Die Gesundheit
Verstopfung: Diese Ursachen stecken hinter einem trägen Darm
19.11.2022, 14:29 | Lesezeit: 6 Minuten
Krank essen: Wie ungesunde Ernährung krank macht
Krank essen: Wie ungesunde Ernährung krank macht
Manche Essgewohnheiten sind besser als andere, das ist eine bekannte Tatsache. Welche Folgen eine ungesunde Ernährung wirklich auf den Körper haben kann, ist den wenigsten bewusst.
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Viele Menschen leiden unter Verstopfung. Aber auch kleine Veränderungen im Alltag können den Verdauungstrakt wieder in Gang bringen.
Düsseldorf. Wer denkt, dass man mehrmals am Tag Stuhlgang haben muss, irrt: Manche Menschen haben ihn nur dreimal die Woche, und laut Experten ist dies in vielen Fällen auch ein normaler Zustand. Die Beschwerden beginnen meist, sobald sich der gewohnte Rhythmus des Körpers ändert und Bauchschmerzen auftreten.
Die Gastro-Liga, eine unabhängige Expertenorganisation zur Bekämpfung von Magen-, Darm- und Lebererkrankungen sowie Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen, gibt an, dass in Deutschland drei Prozent der Bevölkerung in jungen Jahren, acht Prozent der mittleren ältere Menschen und 20 % der älteren Menschen leiden an Verstopfung.
Eine Umfrage des unabhängigen Statistikportals Statista ergab, dass 23 Prozent der Menschen, die monatlich unter Magen- und Darmproblemen leiden, an Verstopfung leiden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Lesen Sie auch: Darmprobleme bei Frauen – So finden Sie Hilfe
20 Prozent der älteren Menschen leiden unter Verstopfung Foto: istock
Seltener Stuhlgang: psychologische Ursachen der Verstopfung
„Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weil sie zu einer Bindegewebsschwäche neigen“, sagt Victoria Fernandez-Jesberg, Proktologin und damit Spezialistin für Enddarmbeschwerden. „Nach mehreren Geburten kann sich der Körper und damit auch der Darm verändern“, sagt der Oberarzt der Klinik für Viszerale, Minimalinvasive und Onkologische Chirurgie am Marienkrankenhaus Düsseldorf.
Über Verstopfung zu sprechen, fällt Betroffenen oft schwer, denn Verdauung ist immer noch ein Tabuthema, mit dem sich die Menschen im „stillen Plätzchen“ herumschlagen. „Schon kleine Veränderungen können hilfreich sein“, sagt Fernandez-Jesberg. Obwohl sie Chirurgin ist, möchte sie nur dann ein Skalpell verwenden, wenn es nicht anders geht. Und versuchen Sie zunächst in speziellen Sprechstunden mit Fragen die möglichen Ursachen der Verstopfung herauszufinden.
Diese können laut dem Experten auch psychisch bedingt sein. Hat sich in Ihrem Leben etwas verändert? Trennung, neuer Job, pflegebedürftige Eltern? Wird in diesem Zusammenhang möglicherweise der Stuhlgang gestoppt? Wie oft gehen Patienten tatsächlich auf die Toilette und was passiert dabei? Das sind alles Fragen, die geklärt werden müssen. „Die meisten Menschen kennen das Völlegefühl gar nicht. Aus ihrer Sicht ist es plötzlich aufgetreten“, schildert der Proktologe typische Fälle. Auch interessant: Warum Dauerstress so gefährlich ist
Verstopfung: Ernährungsumstellung als häufige Ursache
Fallbeispiel 1: Die schlanke Frau in ihren 30ern, die sich durch ihren beruflichen Wechsel plötzlich in einer anderen Situation befindet. Davor saß er meistens im Büro und trank tagsüber mehrere Kaffees und einen Liter Wasser. Jetzt ist sie als Personalberaterin ständig unterwegs: Einerseits bedeutet das Stress, andererseits weiß sie oft nicht, wo die nächste Toilette ist. Vermeiden Sie daher das Trinken, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Das Problem der Verstopfung entwickelt sich allmählich.
