbeziehen oder ausblenden. Übrigens: Da gibt es bei der Fertigung der Chassis unvermeidliche Streuung. (z. B. beim Auftragen des Klebers, Verbinden von Schwingspule und Membran) werden alle KSD-Lautsprecher abschließend per DSP in Frequenz und Phase vermessen und linearisiert.
Ausstattung und Verarbeitung von Studienmonitoren
Auf der Rückseite des C100 Ref. finden wir die Elektronikabteilung: Lautstärke, Bass- und Höheneinstellung (natürlich phasenkorrigiert), Ein-/Ausschalter, analoger Eingang (XLR), digitaler Eingang (XLR) und der RJ45-Anschluss für die KSD-Fernbedienung -External RC, die es ermöglicht Sie können mit einem parametrischen 6-Band-EQ Lautstärke, Verzögerung usw.
Digitale Eingabe? Was ist das? Die Endstufen des C100 Ref. sie sind digital ansteuerbar, das heißt, nur das digitale Musiksignal wird an die Endstufe weitergegeben – die Vorverstärkung erfolgt komplett im Lautsprecher. Die Backes- und Müller-Lautsprecher können mit den internen ICE-Vorverstärkern befeuert werden, die eigentlich keine Vorverstärker sind, sondern nur als Medienzentrale fungieren. Eine sehr elegante und verlustfreie Lösung, die ohne teure symmetrische Kabel auskommt. Der AD/DA-Wandler des C100 Ref. es läuft bei 192 kHz mit 24 Bit.
Die Fernbedienung (KSD-RC), mit der die Lautsprecher eingestellt werden, ist nicht im Lieferumfang enthalten und kostet 899 Euro. Die dekorative Box besteht aus Kunststein und ist für viele Monitore (und B&M-Modelle) ab 10/2017 verwendbar. Auf Wunsch können Sie diese auch beim Hersteller für kurze Zeit und gegen eine geringe Gebühr ausleihen.
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Das Gehäuse besteht aus einem Metallrahmen, an dem Stative oder die innenliegenden U-Elemente zur Positionierung befestigt werden können. Die Frontplatte ist Echtholzfurnier in Schwarz oder Kirsche.
Apropos Preis: Der Listenpreis des 2-Wege-Monitors liegt bei 2.299 Euro pro Stück, was auf den ersten Blick sehr teuer erscheint. Auch optisch und haptisch ist die KSD C100 Ref. B. ein Focal TWIN6, das in der gleichen Preisklasse zu Hause ist (1.999 Euro/Stück). Um bei diesem Beispiel zu bleiben: In einem Focal sind keine Korrekturmaßnahmen eingebaut.
Die Franzosen setzen auf schweres Holz, hochwertige Chassis und klassische „analoge“ Lautsprecherkonstruktion. Das wirft natürlich Glaubensfragen auf: Wenig Technik im Signalweg, keine Latenzen, aber eine systembedingte Fehleranfälligkeit oder hochpräzise Korrekturen, State-of-the-Art-Technik, aber minimale Latenzen durch DSP-Berechnungen. im Bereich von 3 ms. Ich freue mich auf viele Kommentare zum Thema!
Wie klingt die KS Digital C100 Reference?
Ich selbst betreibe die KS Digital C88 Ref. in meinem Studio, das über 2 8″-Tiefmitteltöner verfügt, von denen einer als 2-Wege-Koax-Treiber mit 1″-Gewebekalotte ausgeführt ist. Sein Frequenzbereich wird mit 32 Hz – 22 kHz angegeben, was etwas niedriger ist als beim C100 (35 Hz). Die C88 sind auch insgesamt 7 kg schwerer und voluminöser.
Mein Hörabstand beträgt ca. 1,20m je Box. Der C88 kostete ursprünglich rund 1.700 Euro und ist aktuell mit 1.495 Euro pro Stück rund 800 Euro pro Stück günstiger als die hier getestete C100 Reference. Obwohl fast 1.600 Euro pro Paar günstiger, hat Johannes Siegler der C88 Membranes de Kevlar Ref. die Möglichkeit zur direkten digitalen Ansteuerung verpasst. Es ist aber auch möglich mit KSD-RC abzustimmen.
Lassen Sie uns also herausfinden, ob die C100 Ref. den Mehrpreis wert!
Bevor Sie sich an KS Digital (oder Backes & Müller) wenden, sollten Sie sich auf eine sehr ehrliche Wiedergabe der Audiodatei einstellen. Hören Sie Ihre Musik auf Ihrer heimischen HiFi-Anlage, z. B. durch Bowers & Wilkens Passivlautsprecher oder wer den Klang heller Röhren mag, findet sich bei KS Digital vor einer sehr emotionslosen Klangwand wieder. Hmm, die Stimme hat einen seltsamen Nachhall. Muss man so pfeifen? Wo sind die schönen Oberbässe?
Die Realisierung kommt meist später. Wo Ihnen viele Hersteller ohrenfreundliche Soße präsentieren, tun dies die digital gesteuerten C100 (und C88) mit einem Schallskalpell. Ein Kontrabass ist kein tiefes Summen, sondern ein Rezept aus einem resonanten Bogen, vibrierenden Saiten und klingendem Holz. Daran lassen die KSD-Sprecher keinen Zweifel. Dies macht es dem Tontechniker leicht, Transienten mithilfe eines Kompressors oder Transientendesigners auf genau die gewünschte Tonhöhe einzustellen. Wenn die Pauke trocken und frisch klingen soll oder der Fokus auf der Rückenschwingung liegen soll, kein Problem. Aktive Monitore zeigen ein mikroskopisches Bild des Frequenzspektrums, einschließlich Oberwellen.
Dies ist nicht gleichzusetzen mit den Erwartungen an einen Monitor, z. B. mit AMT-Hochtöner oder Berylliumkalotte. Bei KSD geht es nicht um die Auflösung eines speziellen Frequenzspektrums, sondern um die phasenrichtige Visualisierung einzelner Schallereignisse. Die KSDs klingen weder hell noch dunkel, weder bassig noch zu transparent. Dank exakter Raumabstimmung über die Fernbedienung kann ich die Lautsprecher völlig neutral auf meine Hörposition kalibrieren oder (im Falle der Backes & Müller HiFi-Lautsprecher) ihnen den Charakter geben, den ich bevorzuge.
Das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Mit dem C100 können Sie keine Mischungen erstellen. Sie zwingen einen förmlich dazu, genau hinzuhören und Mikrokorrekturen am Mischpult vorzunehmen. Die fast holografische Platzierung der Band im virtuellen Raum lässt keine Überschneidungen zu: Ein geübtes Ohr bringt die Musiker mit einem KSD C100 mit äußerster Präzision in ihre Position. Einen Song zu produzieren ist, als würde man sich auf einen …