Wegen Korruption will die EU Ungarn 7,5 Milliarden Euro streichen

Stand: 18.09.2022 11:42 Uhr

Die EU-Kommission schlägt vor, Zahlungen an Ungarn wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit in Höhe von 7,5 Milliarden Euro zu kürzen. Budapest will dringend Gesetze zur Korruptionsbekämpfung verabschieden.

Wegen Korruptionsvorwürfen will die EU-Kommission Ungarns Milliardengelder streichen. Zahlungen in Höhe von rund 7,5 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen EU-Haushalt für den Zeitraum 2021-2027 sollen gestrichen werden. Das teilte EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn mit.

Die ungarische Regierung hatte zuvor Maßnahmen vorgeschlagen, um mit Kritik aus der EU umzugehen. Die EU empfiehlt jedoch, die Zahlung auszusetzen, so Hahn. Ungarn hat jedoch bis zum 19. November Zeit, die Bedenken auszuräumen.

Gelder aus dem EU-Haushalt seien nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt, sagte der Österreicher. Es ist das erste Mal, dass die Europäische Kommission einen Mitgliedstaat auf diese Weise wegen rechtsstaatlicher Mängel sanktionieren will.

Hilfe Corona zuvor gesperrt

Damit das Geld tatsächlich herunterkommt, müssen mindestens 15 EU-Staaten mit mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung zustimmen. Die EU-Kommission hat im April den sogenannten EU Legal Status Mechanism ins Leben gerufen.

Nach Angaben der EU-Antikorruptionsbehörde war der Anteil an Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von EU-Geldern im Zeitraum 2015-2019 in Ungarn höher als in jedem anderen Mitgliedstaat. Die EU-Kommission hatte Ungarn zuvor vorgeworfen, die Korruption nicht genug zu bekämpfen, und deshalb rund sechs Milliarden Euro Kronenhilfe blockiert.

Ungarn: “Konzessionen diskutiert und genehmigt”

Ungarn will den Streit mit der EU nach eigenen Angaben mit mehreren Gesetzesänderungen beilegen. „Die Regierung hat die Wünsche der Europäischen Kommission akzeptiert oder, wenn wir sie nicht akzeptieren konnten, einen Kompromiss gefunden, der beide Seiten zufriedenstellt“, sagte der Stabschef von Premierminister Viktor Orban, Gergely Gulyas. “Die Regierung hat diese Zugeständnisse heute diskutiert und genehmigt.”

Die Gesetze sollen im beschleunigten Verfahren vom Parlament verabschiedet werden und im November in Kraft treten. Zu den Änderungen gehört unter anderem die Einrichtung einer unabhängigen Anti-Korruptions-Agentur. Außerdem sind Maßnahmen geplant, um den Gesetzgebungsprozess transparenter zu gestalten.

Auch Polen im Fokus

Damit Verstöße gegen rechtsstaatliche Prinzipien wie die Gewaltenteilung in der EU nicht mehr ungestraft bleiben, trat Anfang 2021 der Rechtsstaatsmechanismus der EU in Kraft. Allerdings kann die EU nur handeln, wenn EU-Gelder aufgrund von Defiziten missbraucht werden können.

Neben Ungarn steht auch Polen im Rampenlicht. Beide Länder hatten deshalb Klage beim Gerichtshof der Europäischen Union erhoben – der die Klage jedoch abwies.

EU-Kommission wegen Milliardenkürzungen gegen Ungarn

Helga Schmidt, WDR Brüssel, 18.09.2022 11:51 Uhr

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