„In dieser Situation oder einem vergleichbaren neuen Leben gibt es zwei Möglichkeiten: Die eine bedeutet, die Situation zu beenden, was bedeuten würde, wieder einen ruhigeren Bürojob anzunehmen“, erklärt Fernández-Jesberg. Das andere wäre laut dem Experten eine langsame Umstellung der Essgewohnheiten, bis sich die Betroffenen womöglich an die neuen Umstände gewöhnt haben. „Also immer etwas zu trinken mitnehmen und sich trauen, auch an fremden Orten nach dem Weg zur Toilette zu fragen“, rät der Mediziner. Lesen Sie auch: Öffentliche Toiletten – Sanifair erhöht die Preise
Darm: Die Vorwölbung kann mit Hilfe einer Operation entfernt werden
Fallbeispiel 2: Die 60-jährige Frau, Mutter von zwei Kindern, die ständig das Gefühl hat, eine Art Tischtennisball stecke in ihrem Darm fest. Es sieht so aus, als würde er nicht ganz entleeren und sie muss mit ihrem Finger nachhelfen. „In diesen Fällen hat sich oft eine Ausbuchtung in der Darmwand gebildet, in der ein Teil des Stuhls verbleibt“, erklärt Proktologin Fernandez-Jesberg. Dagegen hilft kein Beckenbodentraining, denn dieses Phänomen lässt sich nicht rückgängig machen.
Stattdessen empfiehlt er eine kleine Schlüsselloch-Operation durch den Anus: „Wir ziehen die Wölbung nach innen in den Darm, entfernen sie und nähen das Gewebe zusammen.“ Da der Darm zu diesem Zeitpunkt keine Nerven hat, gibt es normalerweise keine Schmerzen, sagt er.
Slow Gut: Die falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung können zu Verstopfung führen
Neben den in den Fallstudien beschriebenen Ursachen gibt es eine Reihe weiterer möglicher Ursachen für Verstopfung, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen. „Zum Beispiel zu wenig Ballaststoffe in der täglichen Ernährung oder zu wenig Bewegung“, sagt Alexandra von Herbay, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin am St. Vinzenz von Düsseldorf. „Ein Tumor kann auch dafür verantwortlich sein, dass im Darm nichts vorankommt.“ Ob dies der Fall ist, kann durch eine Darmspiegelung festgestellt werden.
Bei Verstopfung kann es manchmal länger dauern, die Toilette zu benutzen. Foto: imago stock&people
Im Idealfall funktioniert das Verdauungsorgan aber wieder, sobald Sie es mit Vollkornbrot statt Weißbrot füllen, Bananen oder Schokolade in Maßen essen und Joghurt mit Weizenkleie zubereiten. Zusätzlich kann der Stuhl durch Getränke mit Magnesium oder Flohsamenschalen, die unter anderem in Apotheken erhältlich sind, aufgeweicht werden. Lesen Sie hier: Vegetarisch und vegan für Kinder: Ist das gesund?
Verstopfung: Auch Medikamente können schuld sein
Hilfreich kann auch ein Blick in die Packungsbeilage der Medikamente sein, die Sie einnehmen: Schmerzmittel wie Morphin oder Psychopharmaka können die Verdauung beeinträchtigen. Es kann notwendig sein, mit Ihrem behandelnden Arzt über die Dosis oder eine Änderung der Medikation zu sprechen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, den Stuhlgang medikamentös zu regulieren.
Beide Experten raten jedoch davon ab, regelmäßig Abführmittel einzunehmen. „Sie dürfen nur kurzfristig in den Urlaub mitgenommen werden, zum Beispiel wenn fremde Lebensmittel Verstopfung verursachen“, sagt Victoria Fernandez-Jesberg. Alexandra von Herbay ergänzt: „Sie können den Darm auf Dauer noch verlangsamen und sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.“
Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.