„Verteidigung mit allen Mitteln“ Erdogan wirft Athen „Provokationen“ vor.
26.09.2022, 21:33
Die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei erreichen ein neues Niveau. Der türkische Präsident Erdogan hat in einer Rede scharf auf seinen Nato-Partner geschossen und ihn offen bedroht.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Griechenland nach der mutmaßlichen Militarisierung zweier Ägäis-Inseln vor der türkischen Küste “Provokationen” und “gefährliche Spielchen” vorgeworfen. Seine Regierung werde „die Rechte und Interessen unseres Landes mit allen Mitteln gegen Griechenland verteidigen“, sagte Erdogan nach Angaben des Präsidialamts.
„Griechenland kann weder politisch noch militärisch noch wirtschaftlich unser Gesprächspartner sein“, sagte Erdogan. Ankara forderte Athen auf, „Verstöße einzustellen“ und den nichtmilitärischen Status der Inseln zu respektieren, berichtete die staatliche Agentur Anadolu. Athen wies die Anschuldigungen laut diplomatischen Quellen als „völlig unbegründet“ zurück.
Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten und den Nato-Mitgliedern befinden sich derzeit auf einem Tiefpunkt. Beide Länder streiten seit Jahren über konkurrierende Gebietsansprüche und Energieentwicklungsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeerraum.
“Wir können eines Nachts plötzlich kommen”
Die jüngste Eskalation begann am Wochenende, nachdem türkische Sicherheitsquellen Luftaufnahmen veröffentlicht hatten. An den beiden griechischen Inseln Lesbos und Samos sollen Schiffe mit amerikanischen Panzerfahrzeugen angedockt sein. Die Türkei rief daraufhin den griechischen Botschafter vor. Laut Anadolu teilte die Türkei den USA auch mit, dass ihre „Waffen nicht unter Verletzung“ des vereinbarten Status der Inseln eingesetzt werden dürften.
Ankara argumentiert, dass Griechenland die Verträge von Lausanne (1923) und Paris (1947) verletzt, indem es Inseln in der östlichen Ägäis militarisiert. Erdogan hatte dem Nachbarn diesbezüglich kürzlich mit dem Satz gedroht: „Wir können eines Nachts plötzlich kommen.“ Athen begründet die Militarisierung mit einer Drohung aus Ankara und dem Selbstverteidigungsrecht jedes Staates. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bot Erdogan vergangene Woche eine Wiederaufnahme der Gespräche an. Erdogan hat direkte Gespräche mit Vertretern Griechenlands bisher abgelehnt.