Weidel bei Maischberger: „Sie wollen Kanonenfutter aus Deutschland machen“

Weidel zu Maischberger „Sie wollen Kanonenfutter aus Deutschland machen“

Von Marko Schlichting, 21.09.2022 um 04:57 Uhr

Sandra Maischberger lädt Alice Weidel ein, um über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Außerdem ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine Frau, deren Position zum Thema bekannt ist. Der AfD-Chef kontert sie richtig.

Es ist Dienstagabend, kurz vor Mitternacht. In der ARD-Sendung „Maischberger“ sind FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel zu sehen. Es wird ein durchaus unterhaltsamer Schlagabtausch, bei dem nur der Moderator Gelassenheit ausstrahlt. Die Gegner haben es offensichtlich schwer, einander zuzuhören. Strack-Zimmermann unterbricht Weidel öfter als umgekehrt: Viermal wird sie vom Moderator zur Ordnung gerufen, einmal vom AfD-Politiker. Weidel wirkt in dieser Situation jedoch wenig selbstbewusst und wird ständig von ihrer Gegnerin abgewehrt.

Am Ende der Diskussion wird Strack-Zimmermann eine Bemerkung machen, die zwar lustig gemeint ist, aber in der aktuellen Krise etwas deplatziert wirkt. Es geht um die Einhaltung der Schuldenbremse, die Strack-Zimmermann verteidigt: Sie steht in der Verfassung und ist sehr wichtig. „Gerade in diesen extremen Zeiten muss darauf geachtet werden, nicht alle Regeln zu kippen“, sagt der FDP-Politiker. Auch Weidel befürwortet die Schuldenbremse. Allerdings befürchtet er, dass die Hilfspakete der Bundesregierung mit diesem Instrument nicht finanziert werden können. Deshalb sagt er: „Natürlich brauchen wir die Schuldenbremse. Strack-Zimmermann antwortet: “Ich weiß nicht, wer heute Abend bricht, aber nicht zu dieser Zeit.”

“Vorschlag von AfD-Abgeordneten ist nicht rechtsgültig”

Am Nachmittag gaben drei AfD-Landtagsabgeordnete von Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt bekannt, eine geplante Reise in das von Russland besetzte Donbass-Gebiet abzusagen. Strack-Zimmermann spricht von einer „Kaffeefahrt“ zu Maischberger, auch Weidel scheint nicht erfreut. Die Politiker wollten nach eigenen Angaben objektive Informationen über die Lage im Kriegsgebiet erhalten. Sie finde den Vorschlag nicht angebracht, sagt Weidel. “Wenn Sie in ein Kriegsgebiet reisen, werden Ihnen nur subjektive Wahrheiten präsentiert.” Der Parteiführung sei es gelungen, die Abgeordneten davon zu überzeugen, “dass es wenig Sinn macht”. Die Partei wurde nicht über die Reise informiert.

“Das entspricht Ihren Interessen”

Unterdessen plädiert Strack-Zimmermann erneut für mehr Waffenlieferungen an die Ukraine. “Wenn wir den russischen Präsidenten Putin nicht politisch und militärisch aufhalten, wird er als nächstes in die Westukraine gehen, und irgendwann werden es die baltischen Staaten sein. Es ist jetzt vorbei.”

“Sie wollen Deutschland mit Ihrer Linie zu Kanonenfutter machen, und diese Linie können Sie nicht nehmen”, entgegnet Weidel und wirft wenig später der Politik der FDP vor, als Rüstungslobbyistin ihre eigenen Interessen zu vertreten, indem sie immer mehr Waffen einfordert Ukraine. “Ich weiß nicht, wo Sie in Ihrem Leben falsch abgebogen sind, aber natürlich”, antwortet Strack-Zimmermann. Und der Moderator erklärt, dass die Vorsitzende des Bundestagsverteidigungsausschusses nur Mitglied in einem eingetragenen Verein ist, der das Militär fördert.

Doch so einfach ist es nicht: Laut der Website „Lobbypedia“ sind Strack-Zimmermann und viele andere Bundestagsabgeordnete Mitglieder des Vereins „Förderkreis Deutsches Heer“ (FKH), Strack Zimmermann sitzt sogar im Präsidium. Auch die Mitgliedsunternehmen des Förderkreises unterstützen die Parteien mit Spenden, zwischen 2005 und 2010 waren es insgesamt 3,7 Millionen Euro. Lobbywiki bemängelte, dass die FKH der Rüstungsindustrie “privilegierten Zugang zu Personen gewähren würde, die über die Höhe des Verteidigungsbudgets und die Genehmigung militärischer Großprojekte entscheiden”.

“Friedensgespräche mit Putin unmöglich”

Auch Strack-Zimmermann will den Krieg beenden, sieht derzeit aber keinen Raum für Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Weidel sieht das anders, aber seine Argumentation wirkt wenig durchdacht. Es ist Aufgabe der Bundesregierung, mit Putin zu verhandeln. Dies könnte sie jedoch nur tun, wenn sie ein neutraler Partner wäre. Aber nicht mehr, weil Deutschland die Ukraine mit Waffen unterstützt.

Schließlich gibt es auch bei den Sanktionen gegen Russland unterschiedliche Ansichten: Weidel will sie sofort beenden, weil sie den Menschen in Deutschland schaden, Strack-Zimmermann nicht. Er bezieht sich auf eine Umfrage, bei der die Mehrheit der Deutschen für die Beibehaltung der Sanktionen gestimmt hat. Und er weist darauf hin: “Sie werden auch Russland treffen. Sie werden das Leben und die Wirtschaft dort massiv beeinflussen.”

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